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Arbeitsbericht 2019KISS aktstelleAltonaHarburgMitteWandsbekGaußstraße 21Neue Straße 27Kreuzweg 7Schloßstraße 1222765 Hamburg21073 Hamburg20099 Hamburg22041 HamburgTräger:DER PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband HAMBURG e.V.Wandsbeker Chaussee 8, 22089 Hamburg

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Jahresbericht 2019EINLEITUNG 5KISS HAMBURG IM ÜBERBLICKKISS HAMBURG - Ziele und Aufgaben 6Organisations- und Mitarbeiterstruktur 6Beratungsangebot KISS Hamburg 9Telefonische und persönliche Beratung 10Unterstützung und Gründung von Selbsthilfegruppen 14Öffentlichkeitsarbeit 15Themenübergreifende Veranstaltungen KISS Hamburg 2019 18Fortbildungen für Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen22Fortbildungen für Fachleute im Gesundheits- und Sozialwesen23Selbsthilfe als wichtiger Teil des Bürgerschaftlichen Engagements23Das Projekt „Neue Wege in der Selbsthilfe“ 24Das Projekt „Barrierefreie Arztpraxen in Hamburg“ 25Finanzielle Förderung von Selbsthilfegruppen und -organisationen25Patientenvertretung in den Gremien der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens in Hamburg29Kooperation und Netzwerkarbeit überregional 31Gesundheitsförderung und Selbsthilfeunterstützung für Menschen in schwierigen Lebenslagen31Hamburger Selbsthilfegruppen und -organisationen 2019 32KONTAKTSTELLE ALTONA 2019Allgemeine Situation 36Netzwerk- und Gremienarbeit 36Gruppenunterstützung und -gründungen 41KONTAKTSTELLE HARBURG 2019Allgemeine Situation 44Netzwerk- und Gremienarbeit44Gruppenunterstützung und -gründungen 48KONTAKTSTELLE MITTE 2019Allgemeine Situation 52Netzwerk- und Gremienarbeit52Gruppenunterstützung und -gründungen 59KONTAKTSTELLE WANDSBEK 2019Allgemeine Situation 66Netzwerk- und Gremienarbeit66Gruppenunterstützung und -gründungen 72VERANSTALTUNGEN KISS HAMBURG IM ÜBERBLICKVeranstaltungen für interessierte Bürger/innen 2019 82Veranstaltungen für Mitglieder von Selbsthilfegruppen 2019 86Veranstaltungen für Professionelle im Gesundheits- und sozialen Bereich 201888HAMBURGER SELBSTHILFEGRUPPEN UND -ORGANISATIONEN 2019 (DIFFERENZIERT NACHSELBSTHILFETHEMEN) 89–3–

