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Praxis Dr. Gut / Dr. BründlerFachärzte FHMGastroenterologieAllg. Innere MedizinHertensteinstrasse 296004 LuzernDer ReizdarmViele leiden darunter, nicht alle werden ernst genommen. Das Reizdarm-Syndrom ist eine Funktionsstörung des Verdauungstraktes mit chronischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen. DasAllgemeinbefinden ist unterschiedlich stark beeinträchtigt. Beim Reizdarm werden mit den zur Verfügung stehenden klinischen Methoden keine organischenVeränderungen gefunden. Die Erkrankung ist weder bösartig noch ansteckend.Der Reizdarm ( Colon irritabile) ist die häufigste Erkrankung des Darmes. Etwa 15% dererwachsenen Bevölkerung leiden in Europa an dieser Erkrankung. Ein Reizdarm-Syndromkann in jedem Lebensalter auftreten. Oft besteht eine gewisse Veranlagung und familiäreHäufung. Erste Beschwerden treten öfter nach einer Stressphase oder nach einer Darmgrippeauf. Bei etwa einem Drittel aller Betroffenen wird die Erkrankung chronisch, aber nur he BeschwerdenDumpfe, stechende oder kolikartige Schmerzen, die oft nur schwer lokalisierbar sind und dengesamten Bauch betreffen könnenGelegentlich treten die Schmerzen immer an der gleichen Stelle auf, z.B. in der Magengegend, im Leber- GallebereichVöllegefühl, verstärkte Blähungen, WindeEpisoden von Durchfall und VerstopfungHäufige Darmentleerungen mit kleiner StuhlmengeGefühl der unvollständigen Darmentleerung sowie eines aufgetriebenen BauchesTel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Praxis Dr. Gut / Dr. Bründler6004 LuzernSeite 2ReizdarmsyndromSchleimauflagerungen am StuhlUnverträglichkeit diverser Nahrungsmittel und von auswärts essenGefühl von StuhldrangVeränderte Stuhlzusammensetzung (hart, wässrig, breiig)Aber auch andere funktionelle Störungen wie Magenbeschwerden, Sodbrennen, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Menstruations- und Schlafprobleme werden beobachtet. Daneben können Depressionen und Angstzustände auftreten. Die Betroffenen können sich aufgrund der ständigen Beschwerden aus der Gesellschaft zurückziehen.Fieber, Blut im Stuhl, ungewollte Gewichtsabnahme und häufige nächtliche Durchfälle sindAlarmsignale, die für den Reizdarm nicht typisch sind; sie müssen sofort abgeklärt werden.Wie kommt man zur Diagnose?Die typischen Beschwerden und der Krankheitsverlauf lassen den erfahrenen Arzt bereits anden Reizdarm denken. Einen eindeutigen diagnostischen Test gibt es leider nicht. Ähnlichverlaufende Erkrankungen wie Infektionen, Entzündungen, Krebs oder Allergien müssen ausgeschlossen werden. Routinemäßig werden daher Laboruntersuchungen von Blut (Leber,Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse, Entzündungsmarker, Glutenallergie) und Untersuchungendes Stuhls auf Entzündung, evt. auch auf Bakterien oder Parasiten durchgeführt. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches sowie endoskopische Untersuchungen (Magen- und Darmspiegelung) können die Ausschlussdiagnostik ergänzen. Mittels Atemtesten können Unverträglichkeiten von Milchzucker (Laktose) und Fruchtzucker festgestellt werden.Die BehandlungZiel jeder Behandlung ist eine langfristige Beseitigung/Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität. Da die Beschwerden von Patient zu Patient oft erheblich variieren, braucht jeder Patient einen individuellen Therapieplan. Diätetische Maßnahmen führenbei fast allen Betroffenen zu einer deutlichen Besserung der Symptome. Um einen genauenZusammenhang zwischen Speisen und Beschwerden zu finden, kann ein Beschwerde/Ernährungstagebuch hilfreich sein.DiätFrüher tat man sich eher schwer mit Ernährungsempfehlungen. Dank neuen Forschungsergebnissen aus Nahrungsmittellabors und grossen Untersuchungen