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Energie- und CO2-BilanzStadt SoestBilanzierungsjahr in ECOSPEED Region:2015- unter Betrachtung der Vorjahresbilanzierungen ab2005Koordinierungsstelle RegionalentwicklungKlimaschutzmanagerStand: Juli 2017

Energie- und CO2-Bilanz der Stadt SoestBilanzierungsjahr in ECOSPEED Region 2015Inhaltsübersicht: Präambel . 3Allgemeine Zielrichtung . 4Zusammenfassung der CO2-Bilanz der Stadt Soest . 5Methodik und Datenerhebung . 7Endenergieverbrauch . 9Kommunale CO2-Bilanz (Endbilanz). 11Entwicklung Erneuerbare Energie . 16Anhang 1: Weitere Hintergrundinformationen zur CO2-Bilanzierung. 18Anhang 2: Erläuterungen zur Erstellung der Startbilanz in ECOSPEED Region . 23

PräambelIm April 2011 wurde mit finanzieller Förderung des Bundesumweltministeriums dasintegrierte Klimaschutzkonzept für den Kreis Soest unter Einbeziehung der Kommunen vom Institut für Technologie und Wissenstransfer (TWS) im Auftrag des Kreisesfertiggestellt (FKZ 03KS0978). Die Kommunen hatten seinerzeit ihre Unterstützungund Zusammenarbeit zugesagt und in entsprechenden Kooperationsvereinbarungenmit dem Kreis Soest dokumentiert.Neben der Erfassung der - zum Teil - sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen inden Städten und Gemeinden im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit dem ThemaKlimaschutz und CO2-Minderung wurde eine Potentialabschätzung zur Energie- undCO2-Einsparung erstellt und mögliche Zielvorgaben für den kommunalen Klimaschutzim Kreis Soest formuliert. Zusammen mit den Kommunen wurden ein umfangreicherMaßnahmenkatalog und Empfehlungen erarbeitet, die dazu beitragen können, denCO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 deutlich zu reduzieren.Das Konzept wurde in den politischen Gremien des Kreises - Umweltausschuss undAusschuss für Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung vorgestellt. Gleichzeitigwurde es den Städten und Gemeinden übersandt und den Bürgermeistern im Rahmeneiner Bürgermeisterkonferenz präsentiert. Darüber hinaus erfolgte auch eine Vorstellung in den politischen Gremien der einzelnen Kommunen – in der Regel die Umweltausschüsse.Mit dem Beschluss des Kreistages vom März 2012 zur Einstellung eines Klimaschutzmanagers zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes wurden folgende Zielvorgaben,die im Klimaschutzkonzept im Kapitel 5 (Schlussfolgerungen und Empfehlungen)aufgeführt sind, als verbindliche Ziele beschlossen: Der Kreis Soest setzt sich das Ziel, bis zum Jahr 2020 30% weniger CO2gegenüber dem Basisjahr 2007 zu emittieren.Der Kreis Soest setzt sich das Ziel, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung auf 50% anzuheben.Der Kreis Soest setzt sich das Ziel, bis zum Jahr 2020 die verkehrsbedingten Emissionen um 20% gegenüber dem Jahr 2007 zu senken.Der Kreis Soest setzt sich das Ziel, eine überdurchschnittliche Sanierungsquote von mindestens 2,5% im Bereich der privaten Wohngebäudezu erreichen und bis zum Jahr 2020 dauerhaft zu sichern.Die CO2-Emissionen der regionalen Unternehmen werden stärker gesenkt als dies die Selbstverpflichtung des BDI in Höhe von 2,8% jährlichvorgibt (entsprechende Projekte werden unterstützt und geeignete Hilfestellungen angeboten)Bei den kreiseigenen Liegenschaften werden die CO2-Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 2007 bis 2020 um 15 % vermindert.Es wird im Rahmen der Leitbilddiskussion für den Kreis Soest mittelfristig ein Klimaschutz-Leitbild für den gesamten Kreis erarbeitet.Diese Zielvorgaben sollen durch die Umsetzung und Realisierung der im Klimaschutzkonzept im Anhang F aufgeführten Maßnahmen erreicht werden.