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Jahresbericht 2019 EINLEITUNG2019 konnten wir in Hamburg das 40-jährige Jubiläum derinstitutionellen Förderung der Selbsthilfeunterstützungsstellen und der Selbsthilfegruppenarbeit feiern. Auch einBeleg dafür, dass die gruppenbezogene gesundheitlicheund soziale Selbsthilfe in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil im Gesundheits- und Sozialwesens wurde. Selbstverständlich nicht nur in Hamburgsondern bundesweit. Das Konzept der gegenseitigen Hilfedurch den Austausch mit Gleichbetroffenen, um das Lebenmit einer chronischen Erkrankung oder einer schwierigenLebenssituation besser zu bewältigen, hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Selbsthilfegruppen sind dassoziale Netzwerk, in dem zwischenmenschliche Begegnung ermöglicht wird, und Selbsthilfekontaktstellen sindhierbei wichtige Anlauf- und Unterstützungsstellen. Dievielfältigen Selbsthilfeaktivitäten stellen einen wichtigenTeil des bürgerschaftlichen Engagements dar und sind integrativer Bestandteil von Behandlungskonzepten im Gesundheitswesen. Gesellschaftliche Veränderungsprozesseund Trends haben direkte Auswirkungen auf die Selbsthilfe und die professionelle Selbsthilfeunterstützung, die sichmit den folgenden Herausforderungen beschäftigt: Die Erwartungen an die Selbsthilfe als „vierte Säule imGesundheitswesen“ steigen weiterhin stark. Interessenten und Vertretern von Institutionen des Gesundheitswesens ist dabei nicht immer bewusst, dass dieUnterstützung in Selbsthilfegruppen ehrenamtlichvon Betroffenen oder Angehörigen erbracht wird.Die zeitlichen und fachlichen Anforderungen durchdie geforderte Einbindung der Selbsthilfevertreter*innen in immer mehr Gremien der Selbstverwaltungdes Gesundheitswesens nehmen ständig zu.Neben den persönlichen Gruppentreffen gewinnenBegegnungsmöglichkeiten in virtuellen Räumen zunehmend an Bedeutung. Fragen des Datenschutzes,Anpassung der Förderrichtlinien, Medienkompetenzund Interessenwahrnehmung spielen bei der weiteren Entwicklung eine entscheidende Rolle.Trotz der gesellschaftlichen Anerkennung der Selbsthilfe gelingt es (noch) nicht, alle Bevölkerungsgruppenfür die Unterstützungsform Selbsthilfe zu begeistern.–5–Und es gelingt auch (noch) nicht, alle relevanten Akteure des Gesundheits- und Sozialwesens von denMöglichkeiten und der Bedeutung der Selbsthilfe zuüberzeugen.Um unsere Arbeit auf die o.g. Herausforderungen abzustimmen und unsere Angebote den Erfordernissen diedie Selbsthilfeaktiven und die Förderer an uns stellen, anzupassen, befand sich KISS Hamburg auch 2019 in einempermanenten Weiterentwicklungsprozess. Dies kann imvorliegenden Sachbericht auch anhand der Fachbeiträgeaus den regionalen Kontaktstellen Altona, Harburg, Mitte und Wandsbek inhaltlich nachvollzogen werden. Unsere statistischen und grafischen Darstellungen zeigendie Entwicklung der Selbsthilfezusammenschlüsse, dasNachfrageverhalten, unsere Veranstaltungsübersichtenund die Entwicklung der finanziellen Förderung über denSelbsthilfegruppen-Topf in Hamburg auf.Besonders beschäftigt hat uns im ersten Halbjahr 2019die Planung und Durchführung der 1. bundesweiten„Aktionswoche Selbsthilfe“. In diesem Rahmen habenwir auch „40 Jahre Selbsthilfeunterstützung in Hamburg“feierlich begehen können. Darüber hinaus hat KISS Hamburg gemeinsam mit Selbsthilfeaktiven ein buntes Wochenprogramm auf die Beine gestellt, das auch medialdurchaus beachtet wurde. Und das ist in einer Metropolewie Hamburg nicht selbstverständlich.Auch 2019 haben die Mitarbeiter*innen bewiesen, dasssie in der Lage sind, Herausforderungen anzunehmen,Veränderungsprozesse erfolgreich zu gestalten und ihreAufgaben als zentrale Vermittlungs- und Vernetzungsinstitution zur Anregung, Unterstützung und Weiterentwicklung von gruppenbezogenen Selbsthilfekonzeptenzu erfüllen.Wir danken der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, den gesetzlichen Krankenkassen sowie dengesetzlichen und privaten Pflegekassen für die finanzielleUnterstützung.Christa HerrmannLeiterin KISS HamburgHamburg, im April 2020

