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Hrsg. Ullrich JunkerKirche und Schloß Langenau bei Lähn.Von Klose

Im März 2014Ullrich JunkerMörikestr. 16D 88285 Bodnegg2Langenau Schloß.docx

Kirche und Schloß Langenau bei Lähn.Von KloseWenn man auf der Straße von Hirschberg nach Lähn wandert, wird man baldnach dem Austritt aus dem auf der Höhe hinter Grunau befindlichen Walde durcheinen Blick auf die Vorberge und die dazwischen liegenden Thäler von ausnehmender Lieblichkeit überrascht. Rechter Hand erblickt man nahe den GrunauerSpitzberg in seiner pittoresken Form, dahinter das Thal von Flachenseiffen, nachvorwärts die Thäler von Langenau und Johnsdorf mit den sie einschließendenBergen, nach links die Wünschendorfer und Hußdorfer Höhen und nordwestlichdiese überragend und die Rundschau abschließend, die Burgruine Lehnhaus.Die Abwechselung von Feld und Wald, die Dächer der Häuser, welche in denThälern aus den Laubkronen der Bäume hervorschimmern, geben dem Bilde einen eigentümlichen, anheimelnden Reiz. Unwillkürlich haftet der Blick bei derUmschau auf dem Turme der katholischen Kirche von Langenau, der sich im Vordergrunde von der Umgebung abhebt.Wer kein besonderes Ziel verfolgt, der mag seinen Weg nach Lähn nicht querdurch Langenau fortsetzen, sondern den kleinen Umweg nicht scheuen und einwenig thalaufwärts gehen, um diese Kirche und den ohnweit liegenden Rest desalten Schlosses zu Langenau in Augenschein zu nehmen. Beide bieten dem Archäologen wie dem Kunstfreunde genug des Jnteressanten.3Langenau Schloß.docx

Die Kirche gehört in ihrem ältesten Teile, dem Chor, dem 13., die übrigenTeile dem 15. und 16. Jahrhundert an. Der Chor ist, wenngleich er aus dem Achteck geschlossen ist und die Fenster im Spitzbogen gehalten sind, noch romanisch,denn die mächtigen runden Rippen der Kreuzgewölbe ruhen auf schlanken Säulen, deren Kapitäle mit einfachem Blattwerk verziert sind. Dieselbe Ornamentierung zeigen auch die runden Gewölbeschlußsteine. Derselben Zeit möchte auchdas Nordportal zuzuweisen sein, das von 4 abwechselnd rund und birnförmig gestalteten Säulen eingefaßt ist. Bemerkenswert ist das eine Fenster, weil seinSchluß die Form des Hufeisenbogens hat.Die Brüstung der beiden vorhandenen Emporen ist durch eine sogenannte Bilderbibel geziert. Die in Wasserfarben ausgeführte Malerei bringt an der Emporedes Langhauses Momente aus der Lebensgeschichte Christi, an der des Altarhauses solche aus dem alten Testament zur Anschauung.Auch der steinerne Taufstein aus dem 16. Jahrhundert ist nicht uninteressant.Die Voluten, welche die Verbindung des Kessels mit dem Fuße vermitteln undzwischen denen der Kessel zu ruhen scheint, sind mit Männerköpfen gekrönt, diemit federartigem Kopfputz versehen sind, wodurch dem Stein ein eigentümlichesGepräge aufgedrückt wird. An dem 6seitigen oberen Teile des Steines sind dieWappen Derer v. Reibnitz, v. Stosch, v. Hohberg und v. Lest, sowie zwei nichtmehr lesbare Jnschriften angebracht.Jn dem vorhandenen Standaltar birgt die Kirche einen wahren Schatz. Er istein Meisterstück der Hochrenaissanee. Der Aufbau zeigt schöne Verhältnisse DieAusstattung ist, wenn auch nicht frei von Überladung, doch von höchst malerischer Wirkung; die Verzierungen sind stilvoll. Jn den einzelnen Abteilungen sindMomente aus dem Leben und Leiden Christi, Apostel, Kirchenväter etc. dargestellt. Man zählt nahe an hundert in Holz geschnitzte und bemalte Figuren. DieserAltar ist Ende des 16. Jahrhunderts von der Familie v. Lest gestiftet, denn an derPredella sind schon Todesnachrichten aus dem Jahre 1600 angebracht und auf derRückseite sind mit der Bezeichnung der Jahreszahl 1604 zwei Brüder v. Lest alsKommunizierende genannt. Auch haben sich zwei Maler M. G. mit der Zahl 1605und Adamus P. mit der Zahl 1615 auf der Rückseite des Altars verewigt.Von dem alten Schlosse, das wegen Baufälligkeit eingerissen werden mußteund an dessen Stelle unter teilweiser Benutzung des vorhandenen Mauerwerks einneuer Bau getreten ist, existiert nur noch die nach der Dorfstraße zu gelegene sogenannte Kapelle. Man tritt in dieselbe vom Hofe aus durch eine Thür mit geradem Sturz ein, deren Gerähme nur auf der äußeren Seite sehr einfach durch Rundstab und Hohlkehle profiliert ist. Auf der Jnnenseite ist das Gerähme glatt. AnStelle der Profilierung tritt Malerei ein. Die Verzierungen sind auf dunkeln Grundin graugrüner Farbe gemalt und bestehen aus Vasen, denen nach oben Blattornamente entsteigen, die in das für die Zeit charakteristische Delphinenornamentübergehen. Zwei mit den Köpfen gegen einander gerichtete Delphine füllen denRaum des Thürsturzes.Das Gemach ist ein viereckiger Raum, der mit zwei Kreuzgewölben ohne Rippen bedeckt ist. Der Thür gegenüber befindet sich ein glattes viereckiges Fenster4Langenau Schloß.docx

