Transcription

HandbuchKommunaleJugendarbeitA6 Fachabteilung Gesellschaft

Handbuch Kommunale JugendarbeitIMPRESSUMHerausgegeber:Amt der Steiermärkischen LandesregierungA6 Fachabteilung GesellschaftReferat JugendKarmeliterplatz 2, 8010 GrazE-Mail: [email protected]: www.jugendreferat.steiermark.atRedaktion und Steuerung:Mag.a Alexandra NaglMag.a Kerstin DremelMag. Max Foissner, MASNora Arbesleitner, BSc (RJM Steirischer Zentralraum)Ing.in Carina Griesebner, BSW (RJM Liezen)Martina Haßler, MA. MSc (RJM Obersteiermark Ost)DI Michael Langerwisch, BSc (RJM Südweststeiermark)Julia Muhr, BSc (RJM Oststeiermark)Julia Schlacher, MA (RJM Obersteiermark West)Tamara Schober, MA (RJM Südoststeiermark)Danksagung:Die Teilnehmer*innen am Seminar zur Stärkung der Kommunalen Jugendarbeit im Februar 2020haben einen wesentlichen Beitrag geleistet, indem sie die praktischen Erfahrungen aus ihren Gemeinden eingebracht haben und diese so für andere (und zukünftige) Jugendbeauftragte nutzbar machen.Ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt!Maria S. Feirer (GRin Lebring)Margit Ferstl (JUZ Weiz)Tatjana Galsterer (Irdning-Donnersbachtal)Christoph Ganster (WIKI)Helmar Haas (JUZ Gratwein-Straßengel)Markus Kern (Obdach)Daniela Knafl (Stadtgemeinde Knittelfeld)Julian Macher (Stadtgemeinde Weiz)Bettina Mackowski (JUZ Feldbach)Christoph Pöchhacker (JUZ Gratkorn)Max Pratter (JUZ Leibnitz)Silvia Pucher (Irdning-Donnersbachtal)Volkmar Schöberl (JUZ Gleisdorf)Julia Steiner (Jugend am Werk – Voitsberg)Albana Thaqi (Stadtgemeinde Bruck a. d. Mur)Marion Wölbitsch (JUZ Judenburg)Christine Weninger (GRin Gnas)Layout:Referat Kommunikation Land SteiermarkFotos Cover: RM Obersteiermark Ost; JEF Steiermark; gettyimages.at / vgajic; RM Liezen;gettyimages,at / golero; gettyimages.at / gilaxia; gettyimages.at / pixelfit;WIKI Jugendzentrum Grünanger; gettyimages.at / JandrikGraz, August 20212

Handbuch Kommunale E KOMMUNALE JUGENDARBEIT ALS STANDORTFAKTORFÜR STEIRISCHE GEMEINDEN MIT ZUKUNFTINFORMATIONEN, PRAXISBEISPIELE UND HANDLUNGSTIPPSDieses Handbuch beschreibt die möglichen Aufgaben und Tätigkeitsfelder von KommunalenJugendbeauftragten 1 in steirischen Städten, Märkten und Gemeinden 2 füreine gelingende Kommunale Jugendarbeit, informiert über die rechtlichen und strategischen Grundlagen derKommunalen Jugendarbeit, unterstützt mit praktischen Empfehlungen und Handlungstipps dietägliche Arbeit vor Ort und veranschaulicht die Einbindung der Arbeit der KommunalenJugendbeauftragten in ein Netz von wichtigen Kooperationspartner*innen.Es versteht sich als Arbeitshilfe und wendet sich in erster Linie an zukünftige, neue und erfahrene Kommunale Jugendbeauftragte, an alle Akteur*innen der Jugendarbeit als Anregung für die Ausgestaltungder Zusammenarbeit mit Kommunalen Jugendbeauftragten, aber auch an Entscheidungsträger*innen und Interessierte in den steirischenKommunen (Bürgermeister*innen, Gemeinderät*innen, Angestellte in denGemeindeverwaltungen, Bürger*innen), um einen Einblick in die Chancen undMöglichkeiten einer aktiven Jugendarbeit in der Gemeinde zu gewinnen 3.123Definition des Begriffs Kommunale Jugendbeauftragte unter Kapitel 2.1.Wenn im Folgenden von Gemeinden oder Kommunen die Rede ist, sind immer Städte, Märkte und Gemeinden gemeint.Eine komprimierte Zusammenfassung ist ergänzend, im „Leitfaden für Entscheidungsträger*innen“ zum Handbuch für KommunaleJugendarbeit, zu finden.3

