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HANDLUNGSEMPFEHLUNGDuales StudiumStudium und Praxis zielführend kombinieren

2NACHWUCHSKR ÄF TE )Wer wir sind und was wir leistenDas Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung(KOFA) ist ein Projekt des Instituts der deutschenWirtschaft Köln und wird gefördert durch dasBundesministerium für Wirtschaft und Energie.Das KOFA unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dabei, Fachkräfte zu finden, zubinden und zu qualifizieren.Folgende Angebote bietet das KOFA:Studien: Analysen zur Fachkräftesituation in DeutschlandHandlungsempfehlungen und Checklisten: Tipps für Ihre PersonalarbeitPraxisbeispiele: Best Practice zumNachahmen und WeiterdenkenTrends: Zukunftsthemen wie DigitaleBildung und Führung 4.0Vorträge und Netzwerke: Austausch mitden Expertinnen und Experten vor OrtWillkommenslotsen: Schulungen fürdie Flüchtlingsintegration in KMUWebinare: Weiterbildung undAustausch vom Schreibtisch ausNewsletter: regelmäßige Infos überaktuelle Trends im ThemenfeldMehr Informationen aufwww.kofa.deE-Mail: [email protected]: 0221-4981-543twitter.com/KOFA de

DUALES STUDIUMDuales StudiumStudium und Praxis zielführend kombinieren3

4NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENImpressumHerausgeberInstitut der deutschen Wirtschaft Köln e. V.Postfach 10 19 42, 50459 KölnKonrad-Adenauer-Ufer 21, 50668 Kölnwww.iwkoeln.deRedaktionKompetenzzentrum FachkräftesicherungPostfach 10 19 42, 50459 KölnKonrad-Adenauer-Ufer 21, 50668 Kölnfachkr[email protected] Lydia MalinGestaltung und ProduktionInstitut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, KölnStandJanuar 2020FotosJohanna Abend, ITT BornemannGetty ImagesMichael Knittel, DHBW

DUALES STUDIUMInhaltEinführungWorum es geht6Kapitel 1So profitiert Ihr Unternehmen8Kapitel 2So gehen Sie vor10Schritt 1: Einführung dualer Studiengänge vorbereiten10Schritt 2: Dual Studierende rekrutieren14Schritt 3: Das duale Studium gestalten16Kapitel 3So messen Sie Ihren Erfolg17Weiterführende Informationen18ÄFTERKHCFAFINDEN ENNDUND BI5

6NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENEinführungWorum es gehtWas ist ein duales Studium?Bei dualen Studiengängen wird das Studium an einer staatlichen oder privaten Hochschule mit einerdualen Ausbildung oder intensiven Praxisphasen inIhrem Betrieb verknüpft. Diese Kombination ermöglicht es den dual Studierenden, die Vorteile einesHochschulstudiums mit Praxiserfahrungen in IhremBetrieb anzureichern. Gleichzeitig haben Sie als Unternehmen die Möglichkeit, eine akademisch ausgebildete Nachwuchskraft, die aber auch das „Handwerk“ von der Pike auf gelernt hat, frühzeitig an IhrUnternehmen zu binden.Welche dualen Studienmodelle gibt es?Im Jahr 2016 gab es über 100.000 dual Studierende in 47.458 Unternehmen und 1.592 verschiedenen Studiengängen. Gut die Hälfte aller dualenStudiengänge war dabei praxisintegrierend, dasheißt, es wurde kein anerkannter Ausbildungsabschluss erworben (Hofmann/König, 2017).Es gibt unterschiedliche StudienzeitmodelleBlockmodell3 MonateStudiumDas duale Studium zeichnet sich dadurch aus, dasses an zwei Lernorten stattfindet – der Hochschule(oder Berufsakademie) und dem Betrieb. Je nachdem, wie zentral der jeweilige Lernort ist, werden inder Theorie drei Modelle unterschieden:1. das ausbildungsintegrierende duale Studium,bei dem parallel zu einem Bachelor an der Hochschule ein vollwertiger dualer Berufsabschlusserworben wird,2. das praxisintegrierende duale Studium, beidem das Hochschulstudium durch verpflichtendePraktika als fester Bestandteil der Studienleistung ergänzt wird,3. das berufsintegrierende duale Studium, beidem ein Voll- oder Teilzeitstudium neben einerfachlich verwandten Berufstätigkeit absolviertwird.In der Praxis finden sich oft Mischformen der erstenbeiden Typen, bei denen intensive Praxisphasen sowie Unterricht an einer Berufsschule mit einem Studium verknüpft werden, ohne dass zwangsläufig einformaler Berufsabschluss erworben wird. Je nachStudiengang bzw. kooperierender Hochschule variieren dabei die Präsenzzeiten am jeweiligen Lernort.Möglich ist beispielsweise das blockweise Wechselnzwischen Hochschule und Betrieb oder das Wochenmodell, bei dem innerhalb jeder Woche einige Tagean der Hochschule und einige Tage im Betrieb (undggf. in der Berufsschule) verbracht werden.3 Monate inUnternehmen3 MonateStudium3 Monate inUnternehmen3 MonateStudium3 Monate inUnternehmenWochenmodell2 Tage2 Tage2 Tage2 Tage2 TageStudium Studium Studium Studium Studium3 Tagein Unternehmen3 Tagein Unternehmen3 Tagein Unternehmen3 Tagein Unternehmen3 Tagein UnternehmenAbendmodellStudium abends und/oder am WochenendeGanze Woche im Unternehmen