Aus den dort aufgeführten Maßnahmen wurde ein Aufgabenplan für den Klimaschutzmanager beim Kreis Soest abgeleitet.Neben der Koordination von gemeinsamen Klimaschutz- und Energieeffizienzaktivitäten im Kreis Soest umfasst seine Tätigkeit auch ein Wirksamkeitscontrolling.Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen wird vom Klimaschutzmanagerdurch die Erhebung und Auswertung entsprechender Daten überprüft. Hierzu soll lautVorgabe des Landes NRW das zunächst für das Klimaschutzkonzept erstellte Systemnicht weiter verwendet werden. Es ist die landeseinheitliche Verwendung der vomLand NRW bereitgestellten Lizenzen für das Programm „ECOSPEED Region“ desSoftwareentwicklers ECOSPEED vorgesehen.Im Rahmen der persönlichen Vorstellung des Klimaschutzmanagers in den Kommunalverwaltungen des Kreises Soest wurde die im Maßnahmenplan des Klimaschutzkonzeptes enthaltene Controlling-Maßnahme der einheitlichen Aktualisierung undFortschreibung der kommunalspezifischen Energie- und CO2-Bilanzen im landesweiten Bilanzierungstool „ECOSPEED Region“ als Dienstleistung des Klimaschutzmanagers nochmals befürwortet.Nachfolgend wurde dies von den Bürgermeistern für das Bilanzierungsjahr 2012nochmals bestätigt und eine Aktualisierung der einheitlichen Bilanzen im Drei-JahresAbstand gewünscht.Die einheitliche Aktualisierung der Energie- und CO2-Bilanzen der Kommunen imKreis Soest stellte die Grundlage für eine Klimaschutz-Leitbild-Diskussion für denKreis dar.Allgemeine ZielrichtungDie Bundesregierung hat sich im Rahmen des Integrierten Klima- und Energieprogramms (IEKP)zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken. Mengenmäßig betrifft dies vor allem das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), von dem jederBundesbürger derzeit im Durchschnitt ca. 11 Tonnen pro Jahr emittiert. Um die mittlere Erderwärmung auf max. 2 Grad Celsius zu beschränken, müssen die CO2-Emissionen langfristig aufweniger als 2,5 Tonnen CO2 pro Person und Jahr reduziert werden.Weltweit sind die CO2-Emissionen sehr ungleich verteilt, während ein US-Amerikaner durchschnittlich 19,9 Tonnen pro Jahr davon emittiert, beträgt der CO2-Ausstoß eines Inders nur 1,2Tonnen pro Jahr. Die CO2-Emissionen sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich hoch.Sie hängen vor allem von der lokalen gewerblichen Struktur und der Art der Gewerbe- und Industriebetriebe ab.Im Rahmen des Klimaschutzgesetzes NRW wird angestrebt, dass alle Kommunen eine CO2Bilanz bzw. einen „CO2-Fußabdruck“ erstellen sollen. Die CO2-Bilanz ist sowohl Voraussetzungzur Förderung von kommunalen Klimaschutzkonzepten durch den Bund als auch für die Förderung des European Energy Award (EEA) durch das Land Nordrhein-Westfalen. Städte und Gemeinden, die wie die Stadt Soest bereits am EEA teilnehmen, haben die Möglichkeit die eigeneCO2-Bilanz zusätzlich zur kreiseinheitlichen Fortschreibung auch über den jeweiligen EEABerater unterjährlich aktualisieren zu lassen.