Handbuch Kommunale JugendarbeitLANDESRÄTIN FÜRBILDUNG, GESELLSCHAFT, GESUNDHEIT UND PFLEGEDR.INJULIANE BOGNER STRAUSSDie demografische Entwicklung und die zunehmende Abwanderung aus ländlichen Regionenmachen eine eigenständige „Kommunale Kinder- Jugend- und Familienpolitik“ immer wichtiger. Eine gut entwickelte soziale Infrastrukturwird mehr und mehr zu einem Standortfaktorfür unsere Gemeinden.Um den Anliegen und Bedürfnissen von jungen Menschen Gehör zu verschaffen und ihneneinen entwicklungsfördernden Raum zum Aufwachsen zu geben, ist es notwendig das ThemaJugend in den Gemeinden stärker zu verankern.Jugendliche brauchen eine konkrete Ansprechperson, an die sie sich wenden können unddurch die sie sich vertreten fühlen. Eine gelungene Verankerung von Kommunaler Jugendarbeit in der Gemeinde sorgt für Kontinuität undfür Klarheit in der Verantwortlichkeit.Durch diese Arbeit in den Gemeinden und imBesonderen durch die Erarbeitung eines Handbuchs für Kommunale Jugendbeauftragte sollen die bereits bestehenden Strukturen gestärktund anderen Gemeinden ein Handwerkszeugzur Verfügung gestellt werden, um das Themanoch besser etablieren zu können.Durch die Implementierung von Jugendbeauftragten wird eine bedarfsorientierte Infrastrukturfür alle jungen Menschen geschaffen. Darüberhinaus werden sie an der Weiterentwicklung derGemeinde direkt beteiligt und so intensiver eingebunden. Die stärkere Bindung der Jugendlichen an ihre Heimat reduziert die Jugendabwanderung und erhöht die Chance, dass sie in derRegion bleiben oder, nach ihrer Ausbildungszeit,wieder zurückkehren. Diese Entwicklung würdein weiterer Folge auch das gesellschaftliche Leben in den Regionen stärken.4 MARIJA KANIZAJDie Jugend ist die Zukunft der GemeindeWenn man sich die Jugendarbeit in der Steiermark als Gebäude vorstellt, so wird dieses „HausJugendarbeit“ bildlich gesprochen auf fünf Säulen getragen: Offene Jugendarbeit Verbandliche Jugendarbeit Schulsozialarbeit Fachstellen für Kinder- und Jugendarbeit Kommunale Kinder- und JugendarbeitDamit dieses Haus von Jugendlichen als wertvoller Wohn- und Lebensraum wahrgenommenwird, braucht es die nötigen Rahmenbedingungen, um ihre Persönlichkeit bestmöglich entwickeln zu können. Dabei spielen die steirischenGemeinden und damit die Kommunale Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Um im Bild zubleiben, sind die Kommunen das Wohnzimmerder Jugendlichen, in dem diese zu verantwortungsbewussten Mitglieder der Gesellschaft heranreifen. Gleichzeitig hat jede Gemeinde ein vitales Interesse daran, für ihre jungen Menschenein attraktiver Lebensraum zu sein, damit ihrHaus nicht irgendwann leer steht.Abschließend möchte ich mich bei den steirischen Gemeinden herzlich bedanken, die geradewährend der Pandemie großartiges geleistet haben und für viele Kinder, Jugendliche und derenFamilien eine wichtige Anlaufstelle waren. Nungilt es, die Kommunale Jugendarbeit weiterzuentwickeln und somit die Zukunft der steirischenGemeinden sowie der jungen Steirerinnen undSteirer auf gesunde Beine zu stellen.Ihre,Juliane Bogner-Strauß

