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TherapiekonzeptPsychosomatische Klinik Bad NeustadtAbteilung Akutkrankenhaus 4.1 und 4.3Psychosomatische Klinik Bad NeustadtTräger: RHÖN-KLINIKUM AG – Salzburger Leite 197616 Bad Neustadt a. d. SaaleTelefon 09771 67-01 – Telefax 09771 65989301e-mail: en-klinikum-ag.com

ImpressumRedaktion und Textverarbeitung:Burkhard Bingel, Dr. med. Rudolf J. Knickenberg, Dr. med. Dagmar Stelz, Andreas Klingner,Nancy Geißler, Gabriele StraubHerausgeber:Psychosomatische Klinik Bad Neustadt der Rhön-Klinikum AGNachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung des HerausgebersMärz 2014

Therapiekonzept derPsychosomatischen Klinik Bad NeustadtAkutkrankenhaus 4.1 und 4.3Salzburger Leite 197616 Bad Neustadt a. d. SaaleTelefon (09771) 67-01 Telefax (09771) 65-989301e-mail: en-klinikum-ag.com3

INHALTSVERZEICHNIS1Vorwort2Einleitung3Bauliche Gegebenheiten4Zugangswege5Die Aufnahme6Struktur des Hauses 4.17Struktur des Hauses 4.38Indikations- und chotherapie11Theoretisch-konzeptuelle Orientierung12Therapeutisches Vorgehen13Therapeutische Methoden14Psychodynamische Verfahren15Neurophysiologische und neuropsychologische Erkenntnisse16Flankierende Maßnahmen17Das Bezugstherapeutensystem und die psychosomatischeFachpflege18Visiten, Krisen-, Motivationsgespräche und Einzeltherapie19Sozialdienst20Hausordnung und Patientenwegweiser21Qualitätssicherung und Dokumentation22Diagnosestatistik23Fort- und Weiterbildung24Tagungen4

1VorwortDie Psychosomatische Klinik Bad Neustadt wurde am 01.04.1975 eröffnet. Von Beginn anwurden die Patienten einer akutstationären psychosomatischen Behandlung oder beianderen Leistungsträgern einem rehabilitativen Behandlungsansatz zugeführt. Insgesamtverfügt die Klinik über 340 Betten. 1995 erfolgte die Einteilung der Klinik in eineKrankenhaus- und eine ilung 122 Betten vor. Die Klinik ist zertifiziert nach DIN EU ISO: 2008 undIQMP Reha 3.0.Es besteht ein weit verzweigtes Netz an Kooperationen mit Kostenträgern, Zuweisern,Selbsthilfegruppen, Weiterbildungsinstituten und Universitäten. Besonders zu erwähnen istdie enge Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Manfred E. Beutel (Psychosomatik, UniversitätMainz) und dem Psychoanalytischen Institut Würzburg.Regelmäßig finden auf vielen Ebenen externe Supervisionen und Qualitätskontrollen statt(Bayerische derDeutschenRentenversicherung und Mitarbeiterbefragung). Sie dienen dem Vergleich von Klinikenuntereinander, berücksichtigen die Belange der Patienten und die Arbeitszufriedenheit derMitarbeiter.Burkhard BingelJochen BockletGeschäftsleitungGeschäftsleitungDr. Rudolf J. KnickenbergDr. Dagmar StelzÄrztlicher DirektorChefärztinChefarzt2EinleitungDie Psychosomatische Klinik Bad Neustadt ist Vorreiterin bei der Einführung und Gestaltungdes PEPP (Pauschaliertes Entgeltsystem in der Psychiatrie und Psychosomatik), das mitdem 01.10.2013 in Kraft trat. Zudem legen wir großen Wert darauf, das Konzept stets aktuellzu halten sowie die Erkenntnisse aus Leitlinien und wissenschaftlichen Publikationen zu5

