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Info-Brief der Kommunalen Unfallversicherung Bayern und der DSH · Sommer 2013Kraft durch schöne MomenteWer die Pflege eines Angehörigen übernimmt, hat innerhalb kurzer Zeit einen völlig neuenAlltag: Körperliche Pflegetätigkeiten, Papierberge und Behördengänge, Arztbesuche unddie Organisation von Dienstleistern aller Art gehören dazu. Für schöne Momente bleibt damanchmal nicht viel Raum. Und nicht immer ist die innere Offenheit dafür gegeben. Dabeikönnen sie den Alltag nicht nur erhellen, sondern auch zur Kraftquelle werden.

Kraft durch schöne MomenteLiebe Leserin, lieber Leser,Sie betreuen einen pflegebedürftigen Menschenzu Hause und sorgen oft mit hohem persönlichenEinsatz dafür, dass er weiterhin am vertrautenFamilienleben teilnehmen kann.Während Ihrer Pflegetätigkeit sind Sie automatischgesetzlich unfallversichert. Welche Leistungen damit verbunden sind, erfahren Sie in diesem InfoBrief. Gleichzeitig möchten wir Ihnen dabei helfen,bei der Pflege selbst gesund zu bleiben.Wir hoffen, dass Sie diesen Info-Brief gerne lesen,und würden uns freuen, von Ihnen zu hören, wieer Ihnen gefällt.Die Adresse der Redaktion finden Sie auf Seite 8.Kraft durch schöneMomenteBrunhilde Beckers Mutter litt an Demenz. Sie wurde inder Familie gepflegt, bis sie starb. Ihre Schwiegermutter ist ebenfalls dementiell erkrankt und lebt in einerambulanten Wohngemeinschaft. In beiden Pflegesituationen hat die Frau aus Oldenburg das erlebt, wassie als „viele schöne, freudige Momente“ beschreibt.Darunter sind viele Augenblicke, die aus einem anderen Blickwinkel auch als durchaus belastend hättenwahrgenommen werden können. Zum Beispiel dieBegrüßung bei einem Besuch. Gerade für die Angehörigen von Demenzkranken ist es ein trauriger Moment,wenn der Pflegebedürftige sie nicht mehr erkennt.Dann wird überaus deutlich, wie weit sich dieserMensch schon verändert hat. Brunhilde Becker siehtdas anders. „Wenn ich komme und meine Schwiegermutter mich zwar nicht als Person erkennt, aber mirentgegenstrahlt und sagt ‚Da kommt ja die richtigeTante‘, dann ist das ein wunderbarer Moment.“Das Motto „Nicht dem Verlorenen hinterhertrauern,sondern sich am Verbliebenen freuen“ vertritt auchHelga Schneider-Schelte, Koordinatorin der Telefonberatung bei der Deutschen Alzheimer-Gesellschaftin Berlin: „Den Blick darauf zu richten und daran anzuknüpfen ist eine gute Möglichkeit, gemeinsam Schöneszu erleben.“ Solche Momente hat auch Brunhilde2Becker erfahren: „Bei meiner Schwiegermutter habenwir erlebt, dass sie ganz lange ihre Schlagfertigkeiterhalten hat. Sie hat uns wunderbare Sprüche geschenkt, die uns oft vom Hocker gerissen haben.“Pflegealltag verändert das MiteinanderDer Pflegealltag ist eine neue Situation für alle Beteiligten. Eine Herausforderung, aber zugleich die Chance,dass sich Beziehungen verändern, weiterentwickelnoder neu entstehen. „Angehörige von Demenzkrankenberichten davon, dass sich ihr Verhältnis zum Pflegebedürftigen verbessert hat. Menschen mit Demenzäußern sich stärker gefühlsmäßig, der Verstand, dieKognition, hat nicht mehr die Oberhand“, beschreibtSchneider-Schelte. So suchen etwa viele dementiellErkrankte, die als Gesunde sehr kontrolliert waren,nun verstärkt die Nähe des anderen. „Sie genießenes, umarmt zu werden, oder sie finden es schön, beimSpazierengehen untergehakt zu werden. Andere zeigenvielleicht zum ersten Mal ihre Zuneigung und Dankbarkeit.