KISS HamburgKISS HAMBURG IM ÜBERBLICKORGANISATIONS- UND MITARBEITERSTRUKTURKISS HAMBURG - ZIELE UND AUFGABENIn Hamburg begann die professionelle Selbsthilfeunterstützung 1979 mit einem Forschungsprojekt am Institutfür Medizin-Soziologie des UniversitätskrankenhausesEppendorf (UKE), in dessen Verlauf eine der bundesweitersten Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen (KISS) in Altona entstand. 1984 wurde die Kontaktstelle Altona aus Hamburger Haushaltsmitteln finanziert. 1987 eröffnete die zweite Kontaktstelle in Barmbek,1992 die dritte in Wandsbek/Farmsen und 2003 die viertein Harburg. Im Zuge einer Konsolidierungsphase wurden in 2008 die Kontaktstellen Barmbek und Wandsbek/Farmsen zusammengelegt. In 2016 konnte erfreulicherweise wieder mit dem Aufbau einer vierten Kontaktstellebegonnen werden, sodass diese 2017 ihren Beratungsbetrieb aufgenommen hat.Seit dem Jahr 2004 ist „Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg e.V.“ Träger von KISS Hamburg.Die Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen in Hamburg (KISS Hamburg) sind die wichtigstenUnterstützungsstellen für alle Selbsthilfe-Aktivitäten inder Region Hamburg. Unser Ziel ist es, den Gedanken derSelbsthilfe zu fördern und zu verbreiten. Unsere Aufgaben und Ziele lassen sich wie folgt zusammenfassen: Beratung und Information von Einzelpersonen bei derSuche nach oder bei der Neugründung von Selbsthilfegruppen Unterstützung und Beratung von Selbsthilfegruppen beiinhaltlichen, organisatorischen und finanziellen Fragen Fortbildungsangebote für Selbsthilfegruppen Koordinierung und Vernetzung von Selbsthilfegruppen Herausgabe der Selbsthilfe-Zeitung als Kooperationsund Vernetzungsinstrument Bereitstellung einer Homepage als Informations- undVernetzungsinstrument Weiterentwicklung der Selbsthilfeangebote und derSelbsthilfeunterstützung im Bereich der sozialen Medien Multiplikatoren Arbeit und Fortbildung zum ThemaSelbsthilfe,Selbstorganisation, Partizipation Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitssystems (u.a. Krankenkassen, Krankenhäuser,Ärzte, Ärzteorganisationen und behördliche Institutionen) mit dem Ziel, dass diese die Förderung von Selbsthilfegruppen zum Bestandteil ihres professionellenHandelns machen Verwaltung des „Hamburger Selbsthilfegruppen-Topfes“ Kompetenzzentren zur Förderung und Weiterentwicklung der Selbsthilfeunterstützung in HamburgDie Kontaktstellen sind Anlaufstellen für alle SelbsthilfeInteressierten Bürgerinnen und Bürger in den Hamburger Stadtteilen. Die Hauptaufgabe der Selbsthilfeberater/innen ist die Beratung von an Selbsthilfe interessiertenMenschen, die Unterstützung der Arbeit neuer und bestehender Selbsthilfegruppen, die Förderung der Vernetzung innerhalb des Gesundheits- und Sozialwesens unddie Entwicklung neuer Handlungskonzepte.Sozialräumliche OrientierungWir arbeiten seit 2017 auch bei KISS Hamburg daran,unsere Arbeit sozialräumlicher und somit noch bedarfsgerechter zu steuern. Um diesen Prozess zu dokumentieren, haben wir unsere ohnehin umfangreiche statischeErhebung um Instrumente der WirkungsorientiertenQualitätsentwicklung (WQE) erweitert. SozialräumlicheAngebote zu entwickeln und nachhaltig zu gestalten, istfür eine Einrichtung mit vier Standorten in einer Metropolregion eine große Herausforderung.–6–

Jahresbericht 2019Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg e.V.Geschäftsführerin (Vorstand nach § 26 BGB)ÖffentlichkeitsarbeitFrank OmlandKatja GwosdzKISS HamburgLeitungChrista HerrmannClaudia SzottkaAssistenzPetra BauerStephanie WernickeKontaktstelle AltonaKontaktstelle MitteKontaktstelle HarburgKontaktstelle sthilfeberatungSelbsthilfeberatungLisa MaarzahlDebora PiaSilvana WaniekPetra DiekneiteKatja ProkschClaudia SchröderNora BaldamusSvenja J. SpeckinProjekt „Neue Wegein die Selbsthilfe“Anke HeßClaudia SchröderFranziska DiersKarina KalinowskiLaura SteffenKatja UrbainczykStand: Dez. 2019Die nachfolgend formulierten Ziele der sozialräumlichenund bedarfsgerechten Selbsthilfeunterstützung werdenvon uns kontinuierlich weiterverfolgt. Ebenso die Wirkungsmessung unserer Angebote. SelbsthilfeförderungVerbesserung der Zugangswege: Direkter Kontakt fürSelbsthilfegruppen zu „ihrer“ regionalen Kontaktstelle bei Unterstützungswünschen–7– Verbesserung der Kontaktaufnahme: Kürzere Wegefür Interessierte die eine neue Gruppe gründenmöchtenVerbesserung der Vernetzung: Direkter Kontakt zuden regionalen Beratungs- und Gesundheitseinrichtungen erhöhen die Vernetzungsmöglichkeiten mitprofessionellen Akteuren , Selbsthilfegruppen undGremien in den Regionen