Handbuch Kommunale JugendarbeitLANDESRÄTINNEN FÜR REGIONALENTWICKLUNGDie Jugendarbeit auf kommunaler Ebene isteine Win-Win-Situation: Sie trägt zum einendazu bei, dass sich Jugendliche in ihren Gemeinden zu Hause fühlen, stärkt das Wir-Gefühl und festigt die Verbundenheit mit ihrer Heimat. Sie ist somit ein wesentlicher Baustein, umjunge Menschen in den Gemeinden zu haltenund Orte damit lebens- sowie liebenswert zuerhalten. Zum anderen wissen die jungen Steirerinnen und Steirer am besten, was es vor Ortbraucht, und können gemeinsam mit Kommunalen Jugendbeauftragten mit zielführendenInitiativen und Projekten die Gemeinde, aberauch die Region insgesamt stärken.Was macht jedoch eine erfolgreiche kommunale Jugendarbeit aus? Die Abteilung 6 desLandes Steiermark hat gemeinsam mit denRegionalen Jugendmanagements ein praxisorientiertes Handbuch samt einem Leitfadenfür Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger erarbeitet. Dieses basiert aufzahlreichen Erfahrungen und vielen Ideen, die CREDITMMAG.A BARBARA EIBINGER-MIEDL& MAG.A URSULA LACKNERbereits weiterentwickelt, umgesetzt und evaluiert wurden. Das Handbuch liefert darüberhinaus wertvolle Informationen über rechtliche Rahmenbedingungen und strategischeGrundlagen.Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligtenfür ihr Engagement im Sinne der Jugendlichenauf kommunaler Ebene. Sie schaffen damitPerspektiven vor Ort und leisten einen Beitragfür eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeindeund des ganzen Landes. Denn das Fundamenteiner starken Steiermark sind starke Gemeinden und Regionen.Ihre,Barbara Eibinger-Miedl & Ursula Lackner5

Handbuch Kommunale JugendarbeitLEITERIN DER A6-FACHABTEILUNG GESELLSCHAFTJugendarbeit beginnt dort, wo Jugendliche leben – in ihrer Wohngemeinde.Dort müssen junge Menschen abgeholt, gefördert und begleitet werden. Dieses Bewusstseinhat sich in den letzten Jahren in vielen Gemeinden entwickelt. Doch will eine Gemeinde jungenMenschen das geben, was sie in einer immerkomplexer werdenden Zeit für ein gesundesAufwachsen brauchen, steht sie durchaus vorHerausforderungen.In den meisten Gemeinden ist der Wille vorhanden, Angebote zu schaffen, die jungenMenschen gute Lebensbedingungen ermöglichen und die die Bindung an die Gemeindeerhöhen. Um die Umsetzung dessen zu erleichtern und um Kommunale Jugendarbeitnachhaltig zu etablieren, braucht es jedochdas Zusammenspiel und Netzwerk aller Akteur*innen aus Politik, Verwaltung und Jugendarbeit. Aktive Kommunale Jugendarbeitist so gesehen eine Querschnittsaufgabe undein wichtiger Standortfaktor für zukunftsfähigeKommunen. Sie steigert die Lebensqualität fürjunge Menschen vor Ort und schafft eine guteGrundlage für den Verbleib in der Herkunftsgemeinde.Kommunale Jugendarbeit ist daher ein immerwichtiger werdender Teilbereich der Außerschulischen Jugendarbeit. Sie bietet jungenMenschen vor Ort, im besten Fall in allen steirischen Gemeinden, einen geschützten Platzihre freie Zeit aktiv zu verbringen, vielfältigeErfahrungen zu sammeln, gesellschaftlichesEngagement zu entwickeln und sich am Geschehen vor Ort zu beteiligen. Kommunen sindder Raum für Jugendliche, in dem sie zu verantwortungsbewussten und selbstbestimmtenMitgliedern der Gesellschaft heranreifen. Daherist dem Land Steiermark die Kommunale Jugendarbeit ein besonderes Anliegen, um allenjungen Menschen in der Steiermark, nach ihrenindividuellen Interessen und Bedürfnissen ein6 CREDITHRIN MAG.A ALEXANDRA NAGLattraktives Freizeit-, Lern- und Entfaltungsangebot bereitstellen zu können.Als Leiterin der A6-Fachabteilung Gesellschaftbin ich mir der herausfordernden Aufgabe vonGemeinden, eine funktionierende KommunaleJugendarbeit aufzubauen, bewusst und weißauch deren zentrale Rolle in diesem Zusammenhang sehr zu schätzen. Die Aufgabe desLandes ist es dabei, Kommunen durch Strategien, Rahmenbedingungen und Förderungenzu unterstützen. Mit dem SteiermärkischenJugendgesetz und der „Strategischen Ausrichtung der Kinder- und Jugendarbeit des LandesSteiermark“ wurde ein Rahmen geschaffen, derjungen Menschen in der Steiermark einen geschützten und entwicklungsfördernden Weg desAufwachens ermöglicht. Um diesen allgemeinen Bezugsrahmen in der Praxis leichter nutzbarzu machen und um den steirischen Gemeinden– neben ihren vielfältigen anderen Aufgaben –das Engagement im Bereich der KommunalenJugendarbeit zu erleichtern, hat die A6-Fachabteilung Gesellschaft, Referat Jugend gemeinsam mit den Regionalen Jugendmanagementsdieses Handbuch für Kommunale Jugendarbeitentwickelt. Es wurde als praxisorientiertes Unterstützungsangebot angelegt und soll Gemeinden zur Implementierung von Kommunalen Jugendbeauftragten anregen.Vielen Dank für Ihr bisheriges und künftigesEngagement für und mit unseren jungen Menschen in der Steiermark!Ihre,Alexandra Nagl