“ Wer solche Sätze hört, Freude in der Mimik desGegenübers sieht oder andere Signale von Dankbarkeitund Freude erfährt, kann daraus auch Kraft und Motivation für sein tägliches Tun schöpfen. „Angehörige erleben damit: Sie tragen etwas dazu bei, dass es einemnahestehenden Menschen in einer meist leidvollenLebenssituation ein wenig besser geht. Sie sind Quellefür Lebensfreude“, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen inBonn.Eine Hürde auf dem Weg dorthin kann der Rollenwechsel sein, den viele Pflegesituationen mit sich bringen:„Die Tochter muss nun die ‚Führung‘ übernehmen, dieEhefrau sieht sich Aufgaben gegenüber, die bislangausschließlich ihr Mann übernommen hat. Das anzunehmen ist für pflegende Angehörige oft ein langerund schwieriger Prozess“, erläutert Schneider-Schelte.Und auch manch Pflegebedürftiger hadert zunächstmit dieser Situation. Sie anzuerkennen ist die Grundlage für eine neue Form von Wertschätzung. „Da erfährt beispielsweise eine Tochter, die bislang immerals ‚die Kleine‘ behandelt wurde, eine ganz neue Anerkennung“, sagt Lenz.Zeit füreinander schafft NäheMehr Nähe und eine stärkere Intensität im Miteinanderkönnen auch dadurch entstehen, dass man mehr Zeit

Kraft durch schöne Momentemiteinander verbringt. „Anders als früher ist diese Zeitmeist nicht durch Aktivitäten gefüllt. Man kann sich aufeinander konzentrieren, miteinander reden, Fotoalbenanschauen oder auch alte Briefe lesen. Das verbindet“,sagt Ursula Lenz. In solchen Situationen können durchaus auch Themen zur Sprache kommen, für die bishernie Zeit oder die richtige Gelegenheit war. Und: Sie bieten Raum dafür, wechselseitig noch unbekannte Seitenzu entdecken. „Meine Mutter hatte in dieser Lebensphase erstmals wirklich Zeit für mich. Ich habe Seitenan ihr kennengelernt, von denen ich in ihrem aktivenLeben nie etwas erfahren habe, zum Beispiel, dass sieGedichte liebte“, erzählt Becker.Pflegealltag bietet Raum, sich selbst zu entwickelnDer Pflegealltag mit seinen großteils neuen Herausforderungen kann für den pflegenden Angehörigenzu einem Raum werden, in dem er sehr viel über sichlernen kann. Er kann Fähigkeiten neu entdecken oderNeues erlernen. Dazu können Geduld und Toleranzgehören, aber auch die Gabe, sich auf das Jetzt undHeute zu konzentrieren und den Moment bewusst zuleben. „Viele pflegende Angehörige berichten auchdavon, dass sie durch die Pflege einen verändertenBlick auf ihr Leben gewonnen haben. Sie setzen andere Prioritäten, Beziehungen werden wichtiger“,sagt Schneider-Schelte. Die Inhalte von Gesprächenmit den Freunden verändern sich, werden oft intensiver.Diese Gespräche können wertvolle, ergänzendePositiv-Impulse liefern, genau wie die Anerkennungund Bestätigung durch weniger nahe stehende Dritte.„Auch kleine Aufmerksamkeiten und Gesten helfenim Alltag“, sagt Schneider-Schelte. Sie nennt zweibeispielhafte Situationen: „Wenn etwa der Nachbarsagt ‚Ach, ich freue mich immer so, wenn ich Siemit Ihrer Mutter sehe.‘ Oder eine Freundin kommtspontan mit Kuchen vorbei und fragt nach, wie eseinem geht.“Schöne Momente sieht nur, wer den Rücken frei hatDer Pflegealltag mit seinen Belastungen ist die größteHürde auf dem Weg dahin, die vielen kleinen freudigenMomente im Miteinander überhaupt zu sehen, sich anihnen zu freuen und sie auch festzuhalten.„Um schöne Momente als solche wahrnehmen zu können, muss man als pflegender Angehöriger den Rückenfrei haben“, formuliert Brunhilde Becker. Und das hatsowohl eine seelische als auch eine ganz pragmatischorganisatorische Seite. „Den Rücken frei“ bekommtnur, wer bereit ist, die Gegebenheiten mit allen Widrigkeiten zu akzeptieren. Eine gute organisierte Versorgungssituation und die Bereitschaft, Entlastung anzunehmen, sind ebenfalls unverzichtbar. „Ich ermutigeAngehörige, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen überihre Belastungen zu reden, damit sie sie verarbeitenund lernen können, damit umzugehen“, berichtetSchneider-Schelte. Dann kann der Blick sich öffnenfür die vielen kleinen Augenblicke, die einfach nurschön sind.3