berücksichtigen. Am 01.01.2013 erfolgte ein Chefarztwechsel an der PsychosomatischenKlinik Bad Neustadt. In Folge dessen wurde die Klinik neu strukturiert: Sie wurde aufgeteilt ineine Abteilung Akutkrankenhaus mit dem Haus 4.1 (178 Betten Akutpsychosomatik unter derLeitung der Chefärztin Dr. Dagmar Stelz) und dem Haus 4.3 (40 Betten Akutpsychosomatikmit dem Schwerpunkt Schmerztherapie unter der Leitung des Ärztlichen Direktors Dr. RudolfJ. Knickenberg) sowie eine Abteilung Rehabilitation mit 122 Betten, ebenso geleitet von Dr.Rudolf J. Knickenberg.Im Akutbereich werden psychosomatische und psychische Krankheitsbilder behandelt, derenSchweregrad dringlich eine stationäre Behandlung, das heißt eine zeitnahe Herausnahmeaus erapierahmenDurchdesden ussettingssolldieStabilisierung des Patienten soweit vorangebracht werden, dass der Patienten anschließendambulant oder teilstationär weiterversorgt werden kann.3Bauliche GegebenheitenDie 218 Patienten der Abteilung Akutkrankenhaus sind auf den Stationen, darunter aucheine Kriseninterventionsstation, in Einzelzimmern mit eigener Nasszelle untergebracht. Aufden jeweiligen Stationen ist die therapeutische Präsenz über Schwesternzimmer,Therapeutenzimmer und Gruppentherapieräume gewährleistet. Die große Glaskuppel bietetden Patienten eine freundliche Atmosphäre für ihren Aufenthalt außerhalb des eigenenZimmers. Die Klinik ist seit 2005 rauchfrei.6

Die Rezeption im Eingangsbereich übernimmt eine wichtige Funktion in der Vermittlungzwischen den Anliegen der Patienten, der Verwaltung und den therapeutischen Mitarbeitern.Über die Rezeption werden die Patienten aufgenommen und anschließend durch dieStationsschwestern auf die Stationen geleitet. Die Rezeption übernimmt zudem dieKoordination medizinischer und anderer Notfallmaßnahmen. Sie ist in drei Schichten besetzt.Die Mitarbeiter sind darauf eingestellt, dass Patienten sich direkt an sie wenden, wenn sieärztliche, therapeutische oder pflegerische Kontakte benötigen. Ab 24.00 Uhr sind dieNachtschwestern vor Ort und dort für die Patienten direkt ansprechbar.4ZugangswegeDie Einweisung der Patienten erfolgt durch niedergelassene Fachärzte (§ 39 Absatz 4 SGBV) bzw. durch die Verlegung aus anderen Akutkrankenhäusern nach telefonischer bzw.schriftlicher Anmeldung.Es besteht ein Vertrag nach § 108 SGB V mit den Verbänden der gesetzlichenKrankenversicherung. Die Klinik ist für Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes beihilfefähig.Bei privatversicherten Patienten ist in jedem Fall die Kostenzusage der Versicherung vordem Beginn des Aufenthalts in unserem Haus einzuholen (gemäß den Vertragsbedingungendes Verbandes der Privatkrankenversicherer).Die Patienten können über unser Chefarztsekretariat Kontakt mit der Klinik aufnehmen. IhreAnfrage wird dort bearbeitet, indem entweder ohne Zwischenschaltung eines Chef- oderOberarztes ein Termin unmittelbar vergeben oder ein Rückruf mit dem Behandler vereinbartwird, um die Indikationsstellung exakter überprüfen zu können. Auch lassen sichvorstationäre Gespräche oder die Zusendung eines Motivationsschreibens vereinbaren.Treten die Patienten unmittelbar per Brief, E-Mail oder Telefonanruf an uns heran, bitten wirum eine zusätzliche Kontaktaufnahme durch den behandelnden Arzt/Therapeuten mit uns.5Die AufnahmeNach Ankunft der Patienten in der Klinik werden diese durch die Stationsschwester mit rztlichenexplorativenAnreisegespräch werden die Vorgeschichte und die aktuellen Beschwerden der Patientenausführlich ergründet. Schließlich erfolgt eine erste Therapieplanung mit den gemeinsamformulierten vorläufigen Behandlungszielen. In diesem Zusammenhang bemühen wir uns umTransparenz, indem wir die Patienten in die Abläufe des therapeutischen Procedere7