Handbuch Kommunale JugendarbeitGF REGIONALMANAGEMENT OBERSTEIERMARK OSTSPRECHER REGIONALMANAGEMENT STEIERMARK RM OSO PASHKOVSKAYAMAG. JOCHEN WERDERITSCH‚Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft.‘(Sartre)Regionalentwicklung und Nachhaltigkeit sindunmittelbar miteinander verknüpft. Ob auf sozialer, ökonomischer oder ökologischer Ebene:Entwicklungsansätze benötigen eine stabile Basis, um nachfolgenden Generationen dieRahmenbedingungen für ein gelingendes underfülltes Leben zu hinterlassen. Dabei sind dieMenschen dieser kommenden Generationenselbst die wohl wichtigste Ressource.Dementsprechend stellt die Jugend ein unverzichtbares Fundament dar, auf dem, mitdem und für das wir unsere regionale Zukunftgestalten und errichten. Kommunale Jugendarbeit bildet wiederum den Nährboden, aufdem sich die Lebenswelten der Jugendlichenin unseren Städten und Gemeinden positiventwickeln können. Sie bildet damit einenStandortfaktor von ausschlaggebender Bedeutung sowohl für die langfristig positiveEntwicklung der Gemeinden als auch unsererganzen Region.Entsprechend hoch ist die Relevanz der Jugendarbeit auf kommunaler Ebene zu betrachten und ebenso wertvoll die Funktion diesesHandbuches bzw. Leitfadens als Handlungshilfe für alle Beteiligten. Es bildet einerseits einhilfreiches Argumentarium zur Bedeutsamkeitder Kommunalen Jugendarbeit und beinhaltetgleichzeitig das konzentrierte Wissen zu ihrer erfolgreichen praktischen Umsetzung.Dadurch wird es zu einem unverzichtbarenWerkzeug für die regionalen Jugendmanagements in der Steiermark und kann allen kommunalen Entscheidungsträger*innen und Jugend-Akteur*innen nur wärmstens ans Herzgelegt werden.Ihr,Jochen Werderitsch7

GETTYIMAGES.AT / ATSTOCK PRODUCTIONSHandbuch Kommunale Jugendarbeit8

Handbuch Kommunale JugendarbeitINHALT1. Standortfaktor für Kommunen mit Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102. Gelingende Kommunale Jugendarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122.1 Was ist Kommunale Jugendarbeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142.2 Gesetzliche und strategische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163. Von der Idee – zum Plan – zur Umsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183.1 Startvoraussetzungen für die Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183.2 Netzwerke aufbauen und/oder pflegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193.3 Von der Analyse zum Konzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213.4 Jugendbeteiligung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264. Umsetzung in der Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344.1 Angebote der Offenen Jugendarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 364.2 Bauliche Maßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 374.3 Aufsuchende Angebote: Mobile Jugendarbeit/Streetwork . . . . . . . . 394.4 Jugendzeitung/Informationsplattformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404.5 Organisation von Jugendevents . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414.6 Vorhandene Treffpunkte ausstatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 454.7 Unterstützungsleistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465. Öffentlichkeitsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 486. Förderungen und unterstützende Ansprechpartner*innen . . . . . . . . . . . . 506.1 Förderungen für Offene Jugendarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 506.2 EU-Förderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 516.3 Sonstige Förderungen und unterstützendeAnsprechpartern*innen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 537. Resümee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58Weiterführende Literatur und Links . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60Kontakte und Links . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66Kontaktdaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 709