KISS Hamburg Fachkompetenzen der Mitarbeiter/innen stärken:Selbsthilfeberater/innen sind für jedes Thema oderjede Erkrankung in den Regionen ansprechbarSchwerpunktsetzung: Je nach regionalen Bedarfenkann jede der vier Kontaktstellen fachlich eigeneSchwerpunkte z.B. junge Selbsthilfe, kultursensibleSelbsthilfe, Selbsthilfe für schwer erreichbare Zielgruppen etc. setzenSozialräume unterstützen: Die Selbsthilfeförderungkann sich aufgrund der regionalen Vernetzung derMitarbeitenden stärker in einzelnen SozialräumeneinbringenSozialräume stärken: Thematische Schwerpunktsetzung der regionalen Kontaktstellen kann sich wirksamer an den Bedarfen der Regionen ausrichten –8–Selbsthilfe fördern: Intensivierung der Multiplikatoren Arbeit vor Ort z.B. in Gesundheitskonferenzen,PSAGn oder Gremien.Tatsächlich stellt die Digitalisierung auch im Bereichder Selbsthilfe zukünftig eine neue Herausforderungfür unser sozialräumliches Konzept dar. Die Sozialräume werden in der virtuellen Realität anders definiert werden als in der gewohnten „räumlichen“ Realität. Und Bedarfe werden sich daraufhin verändern,sodass sich auch unsere Angebote darauf ausrichtenmüssen.

Jahresbericht 2019BERATUNGSANGEBOT KISS HAMBURGDer Umfang unseres telefonischen, persönlichen undschriftlichen Beratungsangebotes ist im Berichtszeitraumgleich geblieben.KISS Hamburg Selbsthilfe-TelefonTel. 39 57 67Montag bis Donnerstag von 10 - 18 UhrKISS im .facebook.com/selbsthilfe.hamburg.KISSPersönliche und telefonische Sprechzeiten in denregionalen Kontaktstellen:KISS Hamburg GeschäftsstelleKreuzweg 7, 20099 [email protected] „Neue Wege in der Selbsthilfe“Laufzeit: Oktober 2016 - September 2019Ziel: Erkundung bestehender und neuer Räume und Begegnungsmöglichkeiten der Selbsthilfe in HamburgProjektverantwortliche: Anke Hess, Claudia ger der Kontaktstellen:Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg e.V.Wandsbeker Chaussee 8, 22089 [email protected] / www.paritaet-hamburg.deKontaktstelle AltonaGaußstraße 21, 22765 HamburgTel. 492 92 201Sprechzeiten: Mo. und Di. 14-18 Uhr, Mi. 10-14 [email protected] HarburgNeue Straße 27, 21073 HamburgTel. 300 87 322Sprechzeiten: Di. 10-14 Uhr und Do. 14-18 [email protected] MitteKreuzweg 7, 20099 HamburgTel. 537 978 979Sprechzeiten: Mo. 10-14 Uhr und Do. 14-18 [email protected] WandsbekSchloßstraße 12, 22041 HamburgTel. 399 26 350Sprechzeiten: Mo. und Do. 10-14 Uhr, Mi. 14-18 [email protected] Selbsthilfegruppen-Topf-BüroTel. 537 978 972Sprechzeiten: Montag 10-13 Uhr und Mittwoch 14-17 ngstermine außerhalb der o.g. Sprechzeiten können zusätzlich vereinbart werden.–9–Tel. 537 978 970

KISS HamburgTELEFONISCHE UND PERSÖNLICHE BERATUNGIn 2019 stiegen die Anfragen an KISS Hamburg deutlichan. Uns erreichten insgesamt 10.779 telefonische, schriftliche und persönliche Anfragen. Wir differenzieren beiden Anfragen nach Interessenten für Selbsthilfegruppen,Da uns die meisten telefonischen Anfragen über das zentrale Selbsthilfe-Telefon erreichen und dieses aus denKontaktstellen heraus bedient wird, hat die regionaleAuswertung der Anfragen auf die einzelnen Kontaktstellen nur einen begrenzten qualitativen oder quantitativenAussagewert.Anfragen KISS Hamburg 2019*Gruppenunterstützung ohne Gründungsberatungen, da letztere einzeln ausgewiesen sind.Unterstützungsanfragen von neuen oder bestehendenGruppen und Kontakten zu professionellen Akteureni.d.R. aus dem Gesundheits- und Sozialwesen.Wir erfassen das Anliegen der Ratsuchenden, die Dauer des Gesprächs und das Ergebnis der Beratung. DerWunsch nach Vermittlung einer Selbsthilfegruppe standauch in der Beratung2019 mit 55,1 % imVordergrund. Als Ergebnis führten 67,1% dieser Gesprächezur Vermittlung einerSelbsthilfegruppe und12,7 % der Gespräche zum Verweis aufeine Einrichtung. Dieszeigt erneut, dass KISSHamburg auch vonMenschen kontaktiertwird, für die das Engagement in einer Selbsthilfegruppe nicht oder– 10 –