Körperliche Belastungen – mit Bewegungskonzepten vorbeugen und entgegenarbeitenKörperliche Belastungen – mit Bewegungskonzeptenvorbeugen und entgegenarbeitenHäusliche Pflege kann an körperliche Schwerstarbeitgrenzen, wenn etwa ein pflegender Angehöriger denPflegebedürftigen umbetten oder in eine Sitzpositionbringen muss. Auf die Dauer und vor allem bei ungünstigen Bewegungsabläufen kann das den Rücken despflegenden Angehörigen belasten, ja sogar nachhaltigschädigen. Zu den möglichen Folgen dieser Belastungzählt der Bandscheibenvorfall. Dabei wird die Bandscheibe, Puffer zwischen den einzelnen Rückenwirbeln, aus ihrer richtigen Position herausgedrückt.Die Beschwerden wie Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen hängen davon ab, wo der Bandscheibenvorfall auftritt und ob Nerven beziehungsweise Nervenwurzeln beteiligt sind. Betroffen ist vor allem derLendenwirbelsäulen-, seltener der Nackenwirbelbereich“, sagt Christian Hassel vom AOK Bundesverbandin Berlin. Im schlimmsten Fall läuft das auf eine Operation hinaus. Vorbeugemaßnahmen können dazubeitragen, diese und andere Belastungsschäden zuvermeiden.Gute Kenntnisse und körperliche FitnessDer erste Schritt ist ein von der Pflegekasse finanzierterPflegegrundkurs. Hier lernen pflegende Angehörigeunter anderem verschiedene Möglichkeiten etwa zur4Lagerung des Pflegebedürftigen. Hilfreiche Ergänzungen dazu sind Anleitungen im häuslichen Umfeld; zumgelegentlichen Nachschauen bietet sich die VideoDokumentation der Bewegungsabläufe auf der Internetseite der AOK an.Maßnahme Nummer zwei ist eine Daueraufgabe: Jegesünder und fitter der eigene Körper ist, umso besserkann er körperliche Belastungen meistern. VielfältigeBewegung und Sport stärken die Muskeln und wirkenVerspannungen entgegen. Neben sportlichen Aktivitäten etwa im Verein bieten sich Rückenschulen sowieFitness- und Präventionskurse der Krankenkassen an.Speziell auf den Personenkreis der pflegenden Angehörigen zugeschnittene Gesundheitskurse gibt es allerdings eher selten. „Falls kein spezielles Programm vorhanden ist, können pflegende Angehörige natürlich wiealle anderen Versicherten die klassischen Gesundheitskurse ihrer Krankenkasse nutzen“, sagt Hassel.Kinästhetik-Kurse für pflegende AngehörigeEine spannende dritte Möglichkeit, Rücken- und anderen körperlichen Beschwerden entgegenzuwirken, eröffnet das Bewegungskonzept Kinästhetik, ein Begriff,der mit „Kunst oder Wissenschaft der Bewegungswahrnehmung“ übersetzt werden kann. Dieses Konzeptbeschäftigt sich mit der Wahrnehmung und der Steuerung menschlicher Bewegung und ihrer Wirkung imKörper. Es wird mittlerweile an vielen Orten in ganzDeutschland in Kursen gezielt für pflegende Angehörige angeboten.Kinästhetik beinhaltet mehrere Aspekte: „Es ist wichtig, dass pflegende Angehörige lernen, auf sich selbstzu schauen. Nur wenn sie frühzeitig ihre Belastungenund auch ihre Grenzen wahrnehmen, können sie Überbelastungen vermeiden. Bei diesem Sensibilisierungsprozess unterstützen wir sie in unseren Kursen“, erläutert Maren Asmussen-Clausen, Geschäftsführerin desVereins Kinaesthetics Deutschland in Flensburg. AmAnfang eines Kurses wird deshalb gefragt: Wie bewegeich mich im Pflegealltag? Wie kann ich mich selbst spüren? Wie gehe ich mit Gewicht um? Dann geht es darum, wie sich Belastungen vermeiden oder reduzierenlassen und welche Hilfsmittel dabei auf welche Weiseunterstützend eingesetzt werden können. „Es gibt zweiunterschiedliche Herangehensweisen in der Pflege“,so Asmussen-Clausen. „Ich kann meinem Angehörigennahezu jeden Handgriff abnehmen. Ich kann jedoch