Handbuch Kommunale Jugendarbeit1. STANDORTFAKTOR FÜRKOMMUNEN MIT ZUKUNFT„Die Jugend ist unsere Zukunft“ – dieses Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren in vielen Gemeinden entwickelt. Gleichzeitig machendie demographische Entwicklung und die zunehmende Abwanderung junger Menschen ausvielen Regionen eine eigenständige kommunale Kinder-, Jugend- und Familienpolitik immerwichtiger.Hier eröffnen sich für Städte, Märkte und Gemeinden einige vielversprechende, aber auchherausfordernde Themenfelder, wie beispielsweise: Die Gestaltung eines kinder- und jugendfreundlichen Umfeldes, das Heranführen von Jugendlichen an kommunalpolitische Fragestellungen, die Unterstützung der Vereine bei der Nachwuchsarbeit, ganzheitliche Bildung, lebenslanges/lebensbegleitendes Lernen und das Sichtbarmachenvon Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeitensowie Jobchancen in der Gemeinde/Region, Digitalisierung und die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation über soziale Medien, neue Familienstrukturen, ein verändertes Freizeitverhalten und das Aufbrechen von traditionellen Rollenbildern.Vor diesem Hintergrund ist Kommunale Jugendarbeit und eine gut entwickelte soziale Infrastruktur für Kinder, Jugendliche und Familien stärkerdenn je zu einem maßgeblichen Standortfaktorfür die Attraktivität einer Gemeinde geworden.Dieses Handbuch möchte einen Beitrag leisten,um den Aus- bzw. Aufbau einer gelingendenJugendarbeit in Städten und Gemeinden zu erleichtern. Bürgermeister*innen, Gemeinderät*innen, Mitarbeiter*innen der Gemeindeverwaltungund vor allem Kommunale Jugendbeauftragteerhalten damit einen guten Einblick in die Entwicklung, Durchführung und Qualitätssicherungeiner bedarfsgerechten Angebotsstruktur für Jugendliche in ihrer Kommune.Ausgehend von § 9 des Steiermärkischen Jugendgesetzes, wurde das Regionale Jugendmanagement (RJM) als zentrale Stelle zur Entwicklung von Kinder- und Jugendarbeit in allenZIELSETZUNGEN DES HANDBUCHS KOMMUNALE JUGENDARBEITDieses Handbuch leistet einen Beitrag zum Ausbau und zur Stärkung der KommunalenJugendarbeit in ihrer Gemeinde, intensiviert die Zusammenarbeit zwischen RJMs, Gemeinden undJugendbeauftragten, unterstützt bei der Implementierung von Jugendbeauftragten in einer Gemeinde, liefert eine Handlungsanleitung für Jugendbeauftragte durch „Tools“ und„Aufgabenbeschreibungen“, inspiriert bereits vorhandene Jugendbeauftragte, motiviert zur Schaffung von dauerhaften Strukturen der Jugendarbeit undFormen der Jugendbeteiligung und stärkt die Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit einer Gemeinde.4410Dieses Handbuch versteht sich als ein „lebendes Dokument“: Digitale und aktuelle Ergänzungen unterwww.jugendreferat.steiermark.at/kja

Handbuch Kommunale JugendarbeitAls Teil des jeweiligen RegionalmanagementTeams treiben sie die Jugend-Regionalentwicklung voran und sorgen gemeinsam mitvielen Partner*innen dafür, dass Jugendthemen in der Region ernst genommen werden.Da sich die RJMs als zentrale Schnittstellezwischen dem Land Steiermark, den Regionalverbänden, den Gemeinden und all jenen, diemit Jugendlichen arbeiten (Akteur*innen derJugendarbeit) verstehen, ist die Unterstützungder Gemeinden eine ihrer Hauptaufgaben. DieRegionalen Jugendmanager*innen vernetzen,beraten und informieren in Bezug auf Kommunale Jugendarbeit. Aus deren Daten- undWissensbasis und mit Unterstützung vieler Akteur*innen aus dem Jugendbereich ist diesesHandbuch entstanden. GETTYIMAGES.AT / DELPIXARTsteirischen Regionen etabliert. Seit 2012 arbeiten sieben Regionale Jugendmanager*innen(RJMs) initiiert, gefördert und koordiniert durchdie A6-Fachabteilung Gesellschaft daran, dieJugendarbeit in regionalen Strukturen und Entwicklungsleitbildern zu verankern.11