Mit der vorliegenden CO2-Bilanz für die Stadt Soest werden der jeweilige Energieverbrauch sowie die CO2-Emissionen in den verschiedenen Sektoren der Wirtschaft, der kommunalen Verwaltung, dem Verkehrsbereich und den privaten Haushalten dargestellt. Anhand der CO2-Bilanz sollen die Bereiche sichtbar gemacht werden, in denen sich für die Kommune entsprechenderHandlungsbedarf ergibt (hoher Energieverbrauch und CO2-Emissionen).Im ersten Schritt wurde eine Startbilanz auf Basis zentral bereit gestellter Daten berechnet. Imweiteren Verlauf galt es, die Startbilanz mit eigenen lokal erhobenen Daten zu konkretisieren. Beider Datensammlung wurde sich vor allem unter Betrachtung der Vorjahre ab dem Jahr 2005 aufdas Zusammenführen bereits bestehender Daten konzentriert. Weiterhin wurden Daten über dieEnergieAgentur.NRW bereitgestellt. Die für die Aktualisierung erhobenen Daten umfassen dieJahre 2013 - 2015. Zwischen dem letzten Jahr der unterjährlichen CO2-Bilanzierung 2010 durchden EEA-Berater der Stadt Soest (infas enermetric) und der kreiseinheitlichen Erhebung für dasJahr 2012 konnte interpoliert werden. Der EEA-Berater erfasste bereits Daten seit 2005. Die Methodik der Datenerhebung wurde mit der ersten kreiseinheitlichen Erhebung des Jahres 2012 –speziell im Bereich der nicht-leitungsgebundenen Energieträger - nochmals verfeinert.Die nun vorliegende CO2-Bilanz für die Stadt Soest ist auf Basis der von Dritten (z.B. StadtwerkeSoest, Bezirksschornsteinfegermeister) zur Verfügung gestellten Daten erstellt worden. Für dieAuswertung sowie für die Erstellung dieses Berichtes wurde als Vorlage zum Teil der Musterbericht „Kommunale CO2-Bilanz in NRW“ der EnergieAgentur.NRW genutzt.Zusammenfassung der CO2-Bilanz derStadt SoestDie Eckdaten der Stadt SoestDas Stadtgebiet umfasst 8581,6 ha. Die Stadtmitte wird an der Marktstraße in der SoesterInnenstadt bei 8 6’ 24“ östliche Länge, 51 34’ 23“ nördliche Breite verortet. Die maximaleNord-Süd-Ausdehnung des Gemeindegebiets beträgt 11,5 km, die maximale Ost-WestAusdehnung 13 km. Der niedrigste Punkt der Stadt liegt mit 73 m ü. NN im „Hammer Land“zwischen der Schledde und der Bundesstraße 475 im Stadtteil Thöningsen; der höchste Punktbefindet sich mit 219 m ü. NN im Stadtteil Bergede; d.h. im Stadtgebiet gibt es einen Höhenunterschied von 146 m.Die Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH betreibt mit einem Betriebshof vor Ort mehrere Buslinien. Soest liegt im Tarifgebiet der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe.Die Anbindung an das Eisenbahnnetz erfolgt über die von ICE-, IC-, RE- und RB-Zügen befahrene Bahnstrecke Hamm–Warburg und die Bahnstrecke Dortmund–Soest. Soest wird vonfolgenden Nahverkehrslinien bedient: RE 1: Hamm–Lippstadt–Paderborn(NRW-Express) RB 59: Dortmund–Unna–Werl–Soest (Hellweg-Bahn, betrieben von der Eurobahn) RB 89: Münster–Hamm–Paderborn–Warburg (Ems-Börde-Bahn, betrieben von der Eurobahn).Wichtigster Verkehrsweg von und nach Soest ist die südlich an der Stadt vorbeiführende, dasRuhrgebiet im Westen und Kassel im Osten verbindende Autobahn 44 mit den Ausfahrten„Soest“ an der B 229 und „Soest-Ost“ zur B 475.Die wirtschaftliche Struktur ist traditionell geprägt durch Handel und Verwaltungen. Seit demEnde der 60er Jahre konnten jedoch durch eine verstärkte Gewerbepolitik auch bedeutende