DUALES STUDIUMIn welchen Fachrichtungen gibt es die meisten dualen Studiengänge?Sozialwesen, Erziehung, Gesundheit 10%Informatik 12%Sonstiges 6%Ingenieurwesen 38%Wirtschaftswissenschaften 34%Für wen eignet sich ein duales Studium?Da ein duales Studium mit einer hohen Arbeitsbelastung für die dual Studierenden einhergeht, eignetes sich ausschließlich für leistungsstarke Absolventinnen und Absolventen mit (Fach-)Hochschulzugangsberechtigung. Die dual Studierenden benötigen eine hohe Leistungsbereitschaft und Motivation,da die praktischen Bestandteile ihrer Ausbildungzusätzlich zum Studium absolviert werden.In welchen Fachrichtungen bietet sich einduales Studium an?Im Jahr 2017 gab es über 1.500 duale Studiengänge.Die meisten dieser Studiengänge wurden im Ingenieurwesen und in den Wirtschaftswissenschaften angeboten. Dabei gibt es Studiengänge, die sich explizit an kleine und mittlere Unternehmen (KMU)richten (Hofmann/König, 2017).Zudem besteht eine Vielzahl an dualen Studienangeboten, die (ausschließlich) mit einer Ausbildung imHandwerk kombinierbar sind. So kann beispielsweise die Ausbildung als Elektroniker/-in für Maschinen- und Antriebstechnik mit einem Bachelor in Me-chatronik kombiniert werden oder eine Ausbildungzur Zimmerin/zum Zimmerer mit einem Bachelor inHolztechnik.Was erfahren Sie in dieser Handlungsempfehlung?Diese Handlungsempfehlung zeigt Ihnen, wieauch Ihr Unternehmen erfolgreich die Vorteileeines dualen Studiums nutzen kann. FolgendeFragen werden hierbei beantwortet:1. Was sind die Vorteile eines dualen Studiumsfür Ihr Unternehmen?2. Was sind die ersten Schritte?3. Wie gehen Sie bei der Rekrutierung vondual Studierenden vor?4. Wie können Sie das duale Studium im Betriebgestalten, um die dual Studierenden langfristig an Ihr Unternehmen zu binden?7

8NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENKapitel 1So profitiert Ihr UnternehmenDas Angebot eines dualen Studiums bietet IhremUnternehmen vielfältige Vorteile. Wir geben Ihnenzehn gute Gründe, warum sich das duale Studiumauch für Sie lohnen kann:1. Sie erhalten hochqualifizierte Nachwuchskräfte,die praxisgerecht ausgebildet und mit Ihren Betriebsabläufen gut vertraut sind.2. Das duale Studium wird insbesondere von leistungsstarken Abiturienten nachgefragt. Sie werden für diese Zielgruppe interessant.3. Sie können Ihre zukünftigen Fach- oder Führungskräfte frühzeitig an Ihr Unternehmen binden und sichern sich so einen Wettbewerbsvorteilgegenüber anderen Arbeitgebern.4. Viele dual Studierende streben eine Leitungsposition an. Die Abbruchquote ist beim dualen Studium mit circa 7 Prozent deutlich geringer als beimregulären Bachelor-Studium insgesamt (28 Prozent).5. Durch die parallele Auseinandersetzung mitpraktischen und theoretischen Fragestellungendesselben Berufsfeldes erwerben dual Studierende ein umfangreiches Wissen und können sonoch besser innovative Ideen einbringen.6. Dual Studierende lernen verschiedene Unternehmensbereiche kennen und können so stabileNetzwerke im Unternehmen aufbauen.7. Über den fachlichen Austausch mit der kooperierenden Hochschule bleiben auch Sie auf dem aktuellen Stand bei neuen Entwicklungen.8. Durch Ihre Präsenz an der jeweiligen Hochschulehaben Sie die Chance, Ihr Unternehmen bei denStudierenden bekannter zu machen und sich alsattraktiver Arbeitgeber zu positionieren.9. Viele Hochschulen informieren online über Kooperationspartner, sodass Studieninteressierteauf Ihr Unternehmen aufmerksam werden. Zudem erscheint Ihr Unternehmenskontakt in derDatenbank von AusbildungPlus, dem Portal fürduales Studium und Zusatzqualifikationen in derberuflichen Erstausbildung (www.bibb.de/ausbildungplus/de).10. Insbesondere private Hochschulen bieten im Gegenzug zu den Studiengebühren zusätzliche Services: Sie können beispielsweise aktiv an derAusgestaltung des Studiums mitwirken oder Auftragsarbeiten in den hochmodernen Laborenund/oder Lehrwerkstätten der Hochschulendurchführen lassen.

DUALES STUDIUM9Blick in die PraxisDuales Studium: Ein guter Weg der NachwuchskräftesicherungDas Unternehmen ITT Bornemann profitiert von der Kooperation mit HochschulenSeit zwölf Jahren setzt der Pumpenhersteller ITTBornemann beim Thema Nachwuchssicherung auchauf duale Studiengänge. Der mittelständische Familienbetrieb kooperiert gleich mit mehreren Hochschulstandorten und kann so – abgestimmt auf deneigenen Bedarf – besonders leistungsstarken Abiturientinnen und Abiturienten einen attraktiven Einstieg ins Unternehmen bieten.Wie findet man duale Studentinnen undStudenten?Die Vorteile, die ein duales Studium Berufseinsteigern bringen, liegen auf der Hand: Theorie und Praxis sind eng verzahnt, die jungen Erwachsenen verdienen ihr erstes Geld, Studiengebühren übernimmtdas Unternehmen, und eine Anstellung im Betriebist nach der Ausbildungszeit in der Regel fest vorgesehen. „Trotzdem ist es für uns nicht einfach, diedualen Studienplätze zu besetzen“, erzählt JohannaAbend. „Unter den Jugendlichen hat sich rumgesprochen, wie anspruchsvoll ein duales Studium ist. DieDoppelbelastung durch Studium und Arbeit ist nichtzu unterschätzen.“Häufig lernt Johanna Abend potenzielle Bewerberinnen und Bewerber direkt in der Schule kennen. Dasmittelständische Unternehmen nutzt Schulkooperationen und Berufsinformationstage an den benachbarten Gymnasien und Gesamtschulen, um Schülerinnen und Schüler gezielt anzusprechen.denten, die an der Universität Bielefeld einen Bachelor in Elektrotechnik machen. Wer in Hannover einenAbschluss als Wirtschaftsingenieur oder Konstruktionsmechaniker anstrebt, folgt einem anderen Rhythmus. „In den beiden Fachrichtungen erwerben dieStudenten parallel zum Bachelor-Studium auch einenIHK-Ausbildungsabschluss“, sagt Johanna Abend.„Deshalb heißt es für die Studenten in den erstenzwei Jahren: Montag und Dienstag Berufsschule, Mittwoch bis Freitagmittag Betrieb, Freitagnachmittagund Samstag Universität.“ Nach zwei Jahren besitzendie Nachwuchskräfte dann einen IHK-Abschluss alsIndustriekaufmann/-kauffrau oder als technische/rZeichner/in. Nach einem weiteren Jahr Vollzeit-Studium haben sie ihren Bachelor-Abschluss in der Tascheund können im Unternehmen durchstarten.Was kostet ein duales Studium?Die stellvertretende Personalchefin rät anderen Unternehmen, genau zu prüfen, ob es sich lohnt, dualeStudienplätze im Betrieb anzubieten. Es sei eindurchaus kostenintensiver Weg, um Nachwuchskräfte zu finden. Schließlich zahlt das Unternehmen neben den Studiengebühren auch die tariflich vorgesehene Ausbildungsvergütung. Hinzu kommen Kostenfür Lehrmaterialien und das zeitliche Engagementder betreuenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inden Fachabteilungen.Arbeit und Studium im Wechsel„Für uns lohnt sich das“, resümiert Abend. „Seit zwölfJahren gewinnen wir über diesen Weg top ausgebildetes Personal mit einer hohen Unternehmensloyalität“.Elf Wochen Uni, elf Wochen Betrieb. Diesen Wechselaus Theorie und Praxis durchlaufen die dualen Stu-Das ganze Praxisbeispiel finden Sie unterwww.kofa.de/inhalte-von-a-z/praxisbeispiele

10NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENKapitel 2So gehen Sie vorUm das Angebot dualer Studiengänge erfolgreich inIhrem Unternehmen einzuführen, ist es wichtig, zuvor die zu besetzende Position und einen geeignetenStudiengang zu bestimmen. Achten Sie bei der Rekrutierung dual Studierender darauf, etwa ein JahrVorlaufzeit einzuplanen. Weitere Informationen erhalten Sie hier Schritt für Schritt:SCHRITT01021. Ihren Bedarf an akademisch ausgebildetenNachwuchskräften ermitteln, Welche Positionen wollen Sie besetzen? Welcher Studiengang passt dazu? Wie schließen Sie einen Kooperationsvertrag mit einer Hochschule ab?2. einen geeigneten Studiengang und eine entsprechende Hochschule auswählen, Wie gestalten Sie die Stellenausschreibung? Wie wählen Sie die passendeNachwuchskraft aus?Das duale StudiumgestaltenSCHRITT03Wenn Sie noch keinerlei Erfahrungen mit dem dualen Studium in Ihrem Betrieb haben, gilt es, frühzeitig die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Sie sollten:Einführung dualerStudiengänge vorbereitenDual StudierenderekrutierenSCHRITTSchritt 1: Einführung dualerStudiengänge vorbereiten Wie stellen Sie optimale Lernbedingungen sicher? Wie binden Sie die Nachwuchskraftans Unternehmen?3. eine Kooperation mit der Hochschuleeingehen.Zunächst ist es für Sie wichtig, für Ihren Betrieb zuermitteln, in welchen Bereichen Sie einen Bedarf anakademisch ausgebildeten Nachwuchskräftenhaben. Hierfür können Sie sich folgende Fragen stellen: In welchem Ihrer Unternehmensbereiche benötigen Sie wann und für welche Berufsgruppen eineakademisch qualifizierte Fachkraft?

DUALES STUDIUM11 Wie relevant ist es für die Umsetzung Ihrer zukünftigen Geschäftsstrategie, genau auf Ihre Unternehmensbedarfe hin ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker zu bekommen?Wenn die Homepage keine expliziten Ansprechpartnerinnen oder Ansprechpartner für Unternehmenausgewiesen hat, nehmen Sie am besten Kontaktmit der entsprechenden Studiengangsleitung auf. Welcher Hochschulabschluss wird für die zubesetzende(n) Stelle(n) benötigt?Schließen Sie mit der ausgewählten Hochschuleeinen Kooperationsvertrag ab. In der Regel stellendie Hochschulen für jeden Studiengang einen vorgefertigten Musterkooperationsvertrag zur Verfügung.Dieser regelt zum Beispiel:Anschließend wählen Sie eine geeignete Hochschule aus. Dabei ist es gut möglich, dass für Ihrenbetrieblichen Bedarf unterschiedliche Studiengängean verschiedenen Hochschulen in Frage kommen.Sie können auch mit mehr als einer Hochschule zusammenarbeiten. Duale Studiengänge werden inDeutschland an Berufsakademien, privaten undstaatlichen Hochschulen sowie Universitäten angeboten. In Baden-Württemberg ist der größte Anbieterdualer Studiengänge die Duale Hochschule BadenWürttemberg (DHBW) mit verschiedenen Standorten.Die für Ihren betrieblichen Bedarf passendendualen Studiengänge und Hochschulen findenSie über die Datenbank .php).Wenn Sie sich für eine entsprechende Hochschuleentschieden haben, treten Sie mit ihr in Kontakt. Art und Anzahl der dualen Studienplätze, Zeiten an der Hochschule bzw. im Betrieb(Zeitmodell), ob – und wenn ja, in welcher Höhe – Kosten entstehen und wer diese zu tragen hat (z. B. Kooperationsentgelte oder Studiengebühren), Pflichten der Hochschule bzw. der Berufsakademie (z. B. Bereitstellung von erforderlichen Studienangeboten außerhalb der betrieblichen Praxis,Informationen über Vorlesungszeiten und Prüfungstermine), Pflichten des Unternehmens (z. B. Bereitstellungvon Betriebsstätten für die Praxisphasen, Freistellung der bzw. des Studierenden für Studienzeiten und Prüfungen), Vertragsdauer (Laufzeit und Kündigungsfristen).PLatzhalter!Wie Sie Ihren Personalbedarf richtig einschätzenkönnen, um bedarfsgerecht Nachwuchskräfte zurekrutieren, zeigt Ihnen die KOFA-Handlungsempfehlung edarfsplanung)

12NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENBlick in die PraxisDuales Studium: Auch für KMU interessant?Wie Unternehmen von dualen Studiengängen profitieren.Interview mit Michael Knittel– Studiengangleiter BWL-Handwerk DHBW StuttgartAn der Dualen Hochschule Baden-Württemberg(DHBW) in Stuttgart können Studierende sich gezielt für die Arbeit in kleinen und mittlerenHandwerksbetrieben ausbilden lassen. Prof. Dr.Michael Knittel, Leiter des Studiengangs BWLHandwerk, erklärt im Interview, wie die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Betriebenfunktioniert und wie Unternehmen von ihr profitieren.ratung und andere Dienstleistungen in Ordnungsind. Firmen sollten nicht zögern sich zu bewerben,auch wenn das Profil nicht zu hundert Prozenthandwerklich ist. Formal muss ein Betrieb mindestens einen Mitarbeiter mit Meistertitel, Hochschulabschluss oder einem vergleichbaren Abschluss haben.Prof. Dr. Knittel, wie können Unternehmen Teil des dualen StudiengangsBWL-Handwerk werden?Knittel: Da gibt es keine starren Regeln. Der Studiengang BWL-Handwerk ist aber für kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten. Deshalb sind sehrgroße Unternehmen eher die Ausnahme. Auf der anderen Seite muss die Betriebsgröße aber zumindestausreichend sein, dass sich jemand ordentlich umden Studierenden kümmern kann. Ein-Mann-Betriebe passen also beispielsweise eher nicht. Gelegentlich schlagen Betriebe auch eine Verbundslösungvor, bei dem ein Studierender während der Ausbildung zwischen Firmen wechseln kann. Dann können auch sehr kleine Betriebe mitmachen. Ob einBetrieb generell zu uns passt, spüre ich meistens relativ schnell in den ersten Gesprächen.Knittel: Typischerweise kontaktieren Unternehmenmich direkt. Um in das Programm aufgenommen zuwerden, müssen die Firmen „Dualer Partner“ werden. Dieser Ablauf ist recht simpel: Die Betriebe füllen zunächst einen Zulassungsantrag aus. Den geheich in der Regel gemeinsam mit den Firmen durch,um potenzielle Missverständnisse zu vermeiden.Anschließend geht der Antrag an den Hochschulrat,der dann für gewöhnlich seine Zustimmung erteilt.Dieser ganze Vorgang dauert in der Regel nicht länger als zwei Monate.Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen mitbringen?Knittel: Unser Studiengang BWL-Handwerk ist aufkleine und mittlere Unternehmen im Handwerksbereich ausgerichtet. Um bei uns aufgenommen zuwerden, müssen Betriebe also ein paar Dinge erfüllen: Sie müssen natürlich aus der Handwerksbranche sein, wobei auch angrenzende Bereiche wie Be-Gibt es eine Mindestgröße?Wie finden Studierende und Unternehmenzueinander?Knittel: Als Hochschule sind wir bei diesem Prozesseher außen vor. Studierende suchen sich eigenständig die Betriebe aus. Dazu können sie entweder diebereits bei uns zugelassenen Unternehmen in einerListe oder bei der DHBW-Bewerberbörse auf unsererWebsite anschauen oder sie suchen sich selbst einenBetrieb, der noch nicht bei uns aufgenommen ist