einbeziehen. Je nach Krankheitsbild und Allgemeinzustand wird schließlich eine Aufteilung indie einzelnen Sektionen des Hauses vorgenommen.6Struktur des Hauses 4.1Das Akutkrankenhaus 4.1 besteht aus zehn Stationen Akutpsychosomatik mit jeweils 18Betten und einer Kriseninterventionsstation (K1). Jede Station wird in der Regel von einemArzt und einem Psychologen sowie einer Stationsschwester betreut. Zwei Stationen sindjeweils zu einer Sektion zusammengefasst und liegen in der Verantwortung einesOberarztes. Aktuell gibt es im Haus 4.1 fünf Sektionen mit 5,5 Oberarztstellen. Davon sindvier als Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, eine als Fachärztin fürPsychiatrie und Psychotherapie und eine als Fachärztin für Innere Medizin ausgebildet.Auf der Kriseninterventionsstation (K1) werden Patienten in Krisen von jeder Station imSinne eines Belegsystems behandelt, bis sie so stabilisiert sind, dass sie auf achpflegekräftederKriseninterventionsstation (K1) arbeiten im Drei-Schicht-System. Die Patienten gehörenweiter zu der ihnen zugeordneten Allgemeinstation und werden durch deren Oberarztbehandelt. Auf der Kriseninterventionsstation (K1) finden zusätzlich zu den Stationstherapienregelmäßig montags und freitags Oberarzt- und Chefarztvisiten sowie am WochenendeOberarztvisiten (Samstag und Sonntag) statt.Jeder Oberarzt hat einen Behandlungsschwerpunkt, wobei wir grundsätzlich bemüht therapeutischeArbeitisttiefenpsychologisch orientiert. Konzeptuell besteht ein gruppentherapeutisches Setting,aufgeteilt in verbale und körperorientierte Gruppen. Die Patienten haben in der Regelmindestens eine Gruppentherapie täglich, zwei Mal pro Woche Stationsrunden, regelmäßigeVisiten und einzeltherapeutische Gespräche. Zusätzlich bieten wir Spezialtherapien in derAbteilung Sport, Spiel und Gestaltung (SSG), Physiotherapie, Ergotherapie sowieAdipositastherapie an. Ernährungsberatung, diagnostische Abklärung. Anorexietherapie undeine spezielle indikative Gruppe für Männer unter 25 Jahren sind zusätzliche wichtigetherapeutische Angebote. Für die Behandlung der Anorexia nervosa und Bulimie liegt eineigenes Konzept vor. 24-Stunden-Vordergrunddienste werden je von einem Arzt und einemPsychologen geleistet. Dreischichtig sind Fachpflegekräfte im gesamten Haus für diePatienten zuständig. Der Facharztstandard wird durch den Oberarzt im Hintergrunddienstgewährleistet.8

Besonders zu erwähnen ist die enge Vernetzung mit den weiteren Kliniken des RhönKlinikums am Standort Bad Neustadt a. d. Saale (Klinik für Hand-, Schulter- undFußchirurgie, Herz- und Gefäß-Klinik, Neurologische Klinik, Saaletalklinik, Frankenklinik).Zudem besteht eine gute Zusammenarbeit mit der Kreisklinik Bad Neustadt a. d. Saale, demKlinikum Dreißigacker/Meinigen und dem St. Elisabeth-Krankenhaus Bad Kissingen.Sollte eine direkte Verlegung in psychiatrische Kliniken oder bei somatischen Instabilitätenbzw. Abklärungsbedürftigkeiten eine Verlegung in entsprechende somatische Akutklinikennötig sein, werden die Patienten nach Abschluss der Behandlung von dort in der Regelzurückübernommen.7Struktur des Hauses 4.3Stationäre SchmerzbehandlungWelche Behandlung bieten wir einem Schmerzpatienten an?Weder ein rein somatisch ausgerichtetes Behandlungskonzept noch eine herkömmlichepsychosomatische Behandlung werden dem chronisch schmerzkranken Patienten gerecht.Für eine stationäre multimodale Schmerztherapie kommen Patienten infrage, die von einer herkömmlichen Schmerzbehandlung durch den Haus- oder Facharzt nichtausreichend profitieren konnten. sich bereits einer ambulanten speziellen Schmerztherapie unterzogen haben. mehrfach operiert wurden oder sich schmerztherapeutischen Eingriffen unterzogenhaben. unter verschiedenen somatischen Erkrankungen und psychischen Belastungen leiden(Multimorbidität). Opiate oder Opioide längerfristig einnehmen.9