Produktionsunternehmen angesiedelt werden. Insbesondere Elektrotechnik- und Aluminiumindustrie werden durch international bedeutende Unternehmen repräsentiert. Nichtsdestoweniger sind heute etwa zwei Drittel aller Beschäftigten im Dienstleistungssektor tätig. Hier spielen neben dem Einzelhandel auch Industrie- und EDV-Großhandel eine wichtige Rolle.Eine besondere Rolle in mehrfacher Sicht spielt inzwischen die Fachhochschule Südwestfalenmit ihren Fachbereichen Agrarwirtschaft, Elektrische Energietechnik und Maschinenbau.Der vorliegende Bericht gibt den Endenergieverbrauch in der Stadt Soest und die daraus resultierenden CO2-Emissionen wieder, die mit Hilfe von ECOSPEED Region ermittelt wurden.Die Bilanzierung erfolgt auf LCA Basis (Lebenszyklusanalyse); d. h. alle Energieträger bekommen entsprechende Emissionen inklusive der Vorketten zugewiesen.Der Energieverbrauch wurde für die Bereiche Private Haushalte Wirtschaft Verkehr Kommunale Verwaltungausgewertet.Die kommunalen Liegenschaften wurden einer gesonderten Betrachtung unterzogen.Eine Startbilanz wurde auf Grundlage der Einwohner- und Beschäftigtendaten von 2013 2015 erstellt. Darauf aufbauend wurde eine Endbilanz erstellt, die weitgehend auf lokal erhobenen Daten beruht.Zusammengefasst kommt die Bilanzierung zu folgenden Ergebnissen:1. Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen sind seit etwa 2012 leicht steigend.2. Die absoluten CO2-Emissionen für die Stadt Soest im Jahr 2015 betragen nach BISKO-Methodik 439.740 Tonnen. Damit ergibt sich im Vergleich zum Jahr 2005 einRückgang von 32.389 Tonnen bzw. rund 6,9 Prozent (siehe Abbildung). Dies ist vor allem durch die Anpassung der Bilanzierungsmethodik an den seit 2016 geltenden bundeseinheitlichen Standard nach BISKO zu erklären. Die lokale Stromproduktion sowieder lokale Stromvertriebsmix der Stadtwerke können demnach nicht mehr der lokalenCO2-Bilanz gutgeschrieben werden, sondern gehen anteilig in den CO2Emissionsfaktor (LCA) des Bundes ein, welcher nun in der Bilanzierung verwendetwerden musste.3. In der Endbilanz hat die Stadt Soest eine CO2-Emission von 9,17 t/EW im Jahr 2015.Damit liegt die Gesamtemission unter dem statistischen Durchschnittswert - mitECOSPEED Region abgeleitet aus bundesdeutschen Durchschnittswerten.4. Energieseitig weist die Stadt Soest folgende Rangfolge der Energieträger auf (ohneTreibstoffe): 1. Erdgas 2. Strom 3. Heizöl 4. Biogas. Den größten Energieverbrauch hatder Verkehrsbereich, gefolgt von den privaten Haushalten. Hierzu ist zu sagen, dassnach BISKO-Methodik nun auch der Durchgangsverkehr (insb. auch auf der A 44) derStadt Soest angerechnet wird.5. Die CO2-Emissionen in der Stadt Soest teilen sich wie folgt auf: 39,3% Verkehr, 32,6%private Haushalte, 27% Wirtschaft und 1,1% kommunale Liegenschaften mit Straßenbeleuchtung.6. Die Endenergieverbräuche in der Stadt Soest teilen sich wie folgt auf: 41,1% Verkehr,29,9% private Haushalte, 28% Wirtschaft und 1% kommunale Liegenschaften mitStraßenbeleuchtung.

Abbildung 1: Entwicklung der CO2-Emissionen in Soest von 2005 bis 2015Methodik und DatenerhebungZur Berechnung der aktualisierten Endbilanz der Jahre 2013 - 2015 mit ECOSPEED Regionwerden konkrete ortsbezogene Verbrauchsdaten eingegeben, mit deren Hilfe dann ein immergenaueres Abbild des lokalen Verbrauchs entsteht. Es sind folgende Daten in die Erstellungder Endbilanz für die Jahre 2013 - 2015 eingeflossen:DatenLeitungsgebundene Energieträger (Gas,Strom, Fernwärme)Zugelassene FahrzeugeDatenquelleStadtwerke Soest GmbHJahr2013, 2014, 2015KraftfahrtbundesamtKommunale Verwaltung(EnergieverbrauchGebäude und Infrastruktur Flotte)Nicht leitungsgebundeneEnergieträger (Öl,Holz usw.)Kommunale Betriebe Soest AöR2013, 2014, 2015über Zentraldatenerhebung2015Stromproduktion Lokal (Sonne, Wind, Wasser,Biomasse)Fernwärmeproduktion lokalBAFA, IT.NRW, Softwareauswertung überdie Bezirksschornsteinfegermeister im KreisSoest und Datenanalyse gemäß MethodikTWSDaten des Energieatlas Nordrhein-Westfalen2014 (letztmaligeVollerhebung)2007 - 2015Stadtwerke Soest GmbH2013, 2014, 2015Für die Aktualisierung der Bilanzierung der Jahre 2013 - 2015 liegen vollständige Daten vor.Hierauf aufbauend wurde die Endbilanz 2013 - 2015 für die Stadt Soest erstellt. Die vorliegende Endbilanz wurde auf Basis der LCA-Methodik* angefertigt. Für die Jahre 1990 bis 2005basiert die Bilanz in ECOSPEED Region auf rein statistischen Bundesdaten der sogenanntenStartbilanz (Erläuterung siehe Anhang). Die Bilanzierung der Jahre 2005 bis 2010 erfolgte aus