Körperliche Belastungen – mit Bewegungskonzepten vorbeugen und entgegenarbeitenauch so mit ihm umgehen, dass er seine noch verbliebenen Möglichkeiten selbst nutzt und mit einbringt.Wenn dieser Interaktionsprozess zwischen Pflegendemund Pflegebedürftigem bewusst gestaltet wird, wennihrer beider Bewegungsabläufe ineinandergreifen,kann das für den Pflegenden eine enorme körperlicheErleichterung bedeuten.“ Etwa zwei Drittel der Kursebestehen aus praktischen Erfahrungen und Übungender Teilnehmer. Alleine oder miteinander probierensie, sich möglichst körperschonend und unter Einbeziehung des Pflegebedürftigen beziehungsweise einesÜbungspartners zu bewegen. Üblicherweise sind Pflegebedürftige beim Kurs nicht dabei. Sie können jedocheingeladen werden. Für den pflegenden Angehörigenbringen solch koordinierte Bewegungsabläufe nichtnur Entlastung mit sich. Sie reduzieren auch das Verletzungsrisiko. Gleichzeitig stärken sie die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen, tragen dazu bei, seineFähigkeiten länger zu erhalten und verbessern damitseine Lebensqualität.Kostenlose KurseKinästhetik-Kurse werden vor allem von Trainern gegeben, die einer der vier großen Organisationen –Kinaestethics Deutschland e. V., Deutsche Gesellschaftfür Kinästhetik und Kommunikation, Marietta-HatchInc., Viv-Arte Kinästhetik-Plus Bewegungsschule – angehören. Wenndie Trainer eine bestimmte Qualifikation nachweisen können, trägtdie BARMER GEK im Rahmen einesModellprojektes die Kursgebühren– und zwar für jeden pflegendenAngehörigen unabhängig davon,welche Pflegekasse für ihn und denzu Pflegenden zuständig ist.„Wir machen nur Verträge mit Trainern, die eine Ausbildung ab derTrainerstufe 2 mit 1169 Stundenund eine zusätzliche Fortbildungfür die Zielgruppe pflegende Angehörige nachweisen können“,erläutert Juliane Diekmann von derBARMER GEK in Wuppertal. „DieseQualifikation haben die Trainer vonKinaesthetics Deutschland, aberauch einzelne Trainer, die in anderen Verbänden organisiert sind. Versicherte allergesetzlichen Kassen können bei Vertragspartnern kostenlos an einem Spezialkurs Kinästhetik teilnehmen.“Angebote in der Nähe können zum Beispiel auf derInternetseite des Vereins gesucht werden. Die Anmeldung erfolgt beim Veranstalter.Ein Grundkurs für pflegende Angehörige dauert üblicherweise 3,5 Tage, die meist in mehrere Einheitenaufgeteilt sind. „Die Kurse sind auch offen für ehrenamtliche Helfer und Laien, die Interesse haben, einenAngehörigen zu pflegen“, erläutert Asmussen. SeitKurzem gibt es zudem neben den Grundkursen auchFortsetzungskurse. Möglich sind auch individuelleSchulungen im häuslichen Umfeld. Hier empfiehltMaren Asmussen-Clausen, im Vorfeld bei der Pflegekasse nachzufragen, ob sie die Kosten übernimmt.Weitere InformationenKursangebote in Ihrer Nähe sind auf der Internetseite www.wir-pflegen-zuhause.de zu finden.Video zu Bewegungsabläufen auf: www.aok.de/pflegeInformationen zur Kinästhetik unter:www.kinaesthetics.de.5