Jahresbericht 2019Anfragen und Vermittlungen KISS Hamburg (Vermittlung, Gruppenunterstützung, SHG-Topf) 2007–20191. Ziffer: Gesamtanfragen;2. Ziffer: davon waren Anfragen an SHG-Topf3. Ziffer: davon waren Gruppenunterstützungen, -gründungsberatungen und ProfikontakteAngaben ohne Zentrale und SHG-Topf– 11 –

KISS Hamburgnoch nicht der richtige Weg ist. Unsere fachliche Beratungdient somit vielen Bürger*innen auch als umfassendesOrientierungsinstrument auf dem Weg zu einem passenden Hilfsangebot.Wir dokumentieren ebenfalls, zu welchen Themen dieMenschen Rat bei KISS Hamburg suchen. Die Nachfragenach Selbsthilfegruppen im Bereich der psychischen Störungen ist mit 33,4 % nach wie vor der Themenbereich,der in der Vermittlung am häufigsten nachgefragt wurde.In diesem Themenspektrum nehmen wir weiterhin dieerhöhte Nachfrage jüngerer Betroffener wahr. PsychosoAnfragen nach Selbsthilfegruppen/Themenbereichen 2019ziale Themen (u.a. allgemeine Gesprächsgruppen, Trauer,Geselligkeit, Freizeit) standen mit 13,1 % an zweiter Stelle,gefolgt von den Suchterkrankungen mit 12,2 %. AndereThemen folgen mit weiterem Abstand.Die Tabelle auf der nächsten Seite zeigt die Selbsthilfethemen mit den meisten Anfragen über einen längerenZeitraum. Nach wie vor suchen die meisten MenschenUnterstützung bei psychischen Störungen, allen voranDepressionen (Ängste und Phobien, psychiatrische Erkrankungen).Über die Jahre sind Anfragen an KISS Hamburg im Bereichder psychischen Erkrankungen kontinuierlich angestiegen sodass gleichzeitig die Unterstützung vonSelbsthilfegruppen und Kooperationen mit professionellen Akteuren proportional dazu intensiviert wurde (siehe: Fachberichte der Kontaktstellen).Dies entspricht weiterhin der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung und ist auch gesundheitspolitisch bedeutend. Der Anstieg der Unterstützungsanliegen an KISS Hamburg in diesemBereich unterstreicht ebenfalls den heutigenStellenwert der Selbsthilfe, die durch eine Vernetzung mit den professionellen Akteuren imGesundheitswesen eine gute Versorgungskettezur Bewältigung psychischer Erkrankungen ermöglichen kann. Beispielhaft ist hier die Zusammenarbeit Betroffener, Angehöriger und Professioneller in Trialogischen Fachforen zu nennen,die sich in den vergangenen Jahren etabliert hat.Auch 2019 gehörten allgemeine Gesprächsgruppen zu einem häufig nachgefragten Bereich. Indiesem Bereich ist die starke Nachfrage ein Indiz für die Bedeutung der Selbsthilfegruppe alsMöglichkeit der sozialen Teilhabe um sich freiwillig zu engagieren, Lebensprobleme zu bearbeiten und Kontakte zu knüpfen. In allgemeinenGesprächsgruppen finden häufig Menschen zusammen, deren Focus nicht auf der Bewältigungeiner vorliegenden Erkrankung liegt, sondernauf dem Umgang mit unterschiedlichen Lebenssituationen oder Lebensthemen. Das Menschendurch den Austausch mit Gleichgesinnten in einer problemorientierten Gesprächsgruppe einer möglichen Erkrankung vorbeugen können, ist naheliegend. In– 12 –

Jahresbericht 2019Selbsthilfethemen mit den meisten Anfragen, 2009 - 2019 Sortierung nach dem Mittelwert von 2009 bis 2019diesem Zusammenhang gewinnt der präventive Charakter einer Selbsthilfegruppe in an Bedeutung.Anhand unserer Statistik wird außerdem deutlich, dassdie Nachfrage zur Vermittlung in Suchtselbsthilfegruppen (Alkohol) bei KISS in der allgemeinen Beratung nichtso stark nachgefragt wird. Das erscheint aufgrund dergesellschaftlichen Relevanz des Themas und der vielenSelbsthilfegruppen in diesem Bereich zunächst ungewöhnlich. Bei näherem Betrachten wird deutlich, dassBetroffene und Angehörige das gut ausgebaute und vernetzte Suchthilfesystem direkt über die Einrichtungendes Gesundheitswesens erreichen und sich nicht vorrangig an KISS Hamburg wenden.Im Berichtsjahr sind die Anfragen im Bereich der Krebserkrankungen wieder angestiegen. Das liegt u.a. an einerIntensivierung der Zusammenarbeit von KISS Hamburg– 13 –mit bestehenden Selbsthilfegruppen, Beratungsstellenund Kliniken.Bei den schwierigen Lebenslagen sind die Anfragen zurTrauerbewältigung sowie zur Bewältigung von Trennungen weiterhin am häufigsten.Die Selbsthilfe ist weiblich geprägt. Das hat sich in denvergangenen Jahren trotz vielfältiger Aktivitäten, die sichexplizit an alle Geschlechter wenden, nicht signifikantverändert. Wie in den Vorjahren haben sich im Jahr 2019wieder weit mehr Frauen (70%) als Männer (28,7%) als Interessentinnen und Gründerinnen neuer Selbsthilfegruppen an die Kontaktstellen gewandt.Insgesamt ist festzustellen, dass die Selbsthilfe als wichtige Ergänzung zu professionellen Therapieangeboten von