Handbuch Kommunale Jugendarbeit2. GELINGENDEKOMMUNALEJUGENDARBEITSie sind die Unternehmen*innen undArbeitskräfte von morgen.Warum sind junge Menschen wichtigfür eine Gemeinde?Warum es so wichtig ist, junge Leute in der Gemeinde zu unterstützen, zu fördern bzw. ihreIdentifikation mit der Heimat zu stärken, zeigendie nachfolgenden Beispiele: Die Jugendlichen von heute sind die zukünftigen Säulen der Gemeinde, indem sie Familien gründen, Betriebe fortführen, aufbauenoder in ansässigen Unternehmen arbeiten GETTYIMAGES.AT / NIKADAJunge Menschen beleben eine Gemeinde Sie sind die Bewohner*innen und Familienvon heute und morgen.Sie liefern neue Ideen zur Gestaltungder Gesellschaft.Sie verbessern durch ihr soziales Engagementden Zusammenhalt.Sie bringen frischen Wind durch Jugendkultur.Sie sorgen für ein reges Sozialleben auch inVereinen und Verbänden.Sie bewahren Tradition und Brauchtum.Sie sichern Schulstandorte.Sie machen die Gemeinde auch für andereJugendliche attraktiv.12

Handbuch Kommunale Jugendarbeit und mit neuen Ideen die Entwicklung in derGemeinde vorantreiben.Jugendliche im Ehrenamt (Rotes Kreuz, Freiwillige Feuerwehr etc.) stärken das sozialeGefüge und sichern die Rettungskette derZukunft.Die Mitgliedschaft von Jugendlichen bei Vereinen bindet diese an die Gemeinde, sorgt fürein reges Sozialleben und sichert auch dasÜberleben der Vereine.Junge Menschen bringen frischen Wind in dieGemeinde und beleben diese durch jugendkulturelle Aktivitäten.Tradition und Brauchtum werden für die Zukunft bewahrt, indem Jugendliche diese inden verschiedensten Vereinen und Verbänden kennenlernen und weitertragen.Junge Menschen ziehen junge Menschen an,also spielen Jugendliche auch eine starkeRolle beim Thema Zuwanderung.Sind viele Schüler*innen und Lehrlinge in derGemeinde, erhöht sich auch der Besetzungsgrad und damit die Frequenz bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Davon profitieren alleGemeindebürger*innen.Warum ist Kommunale Jugendarbeit einmaßgeblicher Faktor für die Attraktivität einerGemeinde?Kommunale Jugendarbeit wirkt wie ein Standortfaktor für eine Gemeinde. Standortfaktorensind Kriterien, die bei der Entscheidung übereinen Unternehmensstandort von Bedeutungsind. Auch junge Menschen entscheiden ähnlichwie Unternehmen und leben in jenen Orten, wosie die besten Bedingungen und Möglichkeitenfür sich vorfinden. Gemeinden haben den impliziten gesellschaftlichen Auftrag, Strukturenzu schaffen, die jungen Menschen gute Lebensbedingungen ermöglichen und die Zukunftschancen in ihrer Region aufzeigen. KommunaleJugendarbeit steigert die Lebensqualität für Jugendliche vor Ort und ist ein wesentliches Argument für den Verbleib bzw. die Rückkehr in dieHerkunftsgemeinde. Abgesehen von den vorhandenen Ausbildungs- und Jobmöglichkeitensowie einer sozialen und öffentlichen Infrastruktur, sind es vor allem emotionale Faktoren, diezum Wohlfühlen wesentlich beitragen. Hierbei5spielen sowohl die Familie und lokale Netzwerke als auch Vereine und Freizeitangebote für dieIntegration in das soziale und kommunale Umfeld eine wichtige Rolle.Aber auch für Unternehmen ist die Jugend einwichtiger Faktor. Denn diese brauchen langfristig Mitarbeiter*innen (und Kund*innen), damitsie bestehen bzw. sich ansiedeln können. Durchintensive Zusammenarbeit mit der regionalenWirtschaft werden Jugendliche motiviert undgefördert, in den ortsansässigen Betrieben tätigzu werden. 5Warum ist eine strukturelle Verankerung vonJugendarbeit in der Gemeinde wichtig?Um den Anliegen und Bedürfnissen von Jugendlichen Gehör zu verschaffen, ihnen entsprechend Raum zu geben und sie bei allenkommunalpolitischen Entscheidungen mitzudenken, ist es notwendig, das Thema Jugend inder Gemeinde in allen Bereichen zu berücksichtigen und strukturell zu verankern. Nur eine gelungene Verankerung in der Gemeindestruktursorgt für Kontinuität und für Klarheit in der Verantwortlichkeit. Jugendliche brauchen eine konkrete Ansprechperson, an die sie sich wendenkönnen und durch die sie sich vertreten fühlen.Der erste Schritt zur Verankerung der Kommunalen Jugendarbeit in der Gemeinde ist die Nominierung eines oder einer Jugendbeauftragtendurch die Gemeinde (durch den*die Bürgermeister*in oder den Gemeinderat).Jede Gemeinde ist anders!Daher entscheidet die örtliche Situation überdie geeigneten Strukturen (z. B. ehrenamtlicheoder angestellte Jugendbeauftragte) und darüber, welche Projekte und Aufgaben Vorranghaben. So werden sich auch die Angebote derKommunalen Jugendarbeit von Gemeinde zuGemeinde unterschiedlich gestalten. Durchdieses Handbuch sollen einerseits die bereitsbestehenden Strukturen der Kommunalen Jugendarbeit in den Gemeinden gestärkt werden,und andererseits soll Gemeinden ein Handwerkszeug zur Verfügung gestellt werden, umdas Thema Jugend zukünftig in Ihrer Gemeindenoch besser etablieren zu können.Hilfe und Unterstützung bieten die Regionalen Bildungs- und Berufsorientierungs-Koordinationen in allen sieben steirischen Großregionen.Kontaktdaten im Anhang und unter 3