Änderungen im GesetzÄnderungen im GesetzAm 1. Januar 2013 ist das Pflege-NeuausrichtungsGesetz (PNG) in vollem Umfang in Kraft getreten.Es beinhaltet zahlreiche Neuerungen.In der sogenannten Pflegestufe 0 erhalten Menschenmit eingeschränkter Alltagskompetenz jetzt zusätzlichzum bisherigen Betreuungsgeld monatlich 225 Eurofür Pflegesachleistungen oder 120 Euro Pflegegeld fürpflegende Angehörige. Bisher gab es diese Leistungenunterhalb der Pflegestufe I nicht.In den beiden nächsten Stufen gibt es höhere Leistungen: Dementiell Erkrankte in der Pflegestufe I erhalten665 Euro für Pflegesachleistungen (bisher: 450 Euro)beziehungsweise 305 Euro Pflegegeld (bisher: 235 Euro).In der Pflegestufe II sind es 1.250 Euro für Pflegesachleistungen (bisher: 1.100 Euro) beziehungsweise 525 EuroPflegegeld (bisher: 440 Euro). Pflegesachleistungenund Pflegegeld können auch kombiniert werden. DiePflegestufe III behält die bisherigen Beträge.„Diese Leistungsverbesserungen sind ein erster Schritt,um Angehörige etwas mehr zu unterstützen. Doch mandarf nicht vergessen, dass die Pflegeversicherung eineTeilkasko-Versicherung ist und bleibt“, urteilt GiselaSeidel, Leiterin des Pflegestützpunktes FriedrichshainKreuzberg in Berlin.„Häusliche Betreuung“Bisher beschränkten sich Pflegesachleistungen aufGrundpflege und auf hauswirtschaftliche Versorgung.Nun dürfen auch Stunden für „häusliche Betreuung“abgerechnet werden, etwa Hilfen im Alltag wie Spazierengehen oder Vorlesen. Diese Regelung hat bislangnoch den Charakter einer Absichtserklärung, so Pflegestützpunktleiterin Seidel: „Ich habe mit einigen Pflegediensten gesprochen, die selbst nicht wissen, was undwie sie unter der Überschrift ‚häusliche Betreuung‘abrechnen können. Das muss also noch definiert undausgestaltet werden.“Anteiliges Pflegegeld während AuszeitBislang wird das Pflegegeld nicht weitergezahlt, wenneine pflegebedürftige Person im Rahmen von Kurzzeitoder Verhinderungspflege von einer anderen Personbetreut wird. In Zukunft erhalten pflegende Angehörige,die von Kurzzeit- oder Verhinderungspflege Gebrauchmachen, jeweils bis zu vier Wochen im Jahr die Hälftedes bisher bezogenen Pflegegeldes.6Umgestaltung des Wohnumfeldes ohneEigenbeteiligungDie Pflegekassen unterstützen Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes mit einem einmaligenZuschuss von bis zu 2.557 Euro. Die bisher üblicheEigenbeteiligung des Antragstellers fällt komplett weg.Erleichterung bei eigener RehaWenn pflegende Angehörige Vorsorge- und Rehabilitationsangebote nutzen, sollen ihre besonderen Belangekünftig stärker berücksichtigt werden; es soll etwamöglich sein, Pflegebedürftige mitzunehmen und imRahmen der Kurzzeitpflege betreuen zu lassen.Verbesserte rentenversicherungsrechtlicheAbsicherungPflegende Angehörige, die sich mindestens 14 Stunden pro Woche um einen Pflegebedürftigen kümmern,können dafür Rentenversicherungsansprüche geltendmachen. Künftig muss diese Zeit nicht mehr für dieVersorgung einer einzigen Person aufgewendet werden.Wer also zwei Angehörige mit jeweils weniger als14 Stunden wöchentlich betreut und in der Vergangenheit gar keine Anerkennung erfahren hat, kann dieseZeiten jetzt addieren. Einzige Voraussetzung ist dieEinstufung mindestens in Pflegestufe I.Mehr Geld für SelbsthilfeDie Pflegekassen werden den Auf- und Ausbau mitzehn Cent pro Versichertem – also rund acht MillionenEuro pro Jahr – unterstützen.Weitere InformationenBeim -ministerium.de) kann inder Rubrik Publikationenkostenlos die Broschüre„Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz“ heruntergeladen und bestelltwerden.