dem EEA-Prozess heraus. Zur Darstellung des Jahres 2011 wurde zwischen den Jahren 2010und 2012 interpoliert.Die Datenerhebungsmethodik der nicht-leitungsgebundenen Energieträger wurde im Rahmender Bilanzierung des Jahres 2012 größtmöglich verfeinert, woraus sich statistisch eine Verbrauchsreduktion gegenüber der Erhebung des Jahres 2010 ergibt. Deshalb sollte das Jahr2015 als Basisjahr für politische Klimaschutz-Zieldiskussionen genutzt werden. Um genaueTrends abzulesen, ist eine Fortschreibung der Bilanz unter Beibehaltung der Feindatenerhebung bei den nicht-leitungsgebundenen Energieträgern zu empfehlen.Seit dem Jahr 2016 ist die bundeseinheitliche Bilanzierungsmethodik „BISKO“ des ifeuInstituts in der Bilanzierung anzuwenden. Die wichtigsten Neuerungen sind:- die lokale Stromproduktion durch erneuerbare Energien nicht mehr direkt derEmissionsminderung in der Kommune selbst zugeordnet wird, sondern anteiligin den Bundesstrommix einfließt, welcher zur Vermeidung von Doppelbilanzierungen von fortan in allen Bilanzen verwendet werden soll,- im Bereich der Emissionen des Verkehrssektors wird fortan nicht mehr nachdem Verursacherprinzip, über die Hochrechnung von Emissionen vor Ort zugelassener Fahrzeuge nach Treibstoffmix und durchschnittlichen Fahrleistungenje Fahrzeug bilanziert, sondern nach dem Territorialprinzip. Hierbei werdenStraßenkategorien und Straßenlängen auf dem jeweiligen Stadt- oder Gemeindegebiet herangezogen und mit durchschnittlichen jährlichen Verkehrsdichtenje Fahrzeugkategorie zu einem jährlichen Treibstoffverbrauchswert bzw. CO2Emissionswert aufsummiert. Gleiches gilt für Bahnstrecken oder eventuell vorOrt vorhandene Flughäfen.Vor diesem Hintergrund haben sich die Emissionen der Stadt Soest im Vergleich zur letztmaligen Bilanzierung des Jahres 2012 im Verkehrssektor und bei den Emissionen des Stromverbrauchs deutlich zugenommen. Grund ist vornehmlich der Durchgangsverkehr auf der A 44.Die BISKO-Methodik wird zur Vergleichbarkeit der Jahre untereinander in den Zeitreihendarstellungen dieses Berichtes ab 2013 durchgängig angewendet. Vorher galt die Bilanzierungnach dem sog. Verursacherprinzip, welches im Wesentlichen im Verkehrssektor zu einemmethodischen Bruch führt, da bis 2012 die Emissionen der in Soest zugelassenen Fahrzeugenach Jahresfahrleistung der Stadt angerechnet wurden. Ab 2013 wird nach dem BISKOModell das Territorialprinzip nach in Soest vorhandenen Straßenkategorien und –längen verwendet.

EndenergieverbrauchDer Endenergieverbrauch in Soest liegt im Jahr 2015 bei rund 1.333.289 MWh (siehe Abb.2).Abb.2: Endenergieverbrauch der Stadt Soest 2005 bis 2015 in MWh (Quelle: ECOSPEEDRegion)Der Endenergieverbrauch basiert überwiegend auf den fossilen Energieträgern Strom, Erdgas, Heizöl sowie Benzin und Diesel. Insgesamt hat sich der Jahresendenergieverbrauch vonrund 1,35 Mio. MWh im Jahr 2005 auf rund 1, 33 Mio. MWh im Jahr 2015 verringert. Eine Reduktion wurde vor allem in den Bereichen des Verbrauchs von Erdgas sowie Heizöl erreicht.Der Stromverbrauch ist leicht gesunken. Der Treibstoffverbrauch dagegen hat sich erhöht. ImVergleich 2005 /2015 ergibt sich eine Reduktion des Erdgasverbrauchs um rund 14,6 Prozent,eine Erhöhung des Treibstoffverbrauchs um insgesamt rund 24,4 Prozent sowie eine Verringerung des Heizölverbrauchs um rund 44,5 Prozent (hier schlägt sich die Feindatenerhebunganhand der Schornsteinfegerdaten ab 2010 im Vergleich zu 2005 sowie im Verkehrssektor derBilanzierungsmethodenwechsel nach BISKO ab dem Jahr 2013 nieder).