KISS Hamburgvielen Bürger*innen in Hamburg selbstverständlich genutzt wird. Professionelle Akteure nutzen die Kompetenzen der Kontaktstellen und der Selbsthilfeaktiven weitausselbstverständlicher als noch vor einigen Jahren, um IhrePatient*innen bzw. Klient*innen direkt an uns zu vermitteln oder sich über unsere Angebote und die Selbsthilfegruppenarbeit zu informieren.UNTERSTÜTZUNG UND GRÜNDUNG VONSELBSTHILFEGRUPPENUnterstützung von SelbsthilfegruppenNeben der Beratung und Vermittlung von an Selbsthilfeinteressierten Menschen bilden die Unterstützung der Arbeit von bereits bestehenden Selbsthilfegruppen und dieGründung neuer Gruppen einen AufgabenschwerpunktGruppenunterstützungen durch die Kontaktstellen im Jahr 2019von KISS Hamburg.Im Berichtsjahr wurden insgesamt 3.233Unterstützungsanfragen von Selbsthilfegruppen an KISS Hamburg gerichtet. NebenK u r z i n fo r m a t i o n e nwaren Fragen zu Gruppenräumen, finanziel-Gruppengründungen durch KISS Hamburg im Jahr 2019– 14 –

Jahresbericht 2019len Fördermöglichkeiten, Beratung für die Gruppenarbeitund zur Öffentlichkeitsarbeit die wichtigsten Themen.Mitarbeiter*innen nicht jeder Gründungsversuch erfolgreich ist bzw. eine beständige Selbsthilfegruppe entsteht.Gründung von SelbsthilfegruppenÖFFENTLICHKEITSARBEITDie Unterstützung von Menschen, die nach der erstenKontaktaufnahme zu uns aus eigener Initiative eine Selbsthilfegruppe gründen möchten, besteht in einem ausführlichen persönlichen Gespräch. In diesem Gründungsgespräch klären die Mitarbeiter*innen das Thema und dieMotivation der Interessierten. Die Mitarbeiter*innen informieren ausführlich über die Unterstützung durch KISSund die Grundlagen der Selbsthilfegruppenarbeit auf.Darüber hinaus werden die nächsten Schritte auf demWeg zur ersten Gruppensitzung besprochen.Der Zeitraum bis zum ersten Treffen einer neuen Gruppe liegt erfahrungsgemäß zwischen drei und sechs Monaten, bei seltenen Erkrankungen oder Themen kann esaber durchaus wesentlich länger dauern. Ein wichtigesElement bei der Gründungsunterstützung ist zunächstÖffentlichkeitsarbeit, um das Anliegen bei anderen Betroffenen bekannt und für diese zugänglich zu machen.Im weiteren Verlauf der Gründungsunterstützung klärendie Mitarbeiter*innen die Raumfrage, mögliche finanzielle Unterstützung und stehen bei Bedarf für die Begleitung der ersten Treffen zur Verfügung.Eine weitere Möglichkeit der Gruppengründung bestehtin der Initiierung neuer Gruppen durch die Kontaktstellen. Wenn es Bedarf für eine Gruppe zu einem Themagibt, aber keine bestehenden Gruppen oder keine/nGruppengründer*in, ergreifen die Mitarbeiter*innen dieInitiative zur Gründung. Es erfolgt eine verstärkte Presseund Öffentlichkeitsarbeit und die Interessierten werdendann zu einem ersten Treffen eingeladen und bis zur Entstehung einer stabilen Gruppensituation fachlich unterstützt.Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 138 Gruppengründungen unterstützt, davon sind 47 Gruppen neuentstanden. Weitere 72 Gruppengründungen werdenüber den Berichtszeitraum hinaus begleitet und 20Gründungsversuche wurden vorzeitig beendet. Dreientstandene Gruppen haben sich bereits im Berichtsjahr wieder aufgelöst. Dies macht deutlich, dass trotzder umfangreichen Unterstützungsangebote durch die– 15 –Um das gruppenbezogene Selbsthilfeprinzip insgesamtnoch bekannter zu machen und die Etablierung diesesAngebotes durchzusetzen, treten wir auf unterschiedlichen Kanälen für die Verbreitung des Selbsthilfegedanken ein.KISS onlineNeben allgemeinen Informationen zur Selbsthilfe gibt eskonkrete Serviceangebote für Interessenten und Selbsthilfegruppen. Selbsthilfegruppen, die dies wünschen,werden in der Online-Datenbank auf der Homepage veröffentlicht. Für diese Datenbank können wir auch 2019insgesamt fast 100.000 Suchanfragen verzeichnen. Aufgrund eines Updates unseres Analyse-Tools gingen dieDaten für Januar und Februar leider verloren und müssendaher überschlägig berücksichtigt werden.Zusätzlich zur Online-Datenbank, in der bereits bestehende Gruppen aufgeführt werden, gibt es auf der Homepage den Bereich „SHG gesucht?“, in dem sich neue Gruppen, die sich in der Gründungsphase befinden, vorstellenund in dem bestehende Gruppen neue Mitglieder suchenkönnen. Hier haben wir in zehn Monaten ca. 47000 Seitenansichten registriert. Die Menschen kommen alsovorrangig auf unsere Website, um Selbsthilfegruppen zufinden. Insgesamt können wir überschlägig im Jahr 2019auf unserer Webseite ca. 57.600 Besucher mit ca. 300.000Aktionen verzeichnen.Natürlich finden sich auch alle wichtigen Informationenzu Terminen und Veranstaltungen der Kontaktstellen aufunserer Homepage. Neben diesen Angeboten sind dieInformationen für Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen zur finanziellen Förderung wieder auf einebesonders positive Resonanz gestoßen. Sowohl die Antragsformulare, seit 2014 auch in leichter Sprache, für dieFörderung aus dem Selbsthilfegruppen-Topf als auch fürdie kassenartenübergreifende Förderung für Organisatio-