Reise mit einem PflegebedürftigenReise mit einem PflegebedürftigenPflegende Angehörige brauchen regelmäßig eineAuszeit, um selbst bei Kräften zu bleiben. Doch vieleAngehörige gönnen sich keine Pause; sie plagt dasschlechte Gewissen, wenn sie die Betreuung des Pflegebedürftigen in fremde Hände geben. Dann kanneine gemeinsame Reise eine Option sein.„Pflegereisen sind noch kein Angebot, das in die Breitereicht“, beobachtet Patrick Nieswand vom ArbeiterSamariter-Bund Deutschland in Köln. Die Vorbereitungist daher aufwändig, denn zum Beispiel barrierefreieAngebote sind nirgends auf einen Blick zu finden unduntereinander schwer vergleichbar. Und: „Bei der Planung müssen so viele Details berücksichtigt werden,dass die Vorbereitung und auch die Beratung fünf- biszehnmal so lange dauert wie bei der Buchung einerReise von jemandem, der keine Beeinträchtigungen hat“,sagt Hanna Ursin, Reisekoordinatorin beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter in Krautheim beiStuttgart.Für pflegende Angehörige ist die Organisation mithilfeeines Reiseveranstalters daher eine große Erleichterung. Dabei muss es nicht immer teuer sein. Gemeinnützige Organisationen wie „Urlaub und Pflege e. V.“in Telgte bei Münster, der Bundesverband SelbsthilfeKörperbehinderter (BSK) oder die regionalen und örtlichen Alzheimer Gesellschaften organisieren Individual- und Gruppenreisen für Pflegebedürftige und ihreAngehörigen ins In- und Ausland. Auch die Wohlfahrtsverbände haben einzelne Angebote, so Nieswand:„Der ASB Allgäu arbeitet mit einem Hotel zusammen,das mit Pflegebetten und Hilfsmitteln aller Art ausgestattet ist. Bei Bedarf kann der Transfer über einenFahrdienst organisiert werden.“Kanaren-Reise oft einfacher und günstigerTatsächlich ist die Anreise die erste Hürde. „Bei unseren Kunden sind die Kanarischen Inseln und andereZiele in wärmeren Regionen – etwa Griechenland oderMallorca – besonders beliebt. Ein wichtiger Grund dafürist, dass die Anreise vergleichsweise kurz ist. Und esist leider die traurige Wahrheit, dass ein Flug auf dieKanaren finanziell günstiger und einfacher abzuwickelnsein kann als eine individuelle Reise irgendwo innerhalb von Deutschland“, berichtet ReisekoordinatorinUrsin. Bei einer Bahnreise ist das oft notwendige Umsteigen schwierig, umfangreiches Gepäck ein zusätzliches Hindernis. Eine Autofahrt kann für den Angehörigen eine hohe Belastung sein.Bei der Wahl der Unterkunft sind die Bedürfnisse desPflegebedürftigen entscheidend. „Zuerst muss überlegt werden, welche Voraussetzungen am Reisezielgegeben sein müssen“, rät Ursin. „Pflegebetten undandere Hilfsmittel kann man überall mieten. Doch dasmuss im Vorfeld organisiert werden. Und man solltesich die Verfügbarkeit schriftlich vom Hotel oder auchvom Reiseveranstalter bestätigen lassen.“Damit die Reise für den pflegenden Angehörigen tatsächlich ein Erholungsurlaub wird, ist vor Ort Entlastunggefragt. Für die Zeit des Aufenthalts kann ein Pflegevertrag mit einem ambulanten Dienst abgeschlossen undinnerhalb der Verhinderungspflege abgerechnet werden.Viele Veranstalter bieten alternativ die Urlaubsbegleitung durch eine Pflegekraft an. Doch dieser Service hatebenso wie die gesamte Reise seinen Preis. „Die Reisean sich ist nicht zwangsläufig teurer als jede anderePauschalreise auch. Doch durch die Miete von Hilfsmitteln und eventuell notwendige Transfers können so hoheZusatzkosten entstehen, dass sich das nicht jede Familie jährlich leisten kann“, urteilt die Reisekoordinatorin.Weitere InformationenÜbersicht über Reiseveranstalter für barrierefreiesReisen: www.reiselinks.de, Rubrik „Behindertenreisen“ www.natko.de, Suchmöglichkeit nach Ländern undRegionen, aber auch Art der Beeinträchtigung –Rubrik „Reiseinfos“ www.bsk-ev.org, Reisen im In- und Ausland, auchmit Betreuung www.bad-ev.de, Unterstützung bei der Betreuungvor Ort7