Die Patienten sollen sich bei den psychosomatisch ausgerichteten Ärzten und chenmitihrenkörperlichenBeeinträchtigungen, ihren seelischen Sorgen und Konflikten, ihrer Medikamenteneinnahmeund ihren sozialen Belastungen wahrnehmen. Zugleich sollen sie sich hinsichtlich derkörperlichen Ebene ihrer Erkrankung durch die Fachärzte für Anästhesie, für Neurologiesowie aus dem chirurgischen und orthopädischen Fachgebiet am Rhön-Klinikum BadNeustadt a. d. Saale gut betreut fühlen.Wenn der Schmerz zur Krankheit wirdDer akute Schmerz tritt bei einer körperlichen Erkrankung auf und kann bei längerer Dauerzunehmend auch auf eine psychosoziale Konfliktentwicklung hinweisen. Die iten und/oder der sozialen Bezugssysteme.Wie erkennt man eine Schmerzkrankheit? Länger als acht Wochen erfolglose Behandlung. Nicht ausreichende Wirksamkeit von Medikamenten und anderen Therapiemaßnahmen. Ausbildung eines Dauerschmerzes und Ausbreitung der Schmerzen auf andereKörperregionen. Veränderung im Freizeit- und Bewegungsverhalten (Rückzug, Schonung). Der Schmerz bestimmt zunehmend das Berufs- und Familienleben, der Alltag wird umden Schmerz herum organisiert. Deutliche onskonzeptDie Therapie erfolgt von Montag bis Freitag, das Wochenende dient dazu, den Patienten andie Überführung der angewandten Behandlungsmaßnahmen in die Eigenregie zu gewöhnen.„Handeln, aktiv werden, nicht nur behandeln lassen“ lautet hier das Motto. Die Dauer derTherapie orientiert sich an der medizinischen Notwendigkeit und beträgt im Mittel vier bissechs Wochen.Im Sinne eines multimodalen Vorgehens wird in den regelmäßig wöchentlich stattfindendenFallkonferenzen im multidisziplinären Team ein inhaltlich und zeitlich gestufter Therapieplanerstellt, der sich an den Zielen des Patienten ausrichtet.10

Die Schmerzgruppe und die Körperarbeit verfolgen auf verschiedenen Wegen das Ziel, dasSchmerzgedächtnis und das inadäquate Schmerz- und Schonverhalten zu modifizieren. Eswerden damit indirekt die sog. „fear avoidance beliefs“ und komorbide depressiveVerstimmungszustände angegangen. Die Gruppe ist der beste Ort, auch erlebteschmerzhafte Kränkungen und Zurückweisungen zu überwinden. Das Selbsteffizienzerlebensteigt, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nimmt zu, die Experimentierfreude wirdstärker und die Schonhaltungen nehmen ab. Eine angemessene medikamentöseSchmerztherapie ist erforderlich, bestehend aus Analgetika und die Schmerzwahrnehmungmodulierenden Medikamenten wie Kanalblocker und Antidepressiva.Die Verminderung der schmerzkontingenten Medikation ist gerade bei Patienten notwendig,die zu einer vermehrten Schmerzmitteleinnahme neigen und gegebenenfalls durch dievermehrten Schmerzmittel zusätzlich zu ihren Schmerzen an einem medikamentösbedingten Kopfschmerz leiden.Wir berücksichtigen die vorhandenen Leitlinien zum Opiatkonsum, zur Behandlung omplexenregionalenSchmerzsyndrom und der Fibromyalgie (http://www.awmf-leitlinien.de). Angstzuständen undDepressionen mit den dazugehörigen Schlafstörungen, die die Erkrankung begleiten,widmen wir besondere Aufmerksamkeit.8Indikations- und BehandlungsspektrumDie Fachabteilungshauptdiagnosen sind die verschiedenen Ausprägungen der depressiven Störung (ICD-10 F32, F33, F34):beispielsweise schwere depressive Reaktionen in der Folge von beruflichen und privatenKonflikt- und Belastungssituationen oder negativ gefärbte Lebensbilanzkrisen (dieseauch im höheren Lebensalter). neurotische Belastungs- und somatoforme Störungen (ICD-10 F40 bis st-undPanikstörungen,Zwangsstörungen, Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, n, die anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.40) unddie chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41).11