KISS Hamburgnen der gesundheitlichen Selbsthilfe in Hamburg könnenvon unserer Homepage heruntergeladen werden.Trotz unseres breiten Serviceangebots im Internet sinddie telefonischen Anfragen bei KISS weiterhin sehr zahlreich. Wir schließen daraus, dass viele Interessenten dasInternet bzw. unsere Homepage als erste, völlig anonymeMöglichkeit der Information nutzen. Für eine konkreteVermittlung in eine Selbsthilfegruppe wird dann aberhäufig doch das Gespräch am Telefon oder in der persönlichen Beratung gesucht. Aus Datenschutzgründenkönnen wir auch oft nicht alle nötigen Informationen undKontaktdaten zu den Gruppen veröffentlichen. Die telefonische Beratung zur Selbsthilfe ist daher bei KISS trotzvielfältiger Informationen im Internet weiterhin von großer Bedeutung.Unser facebook-Auftritt unter www.facebook.com/selbsthilfe.hamburg.KISS erfreut sich weiterhin steigender Beliebtheit. Eine wachsende Anzahl von (zum Jahresende)600 Menschen und Institutionen, die an Selbsthilfe interessiert sind, verfolgt unsere Postings, die sich um Neuigkeiten aus unseren Kontaktstellen, Interessantes aus derSelbsthilfe oder Mitgliedergesuche von Gruppen drehen.Gut zwei Drittel unserer Fans sind Frauen, fast ein DrittelMänner. 48 % sind unter 45 Jahren. Erwartungsgemäßsteigt die Zahl unserer Fans langsam aber stetig, da es fürviele sicherlich nicht einfach ist, sich öffentlich zu KISS zubekennen, weil Selbsthilfe von Außenstehenden vielfachmit Krankheit oder Hilfebedarf verbunden wird. EchteKommunikation findet daher weniger im öffentlichen Bereich der Seite statt als vielmehr über sogenannte privateNachrichten.– 16 –