DUALES STUDIUMund schlagen uns diesen – nach erfolgreicher Bewerbung – dann vor. Letzteres ist eher die Regel:Von 40 Studierenden im Jahr bringen 30 ein Unternehmen zur Neuzulassung mit. Das ist ganz üblichund kein Problem.Wie sind Lehr- und Praxisphasen aufeinander abgestimmt?Knittel: Studierende sind abwechselnd drei Monateim Betrieb und drei Monate an der Hochschule. Unser Rahmenstudienplan ist im Idealfall eng verzahntmit den Inhalten der Praxisphasen. Die Betriebekennen unseren Lehrplan, sodass die Theorie- undPraxisinhalte – etwa Rechnungs- und Personalwesen oder Phasen im Unternehmen sowie auch malvor Ort auf der Baustelle – auch in einen ähnlichenZeitraum fallen. Das klappt je nach Anforderungenim Betrieb nicht immer perfekt, aber das ist keinProblem. Manche kleinen Betriebe haben natürlichnicht immer eine ganze Abteilung für bestimmteThemen oder das Tagesgeschäft lässt es gerade nichtzu, dass Studierende in bestimmten Bereichen mitarbeiten. Uns ist nur wichtig, dass sie möglichstbreit eingesetzt werden und so umfassend die Praxiskennenlernen.Wo sehen Sie die Vorteile der Zusammenarbeit für Unternehmen?Knittel: Handwerksunternehmen – vor allem kleinere, deren Namen man nicht unbedingt kennt –suchen immer Nachwuchs und tun sich aber schwer,welchen zu finden. Deshalb sind sie meist sehr erpicht darauf, Studierende aufzunehmen und diese13auch im Anschluss weiter zu beschäftigen. An derDHBW insgesamt liegt die Übernahmequote beirund 80 Prozent, im Handwerk sogar bei rund 90Prozent. Betriebe bekommen dadurch junge Mitarbeiter, die das Unternehmen und die Abläufe bereitskennen. Außerdem ist unser Studium auf kleinereBetriebe zugeschnitten: Unsere Abgänger sind Generalisten und sehr unternehmerisch. Und manchmalgibt es sogar noch einen Bonus: Die Studierendenschreiben am Ende des Studiums eine Bachelorarbeit. Das Thema dazu sollen sie aus dem Betrieb heraus entwickeln, sodass es dort auch Anwendung finden könnte. Wir hatten beispielsweise Fälle, wojemand Möglichkeiten zur Produktivitätserhöhungauf der Baustelle wissenschaftlich bearbeitet hatund das Partnerunternehmen von den Erkenntnissen dieser Arbeit dann profitiert hat.Mehr Infos über den Studiengang BWL-Handwerkan der DHBW unter: t/fakultaet-wirtschaft/bwlhandwerk/profil/

14NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENSchritt 2: Dual StudierenderekrutierenAchten Sie bei der Auswahl dual Studierender darauf, dass sich die Kandidatinnen und Kandidatenzum einen aufgrund guter Noten für ein Studiumqualifizieren und zum anderen an intensiver Praxiserfahrung interessiert sind. In der Regel übernehmen Sie als Betrieb die Auswahl Ihrer dual Studierenden. Diese müssen jedoch ebenfalls die Zulassungsbestimmungen der Hochschulen erfüllen – zumeist geht es dabei um eine Hochschulzugangsberechtigung, das heißt, ein Abitur oder Fachabitur.StellenausschreibungSie sollten freie Stellen für dual Studierendeausschreiben. Gleichzeitig veröffentlichen dieHochschulen häufig eine Liste mit kooperierenden Unternehmen. Über diese können Interessentinnen und Interessenten für ein duales Studium auf Ihr Unternehmen aufmerksamgemacht werden.Achten Sie bereits bei der Formulierung derStellenanzeige darauf, dass sich diese in derAufgabenbeschreibung und dem Anforderungsprofil von Ausbildungsstellen abhebt. Signalwörter sind z. B. „eigenverantwortlich“, „eigeneIdeen einbringen“, „Eigeninitiative“ und „hoheLeistungsbereitschaft“. Vielleicht können Sieauch schon eine Perspektive nach Beendigungdes Studiums nennen, z. B. eine verantwortungsvolle Position als Junior Consultant imEinkauf.Wie Sie mit Ihren Stellenausschreibungen verstärkt Frauen erreichen können, erfahren Sie inunserer Handlungsempfehlung „Mit Stellenanzeigen gezielt weibliche Fachkräfte en).Der erste Schritt in Ihrem Auswahlverfahren stelltwie üblich die Sichtung der Bewerbungsunterlagen dar. Dabei beurteilen Sie zunächst den Gesamteindruck der Bewerbung, prüfen die Vollständigkeitder Unterlagen und nehmen eine erste grobe Sortierung vor. Hierauf sollten Sie besonderes Augenmerklegen: Hochschulzulassung: Das (Fach-)Abitur ist Voraussetzung, um den theoretischen Teil des dualen Studiums – das Hochschulstudium – absolvieren zu können. Die Bewerbungsverfahrenbeginnen häufig ein Jahr vor Aufnahme des dualen Studiums und daher bevor die Schule beendet wurde. Anhand der Oberstufenzeugnissekönnen Sie ableiten, ob die Schule voraussichtlich erfolgreich beendet wird. Noten: Die Prüfungen an der Hochschule sindanspruchsvoller als solche an Berufsschulen.Stellen Sie sicher, dass die Bewerberin oder derBewerber in den für das Studium relevanten Fächern mindestens gute Noten hat (z. B. in Mathematik und Wirtschaft für das Studium der Betriebswirtschaftslehre oder in Physik für einStudium der Ingenieurwissenschaften). Leistungsbereitschaft: Das duale Studium stellteine Doppelbelastung dar, weil zum Hochschulstudium die Praxisphasen bzw. das Absolvierender Ausbildung kommen. Ein Hinweis, ob eineBewerberin oder ein Bewerber diesem Mehr anAufgaben gewachsen ist, können beispielsweiseNebentätigkeiten während der Schulzeit sein. Hatsie oder er einen Nebenjob gehabt oder gemeinnütziges Engagement gezeigt? Soziale Kompetenz: Natürlich spielt es eine zentrale Rolle, dass die Bewerberin oder der Bewerber auch aufgrund von sozialen Kompetenzen inIhren Betrieb und das Team passt. Absolventinnen und Absolventen dualer Studiengänge eignen sich häufig, um künftige Führungspositionen bei Ihnen zu besetzen. Legen Sie alsofrühzeitig einen Fokus auf mögliche Führungsqualitäten. War die Kandidatin oder der Kandidatetwa Schulsprecherin oder Schulsprecher oderleitet eine Sportgruppe?