Essstörungen (ICD-10 F50 bis F59):von der Anorexia nervosa, Bulimia nervosa zur Adipositas per magna und nichtorganischen Schlafstörungen (F51.0). Die Patienten mit Adipositas werden in einangepasstes, tägliches Bewegungsprogramm integriert, bekommen Ernährungsberatung.Für die Anorexia nervosa und Bulimia nervosa liegt ein eigenes Konzept vor. ernortsklassifiziertenKrankheiten (F54) im Zusammenhang mit z. B. Asthma bronchiale, Colitis ulcerosa,Dermatitis, Urtikaria etc. psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD-10 F10 bisF19) vor allem der schädliche Gebrauch.Wir sind keine somatische Entzugsklinik oder Entwöhnungsklinik. Wir sehen unsereArbeit an diesen Patienten, die häufig mit Nebendiagnosen aus dem benannten Bereichzu uns kommen, in der Motivationsarbeit und in der Behandlung der sekundärenSuchtanteile bei beispielsweise Depressionen oder Angsterkrankungen am Bestenbetreut. somatopsychische Erkrankungen.Wir behandeln häufig Patienten mit den verschiedensten somatischen Erkrankungen(KHK, Diabetes mellitus, Hypertonie, neurologische, internistische Krankheiten, Patientenim höheren Lebensalter (auch bei einem Lebensalter über 80 Jahren). Bei ihnen sollteeine ausreichende kognitive Kompetenz, körperliche Selbstständigkeit und Belastbarkeitvorliegen.Kontraindikationen für die akutpsychosomatische stationäre Behandlung sind unter anderemPatienten unter 18 Jahren sowie hirnorganisch wesensveränderte und pflegebedürftigePatienten, bei denen kein ausreichender psychotherapeutischer Ansatz erkennbar ist. AuchPatienten mit akuter Suizidalität, akuten Psychosen, manifester Sucht und Patienten, dienicht bündnis- und absprachefähig sind, können wir nicht akutpsychosomatisch betreuen.Vereinzelt, nach Absprache unter Einbeziehung der Sorgeberechtigten, werden Patientenmit der Diagnose einer Anorexia nervosa bereits ab dem 16. Lebensjahr aufgenommen(siehe Konzept Anorexie und Bulimie).Ziel ist es, mit Hilfe der vorgestellten Behandlungsansätze die Patienten intensiv auf dieAlltagserfordernisse vorzubereiten, die Bereitschaft zur Selbstfürsorge, Selbstverantwortungund Veränderung zu fördern. Des Weiteren soll eine solche Stabilität erarbeitet werden, dassdie Therapie schließlich auf ambulanter, teilstationärer oder auf einer beschützenderenEbene weiter stattfinden kann. Insgesamt geht es darum, Ressourcen der Patienten in den12