Endenergieverbrauch nach SektorenDer Endenergieverbrauch in Sektoren teilt sich in folgende Kategorien auf:Wirtschaft (Industrie / Gewerbe, Handel Dienstleistungen), Haushalte, Verkehr, KommunaleVerwaltung (inkl. Straßenbeleuchtung) und Kommunale Flotte.Generell hat insbesondere in den Bereichen der kommunalen Gebäude und bei den Haushalten eine Reduktion des Energieverbrauchs stattgefunden. Die Bereiche Verkehr und Wirtschaft weisen hingegen im Vergleich zum Jahr 2012 einen größeren Anteil auf (siehe Abbildung 3). Die kommunalen Gebäude sowie die kommunale Flotte spielen in der Gesamtbilanzeine eher untergeordnete Rolle, haben allerdings aufgrund Ihrer Vorbildfunktion bei der Maßnahmenumsetzung einen hohen Stellenwert. Im Haushaltsbereich werden im Jahr 2015 aufdie Wohnfläche von 2.244.360 qm rund 151 kWh Wärmeenergie pro Quadratmeter verbraucht. Damit liegt die Stadt Soest im Haushaltsbereich im Bundesdurchschnitt.Abb.3: Anteile Energieverbrauch nach Sektoren 2012 und 2015, Quelle: ECOSPEED Region

Kommunale CO2-Bilanz (Endbilanz)Auf Basis der Endenergiebilanz ergibt sich folgendes Bild für die CO2-Bilanz für die Jahre2005 bis 2015.Abb.4: CO2-Bilanz für die Stadt Soest 2005-2015, Quelle: ECOSPEED RegionInsgesamt sind die CO2-Emissionen seit 2005 um rund 32.389 Tonnen reduziert worden. Dasentspricht einer absoluten Minderung im Zeitraum 2005-2015 von rund 6,9 Prozent.CO2-Emissionen pro EinwohnerEs konnte im Zeitraum 2005 – 2015 auf die Einwohner bezogen eine Reduktion um rund 5,8Prozent bzw. 0,56 Tonnen erreicht werden (siehe Abbildung 5).Abb.5: Entwicklung CO2-Emisionen pro Einwohner der Stadt Soest von 2005-2015, Quelle:ECOSPEED Region

Erläuterung: Interkommunaler Vergleich von CO2-EmissionenEin Vergleich von Kommunen hinsichtlich der CO2-Emissionen ist generell eher kritisch zusehen. Da viele Rahmenbedingungen übereinstimmen müssen, damit der Vergleich auchwirklich seriös ist. Ansonsten vergleicht man „Äpfel“ mit „Birnen“. Falls ein Benchmarking bzw.Vergleich notwendig ist, sollte vielmehr auf allgemeine Bundes- bzw. Landeszahlen zurückgegriffen werden. Die EnergieAgentur.NRW stellt beispielweise eine jährlich aktualisierte Infografik „CO2-Emissionen pro Kopf in NRW und Deutschland“ zur Verfügung. (siehe Abb. 6).Abb.6: CO2-Emissionen pro Kopf in NRW und Deutschland, Quelle: EnergieAgentur.NRW Ǧ ¡ ¡ Nachfolgend wird eine grafische Kurzanalyse der Sektoren Wirtschaft, Haushalte und Verkehrauf Basis der Energieträger Strom, Gas, Öl und Treibstoffe dargestellt. Die CO2-Emissionender kommunalen Gebäude sowie Flotte werden separat behandelt. Ǧ Für den Bereich Strom sind die bestimmenden Verbrauchsgruppen die Wirtschaft und dieHaushalte. Die CO2-Emissionen der Stromanwendung aus den anderen Sektoren sind demgegenüber nur gering.Im Bereich der Wirtschaft gibt es einen positiven Trend bezüglich der CO2-Emissionen beimStromverbrauch. So konnten die CO2-Emissionen beim Stromverbrauch der Wirtschaft seit2005 um 39,3 Prozent reduziert werden. Im Bereich der privaten Haushalte stiegen die Emissionen zwischen 2005 und 2015 um rund 6.270 Tonnen bzw. um 10,9 Prozent. Ursache istwahrscheinlich ein erhöhter Besatz der Haushalte mit elektronischen Gerätschaften.