Jahresbericht 2019Unsere Fans auf Facebook (Stand Ende 2019)Öffentlichkeitsarbeit rund um die Aktionswoche SelbsthilfeVom 20. bis 26. Mai fand auf Initiative des PARITÄTISCHENGesamtverbandes die erste bundeweite AktionswocheSelbsthilfe statt. In Hamburg hatten natürlich wir die Federführung. Wir erstellten ein buntes Programm mit über20 öffentlichen Veranstaltungen. Dafür haben wir auf vielfältige Weise geworben: mit einem handlichen und bunten Programmheft mit Postkarten zu einzelnen Veranstaltungen, die inKneipen und Restaurants verteilt wurden mit Plakat-Werbung im öffentlichen Raum mit redaktionelle Anzeigen in allen Wochenblättern mit Pressemitteilungen in Newslettern auf unserer Website auf facebook (als bezahlte Werbung und als eigenePostings) Zusammenarbeit mit fünf jungen Influencern auf instagram– 17 –Mit Unterstützung unseres Schirmherrn, NDR-ModeratorYared Dibaba, ist es uns gelungen, gemeinsam mit einemMitglied einer Migräne-Selbsthilfegruppe in der NDRFernsehsendung „Mein Nachmittag“ als Gast zu sein undüber die Aktionswoche zu berichten. Über unsere InfoMeile „Selbsthilfe entdecken“ berichteten das NDR-Hamburg Journal und RTL Nord.Gesundheit Gemeinsam Gestalten – der neueKISS NewsletterIm Jahr 2019 erschienen vier neue Ausgaben des Newsletters, der sich vornehmlich an die Professionellen bzw.die in den Verbänden aktiven Selbstbetroffenen richtet.Das Themenspektrum reichte von Hinweisen zu Neuerungen im Gesundheitswesen (Arztruf Hamburg, GesundheitsApps, Gesundheitskompetenz) über Erläuterungen zu neuen Studien (Pflege, Armut, Sucht) bis hinzu Darstellungen von selbsthilfe-nahen Vereinen und deren Aktivitäten (EX-IN, HandsUp) sowie klassischen Newsaus Gesundheit, Soziales und Selbsthilfe. Weiterhin amerfolgreichsten war der schon 2018 erschienene Artikelzum Thema Einsamkeit, der auch 2019 am häufigsten aufder Website angeklickt wurde. Von den in 2019 erschienenen Beiträgen waren es diejenigen zur AktionswocheSelbsthilfe, gefolgt von der Darstellung zur „Ergänzendenunabhängigen Teilhabeberatung“, der Web-App zur barrierefreien Arztsuche und zur Frage, ob die Teilnehmendenvon Selbsthilfegruppen sinnvollerweise mindestens 18Jahre alt sein sollten.Den Newsletter haben Ende 2019 insgesamt 284 Menschen abonniert, davon ein Drittel aus Beratungsstellen

KISS Hamburgund professionellen Zusammenhängen, ein Drittel interessierte Bürger*innen (die wir aufgrund der Anonymitätbei der Anmeldung auf unserer Website zuordnen können) und ein Zehntel Aktive und Vorstände aus Selbsthilfeorganisationen.Die Selbsthilfezeitung (SHZ)Die vier Ausgaben in 2019 umfassten wieder 108 Seiten,in denen sich 74 Gruppen in der Börse vorstellten, weitere31 Verbände und Gruppen größere Selbstdarstellungenschrieben und KISS Hamburg u.a. den großen Schwerpunkt zur Aktionswoche Selbsthilfe beitrug.Die mit der Ausgabe 148 begonnene Bildergeschichte aufden: so drehten wir in der Ausgabe 151 einen Film, derin der Nr. 152 gezeigt wurde („Du auch hier?“). Beim Festzum Jubiläum schnappte sich ein Alien eine SHZ (152)und traf sich dann in der Folgenummer mit anderen Aliens zum Austausch (153) und in der letzten Ausgabe desJahres verschwand die „Self Help Box“ in Raum und Zeit(154). Die Nerds haben sich sicherlich darüber gefreut.40 Jahre. Eine ungewöhnliche Festschrift1979 begann in Hamburg die professionelle Selbsthilfeunterstützung mit dem Forschungsprojekt des UKE zumThema „Laienpotential, Gesundheitsselbsthilfe und Patientenorientierung“. Wir nahmen dies zum Anlass eineetwas andere Festschrift zu publizieren. Ziel war es nichtlangweilig mit den üblichen Vorworten und Statements

DER PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband HAMBURG e.V. Wandsbeker Chaussee 8, 22089 Hamburg KISS Hamburg Kontaktstelle Altona Gaußstraße 21 22765 Hamburg Kontaktstelle Harburg Neue Straße 27 21073 Hamburg Kontaktstelle Mitte Kreuzweg 7 20099 Hamburg Kontaktstell