DUALES STUDIUM15und Teilnehmer in einem Bewerbungsgespräch persönlich kennenlernen.Praxis-Tipp:Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher beenden ihr Studium häufig, weil sie sicheinen stärkeren Praxisbezug wünschen. SeienSie bei der Rekrutierung dualer Studierenderoffen für Kandidatinnen und Kandidaten, dievielleicht schon ein Studium begonnen habenund denen Praxisphasen besonders wichtigsind.Duale Studiengänge gewinnen an Bekanntheit undBeliebtheit bei Abiturientinnen und Abiturienten.Die Möglichkeit, zum einen den Bachelorabschlusszu machen und gleichzeitig Praxiserfahrung zusammeln sowie Geld zu verdienen, ist für jungeMenschen attraktiv. Es kann also sein, dass Siedeutlich mehr Bewerbungen erhalten als zum Beispiel für Ihre ausgeschriebenen Ausbildungsstellen.Häufig eignen sich in diesem Fall Assessment-Center (AC), also zumeist ganztätige Auswahlverfahren,um die Bewerberinnen und Bewerber untereinandervergleichen zu können. Dies kann Unternehmenauch helfen, um deutschlandweit unterschiedlicheAbiturergebnisse besser einschätzen zu können.Haben Sie eine/n oder mehrere geeignete Kandidatinnen bzw. Kandidaten gefunden, schließen Sie mitIhrer Studentin oder Ihrem Studenten einen entsprechenden Arbeitsvertrag ab. Bei einem ausbildungsintegrierenden Studiengang – das heißt, wenngleichzeitig ein anerkannter Ausbildungsabschlusserworben werden soll – handelt es sich um einenAusbildungsvertrag. Bei anderen Formen des dualen Studiums gibt es keine entsprechenden Vorgaben, wie der Arbeitsvertrag ausgestaltet sein muss.Bei fest verankerten Praxisphasen ist es üblich, denArbeitsvertrag über die Zeit des Studiums zu schließen.Die Vergütung der dual Studierenden richtet sichnach der Art der studienbegleitenden Tätigkeit. Handelt es sich um ein ausbildungsintegrierendes duales Studium, erhält die oder der dual Studierende eine entsprechende Ausbildungsvergütung. Handeltes sich um ein berufsbegleitendes duales Studium,richtet sich das Gehalt nach Art und Umfang der Beschäftigung.Zentraler Bestandteil jedes Auswahlverfahrens istdas persönliche Gespräch. Dieses kann entwederim AC enthalten oder diesem vor- oder nachgelagertsein. Die Bewerberin oder der Bewerber sollte in diesem Gespräch die eigene Motivation erläutern. FallsSie ein AC durchführen und davor bereits Interviewsgeführt haben, können Sie während des AC einzweites, vielleicht kürzeres Gespräch durchführen,z. B. mit Verantwortlichen aus der jeweiligenFachabteilung.Es ist möglich, auch ohne ein ganztägiges AC zu einem Einstellungstest einzuladen. Hierdurch können Sie den Leistungsstand der Bewerberinnen undBewerber besser abschätzen und sie untereinandervergleichen. Ziel von Einstellungstests ist es, nebender Abfrage von Wissen auch die Stressresistenz unddie Fähigkeit zu logischem Denken zu ermitteln. Anschließend können Sie erfolgreiche TeilnehmerinnenViele Aspekte bei der Rekrutierung von dualenStudierenden sind ähnlich wie bei der Rekrutierung von Fach- oder Führungskräften. Alle Informationen rund um das Thema Rekrutierungfinden Sie unter: mitarbeiter-finden.