Mittelpunkt zu stellen und diese wieder verfügbar zu machen. Hilfreich für die poststationärenPlanungen sind unsere Sozialpädagogen.9Basisdokumentation ngimRahmenderBasisdokumentation zur Lebenssituation, krankheitsrelevanten Aspekten und zu ihrerBehandlungszufriedenheit mit Hilfe von GAF, GARF, ISR, ZUF befragt. Die Auswertungdieser Fragebögen wird sowohl für die interne, als auch externe Qualitätsüberprüfungverwandt.Im Sinne einer externen Qualitätssicherung zur Prozess- und Ergebnisqualität werden die inder Basisdokumentation erhobenen Daten mit allen Daten aus den bayerischenpsychosomatischen Kliniken, die sich im Institut für Qualitätsentwicklungin derPsychotherapie und Psychosomatik (IQP), München, Leitung Dr. Fritz von Heymann,zusammengefunden haben, in anonymisierter Form verglichen.10GruppenpsychotherapieDas stationäre Behandlungssetting der Psychosomatischen Klinik Bad Neustadt istschwerpunktmäßig auf ein Gruppensetting - überwiegend tiefenpsychologisch orientiert ausgerichtet. Die gruppentherapeutische Arbeit teilt sich schwerpunktmäßig in verbale undkörperbezogene Gruppenpsychotherapien auf. Die körperbezogenen Gruppentherapiensetzen auf der Ebene des basalen Körpererlebens an. Sie werden regelmäßig von externenKörpertherapeuten supervidiert. Ergänzend finden einzeltherapeutische Gespräche statt,Krisen- und Motivationsgespräche, Visiten, Stationsrunden und Stabilisierungsarbeit.11Theoretisch-konzeptuelle OrientierungDie tiefenpsychologische Psychosomatik geht von der Vorstellung aus, dass die Symptomeund Beschwerden des Patienten mit allgemeinen Lebens- und Persönlichkeitsproblemen inZusammenhang stehen und dass diese Zusammenhänge dem Patienten selbst nicht bzw.nur teilweise bewusst sind. Dieser Ansatz enthält folgende Bestimmungsstücke: Symptome, unter denen der Patient leidet und das damit in Zusammenhangstehende Krankheitsverhalten, erlebt er bewusst. Die Ursachen und Hintergründeseiner Erkrankung, d. h. die Dynamik, aus der die Erkrankung entsteht und die sein13

Krankheitsverhalten bedingt, bleiben dem Bewusstsein des Patienten teilweiseverborgen, sie sind unbewusst.Im Bereich der unbewussten Konfliktpathologie besteht bei psychosomatischenErkrankungen stets ein unbewusstes Potenzial nicht gelebter Emotionen, das sich alsPhantasie mit motivationalem Charakter beschreiben lässt. Das Muster dieser nicht gelebten Emotionalität eines psychosomatisch Erkranktenlässt sich tiefenpsychologisch als Konflikt oder als Entwicklungsdefizit auffassen. Aufder theoretischen Ebene sei hier auf die moderne Theoriediskussion enpsychologiefindenobjektbeziehungstheoretische Erwägungen und das Konzept der strukturellen IchStörungen Berücksichtigung. Aus empirischer Sicht liegen zumeist unbewussteKonflikte und auch Entwicklungsdefizite vor. Wir klassifizieren die Störung gemäß derOperationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD). In der Persönlichkeitsstruktur - einerseits genetisch teilweise festgelegt, andererseitsin der frühen Kindheit grundgelegt - ist die Konfliktpathologie eingebettet. FrüheVerletzungen und Missbrauchserlebnisse, unerfüllte Wünsche und Frustrationen, nennichtentsprechendverarbeitet werden und bestimmen so als „Leitlinie“ das gesamte Leben derbetreffenden Persönlichkeit. Diese Persönlichkeits- und Konfliktpathologie enschenbisindasErwachsenenalter hinein. Dabei werden die unerfüllt gebliebenen kindlichenWünsche, insbesondere in den späteren Beziehungsphantasien, in die Bereiche derPartnerschaft und der Arbeit einfließen. Analog zum Grundmuster seiner Erfahrungenund seiner Frustrationen versucht der Erwachsene unbewusst, seine Beziehung zukonstellieren, ohne die tiefgefühlten frühen Defizite damit kompensieren zu können.So entsteht Enttäuschungswut, die er schon in der Kindheit und dann auch in denspäteren Beziehungen nicht adäquat ausleben und verarbeiten konnte. DieSymptomentstehung kann dann als Kompromiss zwischen seinen frühkindlichenWünschen und Erfahrungen und den auf diesem Hintergrund aktuell gefühltenEntbehrungen angesehen werden. Mittels einer intensiven Schulung der Körperwahrnehmung und nEutonie,konzentrativerBewegungstherapie und der Feldenkrais-Methode im Rahmen einer eigenenbewährten Therapiekonzeption, führen wir die Patienten an eine intensiveKörperarbeit heran. Auf diesem Weg gelingt es, den körpersprachlichen Ausdruckverdrängter oder ungelebter Emotionen zu verstehen und eine Symptomreduktion zuerreichen.14