an Reizdarmpatienten inAustralien haben wir endlich eine wissenschaftlich fundierte und klinisch erprobte Ernährungstherapie zur Hand, welche allgemeingültig ist bei striktem Befolgen den meisten Patienten eine deutliche Linderung verschafft. Mit dieser neuen FODMAP-armen Ernährung meidet man gemäss vorgegebenen Nahrungsmittellisten kurzkettige Zucker (Kohlenhydrate),welche vom Menschen nicht verdaut und nur schlecht aufgenommen werden können und imDickdarm von Bakterien zersetzt und vergärt werden. Meidet man solche im Darm schnellvergärende Zucker, entsteht viel weniger Luft im Darm und somit weniger Schmerzen,Durchfälle und Verstopfung. Nebst den Gärzuckern soll man auch Fette, Kaffee, Tee, Alkoholund teils Ballaststoffe bis zur Verträglichkeitsschwelle reduzieren.Meiden Sie hastiges »Zwischendurch-Essen«, ungenügendes Kauen und Hektik während derMahlzeiten. Viele Symptome treten nämlich vorwiegend in Stresssituationen auf.Tel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Praxis Dr. Gut / Dr. Bründler6004 LuzernSeite 3ReizdarmsyndromEssen Sie besser 5x am Tag, dafür kleinere Mahlzeiten. Essen Sie schon am Morgen richtig:am Morgen wie ein Kaiser, am Mittag wie ein König und am Abend wie ein Bettler. EssenSie nicht später als um 19 Uhr. Verzichten Sie auf den „gesunden“ Apfel oder etwas Süssesvor dem Zubettgehen.Reduzieren Sie Ihren Fettkonsum: Gehärtete Margarine und Mayonnaise meiden, Butter,Margarine und Öl reduzieren. Verwenden Sie zum Braten ausschließlich beschichtete Pfannenund mageres Fleisch. Lassen Sie das Fleisch nach dem Braten abtropfen. Reduzieren Sie Frittiertes und Wurstsorten mit hohem Fettgehalt, Aufschnitt, Salami, Lyoner etc.Gipfeli und Butterzopf enthalten viel Fett und sollten durch fein gemahlenes Dinkelbrot (oderallenfalls glutenfreie Brote) ersetzt werden.Fische sind allgemein fettarm. Aber Zuchtlachs und Thunfisch in Öl können Beschwerdenverursachen. Leider muss auch Pizza gemieden werden, wegen dem hohen Fettgehalt, demlaktosehaltigen Frischkäse und den teils unverträglichen Gemüsen.Süsses reduzieren: Vieles was süss ist, kann Reizdarmbeschwerden verursachen: Schokolade, Guetzli, Gebäck etc. Süssigkeiten haben oft auch einen hohen Fettgehalt! Sorbet-Eis undschwarze Schokolade dürfen Sie geniessen!Schlimmer noch sind zahnschonende Süssigkeiten wie Bonbons, Ricola, Kaugummi, Gummibärli, Halsfeger etc. Künstliche Zuckerersatzstoffe wie Sorbit können auch im gesundenDarm Blähungen und Winde verursachen.Getränke: Meiden Sie Kohlensäure und reduzieren Sie Alkohol und Kaffee. Meiden Sie mitSorbit, Xylit etc. gesüsste Süssgetränke (Eistee, künstlich gesüsster Sirup)!Pflanzliche Nahrungsmittel: Gemüse, Früchte und Salate sind teilweise schwer verdaulichund können kurzkettige Kohlenhydrate enthalten, welche leicht vergären und dadurch Blähungen, Schmerzen und Durchfall/Verstopfung verursachen (vgl. entsprechende FODMAPListen). Insbesondere Zwiebeln und Knoblauch sollen in der ersten Phase der Schondiät während 6-8 Wochen gänzlich gemieden werden.Vollkornprodukte, grobe Körner und Kernen (auch in Darvida und Knäckebrot) sollen versuchsweise gemieden werden. Bei hartnäckigen Beschwerden können glutenfreie Getreideprodukte probiert werden. Eine gute Regel ist: nach 16 Uhr keine Rohkost mehr! Keinen Salatabends!!Fruchtzucker reizt den Darm leider oft mit Blähungen und Durchfall. Klassisch ist der Most(Apfelsaft). Viele Früchte, insbesondere Dörrfrüchte (z.B. Rosinen, Feigen etc.) können sofortBlähungen auslösen. Meiden Sie Dörrfrüchte gänzlich und geniessen Sie geeignete frischeFrüchte (siehe FODMAP-Liste). Etwas besser verträglich sind gedämpfte oder gekochteFrüchte. Auch Fruchtsäfte, insbesondere Orangenjus sind schlecht verträglich. Honig