Abb.7: Entwicklung CO2-Emissionen in der Stromanwendung, Quelle: ECOSPEED Region Ǧ Im Sektor Haushalte haben sich die CO2-Emissionen seit 2005 um rund 46.903 Tonnen bzw.um 24,7 Prozent verringert. Maßgebend dafür ist die Verbesserung beim Erdgas- und Heizölverbrauch.Abb.8: Entwicklung der CO2-Emissionen der Haushalte, Quelle: ECOSPEED Region Ǧ Die CO2-Emissionen aus dem Verkehr sind seit 2013 um rund 1,1 Prozent angestiegen. DerAnstieg fand sowohl bei den Nutzfahrzeugen als auch bei den privaten PKW statt. Ab demJahr 2013 wird nach der nun verpflichtend im Bundesgebiet zu verwendenden BISKOMethodik bilanziert. Die Vorjahre sind aufgrund des bilanzsystemischen Bruchs nicht mehr 1:1mit den Ergebnissen ab dem Jahr 2013 vergleichbar. Eine nachträgliche methodische Anpassung der Daten 2005 – 2012 ist mangels einer ausreichenden Datenbasis nach BISKO nichtmethodisch vertretbar. Dennoch ist der Trend steigender Emissionen im Verkehrsbereich ablesbar, welcher sich in dieser Dimension auch in der bundesweiten Bilanz wiederfindet. Nachdem Territorialprinzip werden der Stadt Soest ab 2013 keine Emissionen des Schiffs- undFlugverkehrs angerechnet, da sich weder ein Flughafen noch eine Schifffahrtsstraße imStadtgebiet befindet. Bis 2012 wurden diese Emissionen nach dem bis dahin angewendetenVerursacherprinzip noch anteilig der Einwohnerzahlen der Stadt Soest hinzugerechnet.

Abb.9: Entwicklung CO2-Emissionen Verkehr, Quelle: ECOSPEED Region Ǧ ¡ Die CO2-Emissionen der kommunalen Verwaltung aus den Bereichen Gebäude, Straßenbeleuchtung sowie der eigenen Fahrzeugflotte betragen im Jahr 2015 rund 4.272 Tonnen.Hauptenergieträger sind dabei Strom sowie Erdgas. Seit 2005 konnten die jährlichen Emissionen um rund 2.023 Tonnen reduziert werden. Dies entspricht einem Anteil von rund 32,1%.Neben Effizienzmaßnahmen bei den Gebäuden ist die Reduktion auf die Umstellung bei derStraßenbeleuchtung auf LED zurück zu führen.Abb.10: Entwicklung CO2-Emissionen der kommunalen Gebäude und Straßenbeleuchtung,Quelle: ECOSPEED Region Ǧ Die CO2-Emissionen der kommunalen Dienstfahrzeugflotte sind seit 2005 um rund 0,9% gesunken.

Abb.11: Entwicklung CO2-Emissionen der kommunalen Dienstwagenflotte,Quelle: ECOSPEED Region Ǧ In der Stadt Soest gibt es keine Unternehmen, die dem europäischen Emissionshandel (EUETS) unterliegen.Ein Emissionsschwerpunkt liegt im produzierenden Gewerbe. Hier sind die CO2-Emissionenseit 2013 um rund 3,5 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die CO2-Emissionen beiGewerbe, Handel und Dienstleistungen um rund 18,7 Prozent gesunken.Abb.12: Emissionen der Soester Wirtschaft 2005-2015 nach Sektoren, Quelle: ECOSPEEDRegion

Entwicklung Erneuerbare EnergieDer Stromertrag aus erneuerbaren Energien in der Stadt Soest konnte von 12,81 GWh imJahre 2005 um 132% auf 29,71 GWh im Jahre 2015 gesteigert werden. In 2015 konnten11,94 GWh über Solarstromanlagen (Photovoltaik) sowie 7,58 GWh über Windenergie erzeugtwerden. Aus Biomasse (im Wesentlichen Biogas) wurden 9,00 GWh Ertrag erzielt (siehe Tabelle 4 sowie Abbildung 13). Der Stromertrag aus Klärgas betrug 1,19 GWh. Rechnerischkönnten mit diesem Stromertrag in 2015 rund 7.400 Haushalte (4000 kWh/a) in der Stadt Soest versorgt werden, was einer CO2 – Vermeidung von rund 18.420 Tonnen* entspricht.Die zugrunde liegenden Daten wurden dem Energieatlas NRW entnommen. Die konkreteStromproduktionsmenge wird nach bundeseinheitlicher Bilanzierungssystematik BISKO inECORegion nicht mehr erhoben und fließt zur Vermeidung von Doppelbilanzierungen nurnoch anteilig in den Emissionsfaktor Strom National ein. ! ""# %& ' "( )*#)# ' # , - . /%&. 2:7562 237796;:7678964::6 82 68 48237 86337678964:776;72865:237486337678964:7768 28697Tabelle 4: Stromproduktion Erneuerbare Energie in GWh, Quelle: Energieatlas NRW* Emissionsfaktor Strom National 2015 620 g/kWh, Quelle: ECOSPEED RegionDer Ertrag aus Solarthermieanlagen konnte in Soest von 2005 – 2015 von 0,61 GWh um151% auf 1,53 GWh gesteigert werden. Im gleichen Zeitraum stieg der Ertrag aus Umweltwärme (im Wesentlichen Wärmepumpen) von 0,12 GWh um auf 8,20 GWh signifikant erhöhtwerden (68-fach). Die Nutzung von Holz zur Beheizung von Gebäuden liegt mit rund 15,6GWh pro Jahr auf einem stabilen ,866,531,3623,75201415,524,961,4521,93Tabelle 5: Wärmeproduktion Erneuerbare Energie in GWh, Quelle: ECOSPEEDRegion201515,588,201,5325,30