Handbuch Kommunale JugendarbeitZENTRALE PLAYER*INNEN DERKOMMUNALEN JUGENDARBEIT( MÖGLICHE JUGEND BEAUFTRAGTE) Jugendakteur*innen Jugendreferent*innen Jugendgemeinderät*innenWer macht Kommunale Jugendarbeit?Alle Personen, die mit Jugendarbeit in der Gemeinde befasst sind, machen im weitestenSinne des Wortes Kommunale Jugendarbeit.Im Idealfall arbeiten sie dabei als Team zumWohle der Jugendlichen zusammen. Um dieGesamtkoordination aller Aktivitäten zu verbessern, sollte jede Gemeinde aber über eine Person verfügen, die von der Bürgermeisterin oderdem Bürgermeister und dem Gemeinderat alsJugendbeauftragte installiert wurde.Da im Kontext der Kommunalen Jugendarbeitverschiedene Begrifflichkeiten gebräuchlich sind,gilt es zunächst, sich auf einheitliche Definitionen festzulegen. In der Steiermark werden dieuntenstehenden Begriffe wie folgt verwendet:1. Jugendakteur*innen (Akteur*innen derJugendarbeit):Dies sind Personen aus Vereinen, Jugendzentren oder anderen sozialen Einrichtungen,die mit oder für Jugendliche arbeiten.2. Jugendreferent*innen:Dies sind Mitarbeiter*innen der GemeindeVerwaltung, die für (Kinder- und) Jugend-Angelegenheiten zuständig sind (ev. im eigenenJugendreferat der Gemeinde).3. Jugendgemeinderät*innen (JGR):Dies sind politische Funktionär*innen, dievom zuständigen Ausschuss (ev. eigener Jugendausschuss) ernannt werden und (Kinder- und) Jugend-Angelegenheiten im Gemeinderat vertreten.2.1 WAS IST KOMMUNALE JUGENDARBEIT?Kommunale Jugendarbeit ist ein immer wichtiger werdender Teilbereich der AußerschulischenJugendarbeit. Diese ist (neben Familie, Schuleund Kinder- und Jugendhilfe) die vierte Säuleder Jugendarbeit in Österreich, die JugendlichenEntwicklungsraum und Sicherheit bietet, siestärkt und fördert. Außerschulische Jugendarbeitbezeichnet ein sehr weites und vielfältiges Spektrum an Angeboten und Maßnahmen und reichtvon der Offenen und Verbandliche Jugendarbeit,Jugendinformation und Jugendberatung, überSport- und Freizeitaktivitäten für Jugendliche,bis hin zu Schulsozialarbeit, Jugendbeteiligungund internationaler Jugendarbeit. Ein zentralesWesensmerkmal ist die starke Betonung auf Aktivitäten in der Freizeit und die Ausrichtung aufinformelles und non-formales Lernen. 6Viele Menschen denken bei Kommunaler Jugendarbeit zunächst an Vereine/Verbände,Jugendzentren oder Jugendtreffs. Allerdingssind die Angebote für Jugendliche in den Gemeinden mittlerweile sehr vielfältig. So findetman neben den erwähnten Angeboten der Offenen und Verbandlichen Jugendarbeit eineimmer breiter werdende Palette von Angeboten wie Jugendveranstaltungen, Jugendzeitungen, Spielmobile, Ferienbetreuung, frei zugängliche Sportplätze, Skateanlagen, Aktiv- undAbenteuerspielplätze oder öffentliche Bibliotheken mit speziellen Jugendangeboten. Auchstärker strukturierte Angebote wie Jugendbeteiligung, Mobile Jugendarbeit und Schulsozialarbeit sind dabei relevant.Kommunale Jugendbeauftragte 7 sind also allePersonen, die von der Gemeinde mit Aufgabender Kommunalen Jugendarbeit betraut sind.Das können sowohl Jugendgemeinderät*innen,Jugendreferent*innen, Jugendakteur*innen ausder Offenen oder Verbandlichen Jugendarbeitoder andere engagierte Personen sein.Kommunale Jugendarbeit umfasst also dieGesamtheit aller Leistungen, die in einer Kommune für junge Menschen erbracht werden. Inmanchen Gemeinden gibt es auch eigene Ver-Was sind die Aufgaben von KommunalenJugendbeauftragten? Sie sind die zentralen Ansprechpartner*innenzu Jugendthemen für Jugendakteur*innen,614waltungseinheiten (z. B. Jugendreferate), diesich um jugendspezifische Fragestellungenannehmen.7Siehe: www.jugendarbeitinoesterreich.atKommunale Jugendbeauftragte werden in diesem Handbuch meist im Plural genannt, da dies eine geschlechtsneutrale Formulierung darstellt.