Im Falle eines Unfalls Im Falle eines Unfalls Ereignet sich der Unfall jedoch, während der Angehörige dem Pflegebedürftigen beim Essen hilft, ist erversichert.Der Unfallversicherungsschutz besteht automatisch abdem Moment, in dem die Pflegetätigkeit aufgenommenwird. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für denVersicherten ist der Schutz kostenlos; die gesetzlicheUnfallversicherung für pflegende Angehörige wird ausSteuermitteln finanziert.Nach einem Unfall sollte der behandelnde Arzt informiert werden, dass die Pflegetätigkeit den Unfall oderdie Infektion verursacht hat. Außerdem sollte der Unfallinnerhalb von drei Tagen dem zuständigen Unfallversicherungsträger – meist der Unfallkasse des jeweiligenBundeslandes – gemeldet werden.Angehörige, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig in dessen oder in der eigenen Wohnung betreuen,stehen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.Sie greift zum einen, wenn während der Pflegetätigkeitin der Wohnung ein Unfall passiert. Zum Beispiel: DerAngehörige stürzt im Bad, während er dem Pflegebedürftigen in die Wanne hilft. Versichert sind zum anderen auch Unfälle außerhalb der Wohnung, die im Zusammenhang mit der Pflegetätigkeit stehen. Das kannzum Beispiel ein Autounfall bei der Fahrt zur Wohnungdes Pflegebedürftigen sein. Selten, aber ebenfalls versichert ist eine gesundheitsschädigende Einwirkunginfolge der Pflegetätigkeit. Ein Beispiel dafür ist, dasssich der pflegende Angehörige mit einer ansteckendenErkrankung des Pflegebedürftigen infiziert.Im häuslichen Bereich ist die Abgrenzung zwischenallgemeinen hauswirtschaftlichen und pflegerischenTätigkeiten oft nicht ganz einfach. Versichert sind nurdiejenigen Verrichtungen, die wesentlich dem Pflegebedürftigen zugutekommen. Ein Beispiel: Ereignetsich der Unfall eines pflegenden Angehörigen bei derZubereitung der Familienmahlzeit, an der auch derPflegebedürftige teilnimmt, ist er nicht versichert.Kommunale Unfallversicherung Bayern (KUVB)Ungererstraße 7180805 MünchenTelefon 089 36093-0Fax089 36093-379E-Mail [email protected] www.kuvb.deWeitere InformationenDas Bundesministeriumfür Arbeit und Sozialeshat eine Broschüre„Zu Ihrer Sicherheit –Unfallversichert beihäuslicher Pflege vonAngehörigen“ herausgegeben.Sie kann kostenlosunter www.bmas.dein der Rubrik Service – Publikationenherunterblik tihtgeladen und bestellt werden.Bestellwege für die kostenlose Druckversion(Bestellnummer A 401):Telefon: 01805 778090 (Festpreis 14 Cent/Min.aus den Festnetzen, maximal 42 Cent/Min. ausden Mobilfunknetzen)Schriftlich: Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 48 10 09, 18132 RostockE-Mail: kasse Berlin, Culemeyerstraße 2, 12277 Berlin, Tel. 030 7624-0Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, Sankt-Franziskus-Str. 146, 40470 Düsseldorf, Tel. 0211 9024-0Kommunale Unfallversicherung Bayern, Ungererstraße 71, 80805 München , Tel. 089 36093-0Redaktionsteam: Ulrike Renner-Helfmann, Martin Schieron, Kirsten Wasmuth, Dr. Susanne Woelk, Nil YurdatapProjektbetreuung: Aktion DAS SICHERE HAUS (DSH)Layout und Produktionsabwicklung: Bodendörfer KellowAutorin: Eva NeumannBildquellen: akurtz/istockphoto (Titel), SilviaJansen/istockphoto (S. 3), Robert Kneschke/Fotolia.com (S. 4), Gerd Vieler (S. 5), Urlaub und Pflege e. V. (S. 7), Michael Hüter (S. 8)Anregungen & Leserbriefe: Aktion DAS SICHERE HAUS (DSH), Holsteinischer Kamp 62, 22081 Hamburg,Tel. 040 298104-61, Fax 040 298104-71, E-Mail [email protected], Internet www.das-sichere-haus.de

Info-Brief der Kommunalen Unfallversicherung Bayern und der DSH · Sommer 2013. 2 Brunhilde Beckers Mutter litt an Demenz. Sie wurde in der Familie gepflegt, bis sie starb. Ihre Schwiegermut-ter ist ebenfalls dementiell erkrankt und lebt i