Abb. 13: Entwicklung Stromproduktion [GWh] aus erneuerbaren Energien 2005-2015, Quelle:Energieatlas NRWAbb. 14: Entwicklung Wärmeproduktion [GWh] aus erneuerbaren Energien 2005-2015,Quelle: ECOSPEED-Region

Anhang 1: Weitere Hintergrundinformationen zur CO2-BilanzierungWas ist eine CO2-BilanzDie kommunale CO2-Bilanz gibt an, wie viele Tonnen Kohlendioxidäquivalente in einer Kommune durchschnittlich insgesamt oder pro Einwohner innerhalb eines Jahres (t/E/a) durchEnergieverbrauch emittiert werden. In die kommunale CO2-Bilanz fließen konkrete Angabenwie z.B. der Energieverbrauch in den kommunalen Liegenschaften, der Strom- und Erdgasverbrauch der Einwohner und des Gewerbes oder die Kfz-Dichte innerhalb der Kommune ein.Aus der Addition dieser Daten ergibt sich die in der Kommune emittierte Gesamtmenge CO2pro Jahr. Der jeweilige kommunale Durchschnittswert je Einwohner ist abhängig von Faktorenwie z.B. der Baustruktur (Mehr- oder Einfamilienhäuser), der gewerblichen Struktur oder demAusbaugrad des ÖPNV. Größere Kommunen weisen in der Regel einen höheren Wert je Einwohner (ca. 9–13 t CO2) auf, als kleine Kommunen (ca. 6–9 t CO2). Dies erklärt sich vornehmlich aus der höheren gewerblichen Dichte und ihrer Funktion als Mittel- oder Oberzentren.Abb. 14: Durchschnittliche CO2-Emission je Einwohner in deutschen Kommunen Ǧ ǫ Energie- und CO2-Bilanzen erfassen den kommunalen Energieverbrauch und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen. Eine CO2-Bilanz basiert auf den kommunalen Energiebilanzen in den einzelnen Bereichen (Haushalte, Wirtschaft, Kommunale Verwaltung und Verkehr). Sie dient der Identifikation klimarelevanter Bereiche in der Kommune und damit als Ansatzpunkt zur Planung von Handlungsmaßnahmen für den Klimaschutz.

Ǧ ǫ Theoretisch kann eine CO2-Bilanz mit dem Taschenrechner und einer aufwändigen Datenerhebung erstellt werden. Um den Berechnungs- und Datenerhebungsaufwand zu vereinfachen,wurde die internetbasierte Software ECOSPEED Region von der Schweizer Firma Ecospeedentwickelt. ECOSPEED Region ist ein Tool, das in vielen Kommunen in Deutschland sowieEuropa bereits länger im Einsatz ist.Seit März 2011 stellt das Land Nordrhein-Westfalen den Kommunen die Smart Version desProgramms kostenfrei zur Verfügung. ECOSPEED Region ist datenbankgestützt und bietetdaher als einzige Version die Möglichkeit der kontinuierlichen Fortschreibung. Aus diesemGrund hat sich die Landesregierung NRW dazu entschieden, dieses Tool den nordrheinwestfälischen Kommunen kostenfrei zur Verfügung zu stellen.In einem ersten Schritt errechnet die Software auf Basis von Bundesdaten heruntergebrochenüber Einwohnerzahlen sowie über lokale Beschäftigte eine Startbilanz. Diese wird für alleKommunen aus Nordrhein –Westfalen von der Firma ECOspeed errechnet. Basis hierfür sindstatistische Daten von IT.NRW, der Arbeitsagentur und Energieverbrauchsdaten (Strom, Erdgas, Öl, Holz, Benzin, etc.) sowie Emissionsfaktoren aus anerkan

träger (Gas, Strom, Fernwärme) Stadtwerke Soest GmbH 2013, 2014, 2015 Zugelassene Fahrzeuge Kraftfahrtbundesamt 2013, 2014, 2015 über Zentralda-tenerhebung Kommunale Verwaltung (Energieverbrauch Gebäude und Infrastruktur Flotte) Kommunale Betriebe Soest AöR 2