Handbuch Kommunale JugendarbeitKOMMUNALE JUGENDBEAUFTRAGTE FUNGIERENALS ANSPRECHPARTNER*INNEN FÜR JUGENDLICHE,FÜR MULTIPLIKATOR*INNEN UND FÜR DIE BEVÖLKERUNGSOWIE ALS ZENTRALE DREHSCHEIBE ZUM THEMA JUGENDINNERHALB DER GEMEINDE.SIE SOLLTEN DAHER FOLGENDES MITBRINGEN: Erreichbarkeit (alle Gemeindebürger*innen wissen, wann, wo und wie sie dieJugendbeauftragten erreichen können), vermittelnde und ausgleichende Fähigkeiten, Reflexionsfähigkeit, Überparteilichkeit, Neutralität und Anwaltschaftlichkeit für die Jugend, Ausdauer und Beständigkeit, Verlässlichkeit, Basiskenntnisse im Projektmanagement und Nähe zu Jugendthemen.Jugendliche und die restliche Bevölkerung ineiner Gemeinde. Sie koordinieren alle Aufgaben und Angebote, die von einer oder in einer Gemeindefür junge Menschen geleistet werden (z. B.Verbandliche Jugendarbeit, Offene Jugendarbeit, frei zugängliche Spielstätten, Ferienbetreuung, Angebote zum Übergang von derSchule in den Beruf, Jugendsozialarbeit, gesellschaftspolitische Bildung und Partizipation, Jugendkultur). Sie entwickeln Konzepte für Kommunale Jugendarbeit für ihre jeweilige Gemeinde undsorgen gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen für die Umsetzung. Sie sind in der Gemeinde für die strategischeArbeit rund um das Thema Jugend zuständig.ZielgruppenDirekte Zielgruppe der Kommunalen Jugendarbeit sind alle Jugendlic

Handbuch Kommunale Jugendarbeit 3 1 Definition des Begriffs Kommunale Jugendbeauftragte unter Kapitel 2.1. 2 Wenn im Folgenden von Gemeinden oder Kommunen die Rede ist, sind immer Städte, Märkte und Gemeinden gemeint. 3 Eine komprimierte Zusammenfassung ist ergänzend, im „Leitfaden für