Neben den tiefenpsychologischen Konzepten integrieren wir in unsere modernetheoretische Orientierung auch verhaltenstherapeutische Theorieansätze im Sinneeines integrativen Theorie- und Therapieansatzes. Diese Ansätze kommenbesonders bei der Modifikation von gelernten sozialen Interaktionsschemata undKontrollüberzeugungen zur Anwendung. Viel Wert legen wir auf unsere spezielle Indikationsgruppe für junge Männer bis 25Jahre, die u. a. von einem Oberarzt geleitet wird. In dieser Gruppe, die vier Mal dieWoche á 50 Minuten stattfindet, können sich die Patienten über den Weg derkörpertherapeutischen Arbeit mit ihren spezifischen Problemen intensiv befassen. lungPaar-undFamiliengespräche durchgeführt. Bei schwer traumatisierten Patienten wird bereits im Anreisegespräch mitStabilisierungsarbeit und Psychoedukation begonnen. Die Integration in dastiefenpsychologische Behandlungsangebot leiten wir individuell und sehr vorsichtigein. Neben einzeltherapeutischen Kontakten werden in einer lt und eingeübt. Schule im Krankenhaus: Seit 2000 kommen Pädagogen der Schule für Kranke in diePsychosomatische Klinik Bad Neustadt. Während der bayerischen Regelschulzeitfindet ein wöchentliches Schul- und Lernangebot als Einzel- bzw. Gruppenunterrichtstatt.12Therapeutisches VorgehenEs wird eine umfassende fachärztlich geleitete, psychiatrische, psychotherapeutische undinternistische Diagnostik durchgeführt und mit dem Patienten gemeinsam die bio-psychosoziale Disposition seiner Erkrankung erarbeitet.15

eitsbildeswirddurcheinfachärztliches exploratives Gespräch und eine ärztliche Aufnahmeuntersuchung amAufnahmetag Rechnung getragen. Im Regelfall wird dabei auch die medikamentöseBehandlung festgelegt oder die vom Patienten mitgebrachte Medikation zunächstweitergeführt. Dabei wird auch das therapeutische Arbeitsbündnis erklärt und vereinbart.Anamneseerhebung und Erarbeitung der biographischen Hintergründe der aktuellenDekompensationssituation findet statt. Dem folgt die individuelleZieldefinition in mündlicheroder en.Form. DerWeitereErstellung einerPatient formuliert seinewichtigePunktesinddieAusformulierung der Eigenverantwortung des Patienten für das Erreichen dieser Ziele. Eswird dabei zum Ausdruck gebracht, dass jegliche Besserung seines Zustandes sein eigenerVerdienst und nicht die Verpflichtung des Therapeuten ist. Die Aufgabe des Therapeutenbesteht in der Begleitung, der zur Verfügungsstellung des speziellen psychotherapeutischenWissens und der Unterstützung des Patienten beim Erkennen und Bewältigen seinerStörung. Mit dieser Abmachung wird das Arbeitsbündnis beschrieben, in dem Therapeut undPatient als Partner an einem vom Patienten vorgegebenen Ziel arbeiten. Immer wieder chritteindenwöchentlichstattfindenden Visiten und die weitere stationäre Behandlungsnotwendigkeit überprüft.Im Therapievertrag wird in der Regel der Verzicht auf Alkohol, Drogen oder andereSuchtmittel besprochen.Zur stationären Aufnahme gelangen zunehmend schwer gestörte Patienten mit Ichstrukturellen Defiziten. Leichtere Verlaufsformen psychischer Störungen werden heutzutageüberwiegend ambulant oder teilstationär behandelt und gelangen höchstens im dlung.DieangewandtenTherapiemaßnahmen sind grundsätzlich darauf ausgerichtet, dem Patienten im Rahmeneines stärker strukturierten Vorgehens Einsichten in seine Entwicklung zu vermitteln. Zudemhelfen ihm die therapeutischen Mitarbeiter durch die Einnahme von Hilfs-Ich-Funktionendabei, eine strukturelle Nachreifung des Ichs des Patienten einzuleiten und seine Objektund Selbsterfahrung bewusster wahrzunehmen. In der tiefenpsychologischen Therapie spieltdie Diagnostik ungünstiger Beziehungskonstellationen eine große Rolle. Sie lassen sich imÜbertragungsgeschehen ableiten und können dem Patienten vorsichtig und taktvoll fallsdurch