16NACHWUCHSKR ÄF TE AUSBILDENSchritt 3: Das duale StudiumgestaltenWenn Sie geeignete Kandidatinnen oder Kandidatenfür das duale Studium ausgewählt und auch dasVertragliche geregelt haben, steht dem Beginn desdualen Studiums formal nichts mehr im Wege. Spätestens jetzt ist es wichtig, im Betrieb die weiterenWeichen zu stellen, damit das Studium für beideSeiten erfolgreich verläuft. Folgende Maßnahmensind zentral: Ausbildungsplan: Für die Dauer des dualen Studiums ist es vorgesehen, dass die dualen Studentinnen und Studenten alle fachlich relevantenAbteilungen kennenlernen. Für ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre sind das zumBeispiel die kaufmännischen Abteilungen (Einkauf, Vertrieb, Personal, Marketing, Buchhaltung, Controlling). Es ist wichtig, dass Theorieund Praxis des Studiums zusammenpassen. Welche Abteilungen besucht werden sollten, erkennen Sie zum einen an den Lehrinhalten derHochschule. Zum anderen können Sie das mit derjeweiligen Studiengangsleiterin bzw. dem Studiengangsleiter abstimmen. Für einen organisatorisch reibungslosen Ablauf des Studiums inIhrem Betrieb ist die Erstellung eines Ausbildungsplans für die Dauer des Studiums sinnvoll.Holen Sie hierfür die jeweiligen Fachabteilungenmit ins Boot. Wie Sie einen Ausbildungsplan fürIhr Unternehmen erstellen können, erfahren Sieim KOFA-Video „Betrieblichen Ausbildungsplanerstellen“ februar-betrieblichen-ausbildungsplan-erstellen). Verantwortlichkeit: Um im dualen Studiumauch als Betrieb erfolgreich zu sein, sollten Siedie Betreuung der dual Studierenden einer festenPerson übertragen. Dies ist in der Regel jemandaus Ihrer Personalabteilung oder die Ausbildungsleitung selbst. Darüber hinaus sollte in jeder Fachabteilung eine Ansprechpartnerin oderein Ansprechpartner bereitstehen. Im besten Fallverfügt die Person über eine Ausbildereignung. Freiräume für Lernzeiten: Sie sollten berücksichtigen, dass ein duales Studium mit einer hohen zeitlichen Belastung verbunden ist. Zwar fin-den die Klausuren in den Theoriephasen statt,doch zum Teil ist es üblich, dass Projektarbeitenwährend der Praxisphase verfasst werden, umden Transfer von Theorie und Praxis zu verstärken. Sie können dies unterstützen, indem SieFreiräume zum Lernen schaffen oder gewisseFreistellungstage bewilligen. Wohnungskosten: Oftmals sind Hochschuleund Betriebsstätte nicht am selben Ort angesiedelt. Das kann bedeuten, dass die dual Studierenden doppelte Wohnungskosten tragen müssen. Es ist empfehlenswert einen entsprechendenZuschuss zum Gehalt zahlen. Ihre Bereitschaft,bei dieser enormen

Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, Köln Stand Januar 2020 Fotos Johanna Abend, ITT Bornemann Getty Images Michael Knittel, DHBW. DUALES STUDIUM 5 Inhalt Einführung Worum es geht 6 Kapitel 1 So profitiert Ihr Unternehmen 8 Kapitel 2 So gehen Sie vor 10 . duales Studium an? Im Jahr