hat vielFruchtzucker und soll sehr sparsam genossen werden.Milchzucker ist oft ein Problem, meist als angeborene, erst mit dem Alter auftretende ungenügende Milchzuckerverdauung (Laktose-Intoleranz). Rahm, Milch, Yogurt, Schokoladekönnen Beschwerden provozieren. Während den ersten 6-8 Wochen der FODMAP-armenDarmschondiät sollen laktosefreie Milchprodukte vom Reformhaus, von der Migros oder vonCoop gekauft und genossen werden. Schafs-, Ziegenmilch oder Sojamilch sind keine geeigneten Alternativen.Tel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Praxis Dr. Gut / Dr. Bründler6004 LuzernSeite 4ReizdarmsyndromNahrungsergänzungen sollen während Beschwerdephasen gemieden werden, so z.B.Schüssler-Salze, Burgerstein, Vitaminpräparate, Omega-3, Mineralsalze wie Magnesium etc.,da solche Präparate bei schlechter Funktion der Verdauung oft nur ungenügend aus demDarm aufgenommen werden und dann im Dickdarm zu Blähungen und Druckschmerzen,auch zu Durchfall führen können. Relevante Vitaminmängel sind heutzutage extrem selten!Nehmen Sie diese Vitamine und Nahrungsergänzungen dann wieder ein, wenn es Ihnen vomBauch her besser geht.Pflanzliche Heilmittel sind je nach Art, Menge und Zubereitung eher problematisch und sollten bei Reizdarmbeschwerden nur vorsichtig eingenommen werden.DIE GUTE NACHRICHTWas dürfen Sie noch essen?In guten, beschwerdefreien Phasen dürfen Sie fast alles essen!!! Es ist immer eine Frage desMasses, der Zusammensetzung, der Tagesform, der Hektik. Generell leicht verdaulich sindReis, Dinkel-Teigwaren (aber ohne Zwiebeln, ohne Knoblauch, ohne Rahmsauce), Kartoffeln(aber keine Pommes) und mageres Fleisch (z.B. Bündnerfleisch). Auch Suppen und (glutenfreie) Brote ohne Körner sind geeignet. Geröstete Müesli (auf Haferflocken-/Dinkelbasis) mitfrischen Früchten (gemäss FODMAP-Listen), ohne Trockenfrüchte, ohne Weizen-Körnerund ohne Mandeln können Sie auch geniessen.Wenn Sie es genau wissen wollen, überall, auch im Restaurant, bei Freunden und Bekannten,laden Sie am besten folgendes App herunter: zwar auf Englisch, aber sehr klar und übersichtlich. Kostet Fr. 8.-, ist aber Gold wert:App für iOS- oder Android-iPhone: „the monash university LOW FODMAP diet“Mit diesem App können Sie schnell sehr viele Nahrungsmittel auf die generelle Verträglichkeit nachschauen und prüfen. Enthält auch viele Rezepte und Verhaltenshinweise.Auch unter den folgenden Internetseiten finden Sie reichlich nützliche Informationen:https://diefodmapkoechin.com: Tolle Infos, Listen und hefkoch.de Unter dem Namen Sechmeth finden Sie einen Blog eines Ernährungswissenschaftlers, der selber an Reizdarm leidet. Er gibt viele Hinweise und Rezepte und erklärtdie FODMAP-arme Diät.www.rds-forum.de Hier finden sich verschiedene Foren. Die Foren Nr. 2 und Nr. 6 beschäftigen sich mit Reizdarmsyndrom und der praktischen Umsetzung der FODMAP-armen Ernährungstherapie.Bücher:Sue Sheperd, Peter Gibson: Die Low-FODMAP-Diät. Nahrungsmittel-Intoleranzen entlarvenund beschwerdefrei geniessen. Weltbild. ca Fr. 29.- (Das Original-Buch, übersetzt)Martin Storr: Der Ernährungsratgeber zur FODMAP-Diät. Die etwas andere Diät beiReizdarm, Weizenunverträglichkeit und anderen Verdauungsstörungen. Weltbild Fr. 21.Auf unserer Homepage finden sie die ausführliche Liste „FODMAP-Diät“ zum Ausdrucken.Tel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Praxis Dr. Gut / Dr. Bründler6004 LuzernSeite 5ReizdarmsyndromFolgende Nahrungsmittel sollten Sie gut tolerieren:Reis (aber kein Wildreis)Dinkel-Teigwaren, aber ohneZwiebeln/ Knoblauch/RahmsauceDinkel-Brote ohne Körner!