enfunktionsprüfung,Schlafapnoescreening. In diesem Zusammenhang werden die Befunde mitbewertet, umderen Mitnahme der Patient bereits im Vorfeld der Aufnahme gebeten wurde.13Therapeutische MethodenIm Rahmen der stationären Behandlung konstelliert sich der oben beschriebene infantileAmbivalenzkonflikt auch in der Beziehung zu den Therapeuten und im Rahmen derGruppentherapie zu den anderen Patienten. Dies entspricht dem Übertragungsvorgang, derdem Patienten im therapeutischen Prozess bewusst gemacht werden soll, damit er die vonihm unbewusst gestalteten Beziehungskonstellationen und daraus abgeleiteten Erwartungenerkennen und, soweit diese dysfunktional sind, auch im Rahmen seiner Möglichkeitenüberwinden kann. Die tiefenpsychologische Therapie hilft dem Patienten, die Hintergründeseiner Erkrankung zu klären und versetzt ihn so in die Lage, sich schrittweise mehrSelbstständigkeit und Selbstbestimmung zu erarbeiten. Wir erachten es im Rahmen einerstationären Psychotherapie als unsere Aufgabe, dem Patienten bei der Veränderung seinerSymptome zu helfen, Konflikte und Probleme zu erkennen, zu verstehen, zu bearbeiten undVeränderungsschritte zu erproben.14Psychodynamische heitslehregehenwirvoneinemkonfliktzentrierten Modell psychischer Störungen aus. Dies bedeutet insbesondere für diegroße Gruppe der neurotischen Störungen, dass die sichtbare und quälende Symptomatikeine unbewusste Antwort oder einen Lösungsversuch auf innere, ungelöste Konfliktedarstellt. Dieser Konflikt kann innerpsychisch als eine Ambivalenz zwischen widerstrebendeninneren Bestrebungen aufgefasst werden. Es kann sich aber auch um einen äußeren Konfliktzwischen dem Individuum und seiner sozialen Umwelt handeln. Oft bedingen sich innere undäußere Konfliktfelder auch gegenseitig. So ist ein erster Schritt in der Behandlung, dieeinzelnen Konfliktfelder und ihre Interaktion gemeinsam mit dem Patienten zu verstehen, umdaraus die Rolle der beobachtbaren Symptomatik und die Bedeutung dieser Symptomatikabzuleiten. Mit der wachsenden Einsicht in diese Zusammenhänge ergeben sich häufigschon erste Lösungsansätze. Diese können einerseits in einer veränderten Einstellunggegenüber den Konflikten und den daran beteiligten Personen bestehen. Andererseits kanndurch die vertiefte Einsicht auch ein konkreter Veränderungswunsch eigener persönlicherVerhaltensweisen resultieren. Die Patienten erarbeiten sich mit Hilfe der Beziehungsklärungzu sich und zu anderen die Fähigkeit, die hinter ihren Symptomen liegenden Probleme und17

Belastungen zu erkennen, zu bearbeiten und sich konkrete Veränderungsschritte in Richtungkonstruktiver, veränderter Zukunftsperspektiven zu entwickeln.15Neurophysiologische und neuropsychologische ErkenntnisseDie „Neurowissenschaften“ finden immer stärkeren Eingang in die Psychotherapie. Siebilden die Grundlage für das Verständnis der Entstehung emotionaler Abläufe, derSteuerung des Verhaltens und der Entwicklung und Arbeitsweise des Gedächtnisses.Neurophysiologische und neuropsychologische Erkenntnisse geben Aufschluss über diekörperlichen Vorgänge bei allen mit Symptomen einhergehenden psychischen Störungen. Eswerden dabei die im Körper abgelaufenen hormonellen oder Stoffwechselvorgängeverstehbar

Fußchirurgie, Herz- und Gefäß-Klinik, Neurologische Klinik, Saaletalklinik, Frankenklinik). Zudem besteht eine gute Zusammenarbeit mit der Kreisklinik Bad Neustadt a. d. Saale, dem Klinikum Dreißigacker/Meinigen und dem