(Vgl. FODMAP-Liste),Mageres Fleisch, wenig WeinKartoffeln (keine Pommes)Haferflocken ohne Rosinen, ohneMandeln, nur FODMAP-arme FrüchteHarte/weiche EierHartkäse und Weichkäse, kein Frischkäse (vgl. FODMAP-Liste)Tel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Praxis Dr. Gut / Dr. Bründler6004 LuzernSeite 6ReizdarmsyndromSuppen, Gemüse gemäss FODMAPListeHahnenwasser/Tee, keine Kohlensäure, keine SüssgetränkeFisch und Kartoffeln, wenig BroccoliMageres Fleisch und Reis, dünne(laktosefreie) Sauce, kein LauchDinkel-Spagetti, ohne Zwiebeln, ohneKnoblauch, ohne RahmsauceMaximal 2 Früchte/Tag, keine Äpfel.Bananen sind i.d.R. verträglich(vgl. FODMAP-Liste)Tel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Praxis Dr. Gut / Dr. Bründler6004 LuzernSeite 7ReizdarmsyndromMedikamente vom ArztEs existiert bis heute kein Medikament, das die Beschwerden bei allen Reizdarm-Patientenvollständig beseitigt. Es gibt aber eine Fülle von Arzneimitteln, die viele Symptome sehrwohl lindern können. Die Medikamente sind sehr unterschiedlich. Sie beeinflussen dieDarmmotorik, wirken abführend oder stopfend. Für Blähungen und Völlegefühl gibt es entgasende Präparate und Spasmolytika, die auch bei krampfartigen Darmschmerzen eine Entspannung der Darmmuskulatur bewirken. Bei vielen Patienten kann durch Gabe von Darmflorapräparaten (z.B. Bioflorin) und Milchsäurebakterien eine Verbesserung erzielt werden.Bei akuten Schmerzen sollte man sich entspannt auf den Rücken legen und mit langsamenkreisenden Bewegungen den Bauch massieren. Atemübungen wirken ebenso wie Wärmeentspannend. Wickeln Sie eine heiße Wärmeflasche (PET-Flasche speichert die Wärme lange) in ein Tuch und legen Sie diese auf den Bauch. Auch ein Leibwickel wirkt entkrampfendund wohltuend.Gegen Krampfschmerzen empfehlen wir Colpermin oder 1 Dragée Buscopan, beide evt.gleichzeitig mit einer Tablette Dafalgan 1g eingenommen. Hilfreiche, nebenwirkungsfreieMedikamente sind auch Spasmo-Canulase, Duspatalin, Dicetel, Iberogast-Tropfen, etc.Bei Durchfällen hilft das harmlose Imodium (Loperamid) prompt.Bei starker psychischer Belastung, Begleitdepressionen und Schmerzen werden Antidepressiva mit teils gutem Erfolg bzgl. der Darmbeschwerden eingesetzt.Reichlich BewegungSpezielle Bewegungsübungen zur Aktivierung des Darmes in Form von Gymnastik, Ausdauersport und Bauchmuskeltraining sind von großer Bedeutung. Gerade Ausdauersportarten wieSpazierengehen, Walken, Joggen oder Radfahren haben bei regelmäßiger Ausübung einenäußerst positiven Effekt auf eine Harmonisierung der che Therapieverfahren wie Chinesische Medizin, Akupunktur, Homöopathie, Magnetfeldtherapie und Neuraltherapie werden oft mit Erfolg eingesetzt. Bei allen diesen Therapien wird der „Energiefluss im Körper harmonisiert“. Energieblockaden, dieSchmerzen oder Krämpfe auslösen, werden beseitigt.Pflanzliche Heilmittel allerdings sind mit Vorsicht einzusetzen, da diese je nach Dosis undZusammensetzung auch Blähungen verursachen können.Die Lösung von psychosozialen Konflikten mittels Gesprächs- oder Psychotherapie und einegute Stressbewältigung im Alltag sind weitere wichtige Maßnahmen zur Therapie desReizdarms. Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Tai-Chi und Atemgymnastik wirken positiv. Auch mit Hypnose wurden zuletzt gute Erfolge erzielt.Die Behandlung des Reizdarms ist nicht einfach. Ein individuell abgestimmter Therapieplanmit richtiger Ernährung, Bewegung, Entspannung, Alternativmedizin und dem gezielten Einsatz von Medikamenten bringt den größten Erfolg. Die enge Zusammenarbeit zwischen Arztund Patient ist dafür aber Voraussetzung.Tel 041 412 30 12www.magen-darm-luzern.chFax 041 412 30 11

Schüssler-Salze, Burgerstein, Vitaminpräparate, Omega-3, Mineralsalze wie Magnesium etc., da solche Präparate bei schlechter Funktion der Verdauung oft nur ungenügend aus dem Darm aufgenommen werden und dann im Dickdarm zu Blähu