ohne Pfosten mit sehr geringer Neigung der Sohlbank. Der ganze Raum ist vollständig mit Malereien in Temperamanier bedeckt. Die Gewölbe zeigen in denKappen auf weißem Grunde bunte Verzierungen in Form von Rosetten, an denBogen Rankenwerk, welches durch Putti gehalten wird. Vom Fußboden bis zurHöhe von circa 1 Meter ziehen sich rings um die Wände dunkelrote, nicht mehrgenau zu erkennende lineare Ornamente auf etwas hellerem Grunde hin; darüberfolgt ein weißer, etwa 2 Dezimeter breiter Streifen, über dem ein ebenso hoherhellblauer Streifen angebracht ist. Auf diesem blauen Streifen sitzen die verschiedensten farbigen Figuren auf, die in bunter Reihe Vasen, Schalen, Trinkgefäße, Früchte, Kornblumen, Singvögel, einen Storch, ein Eichhorn, einen Narrenund einen Mann, der in ein Horn bläst, darstellen. Die beiden männlichen Figurensind nur bis unterhalb der Brust gezeichnet. Es wird dadurch, sowie durch dieFarbe des blauen Streifens der Eindruck hervorgebracht, als ob dieselben im Wasser säßen. Jn der Fensternische bestehen die Malereien aus Weinlaub und Kornblumen.Uber der Eingangsthür ist das Schweißtuch der Veronika und weiter hin ander Rückwand des Gemaches, etwas höher als dieses Bild, Christus am Kreuz mitMaria und Johannes zur Darstellung gebracht. Jn den vier Bogennischen sind dieWappen Derer v. L i e b e n t h a l , v . S t o s c h , v . Z e d l i t z , v . H a u g w i t z ,v. Reibnitz, v. Schaffgotsch, v. Reder, v. Kittlitz, v. Hohb e r g , v . L e s t , v . S p i l l e r und v . D e b s c h ü t z , zu je drei geordnet, gemalt.Über den Wappen ist in jeder Nische die Jahreszahl 1562 eingeschrieben. Mancheder Wappen sind durch Feuchtigkeit fast unkenntlich geworden. Wenn die Malereien auch keinen künstlerischen Wert haben, so sind sie doch durch die Originalität der Darstellungen interessant und umso beachtenswerter, als Wandmalereienaus jener Zeit von Jahr zu Jahr seltener werden.Die Gegenstände, welche über dem blauen Streifenzur Darstellung gebrachtsind, lassen es trotz der beiden kirchlichen Gemälde zweifelhaft erscheinen, obder Raum wirklich als Kapelle benutzt worden ist, ob er nicht vielmehr profanenZwecken, z. B. als Gelaggaden gedient hat. Letztere Annahme erscheint mir alsdie wahrscheinlichere, weil im ersten Stock des alten Gebäudes ein ausschließlichdem Gottesdienst geweihter Raum vorhanden war.Das Schloß muß ehedem sehr fest gewesen sein, denn es hat einigen Belagerungen mit Erfolg getrotzt. So im Jahre 1622, als 8000 Mann Kosacken, welcheFerdinand II. von dem Könige von Polen als Hilfstruppen gegen die rebellischenBöhmen zugesandt, von diesem aber bei Prag mit nur halbem Solde entlassenworden waren, ihren Rückweg über Schmiedeberg und Hirschberg nach Glogaunahmen. Sie bestürmten das Schloß Langenau, das von seinem Besitzer v. L e s tin Gemeinschaft mit Heinrich v. S p i l l e r tapfer verteidigt wurde, was die Kosacken dermaßen erbitterte, daß sie die Einwohner von Langenau aufs schändlichstemarterten, bis v. L e s t sie durch Zahlung von 3000 Thlr. in Gold und Kleinodienzum Abzug veranlaßte. Jm Laufe des 30jährigen Krieges wurde das Schloß nocheinmal durch den Burggraf v. D o h n a belagert, der, nachdem er durch 7 Wochenvergebliche Anstrengungen zu seiner Einnahme gemacht hatte, wieder abzog.5Langenau Schloß.docx

Jn den durch die Reformation hervorgerufenen kirchlichen Spaltungen fielauch dem Schlosse Langenau eine bescheidene Rolle zu, indem 1575 auf ihm derStreit über die Erbsünde und den freien Willen des Menschen nach dem Fallezwischen F l a c i u s J l l y r i c u s und J a c o b C o l e r u s , damals Pfarrer in Adelsdorf, ausgefochten wurde, nachdem die, aus dem Schlosse Lehnhaus, durch S e b a s t i a n v. Z e d l i t z auf Neukirch, angeregten Disputationen zu einer Einigungnicht geführt hatten. Der Streit endete mit der Niederlage des F l a c i u s , der darauf Schlesien verließ.Ein tragisches Familien-Ereignis, dessen Schauplatz Schloß Langenau war,mag hier noch Erwähnung finden. Am 30. April 1672 erstach nämlich O s w a l dv . L e s t infolge eines bei einem Gelage ausgebrochenen Streites seinen jüngerenBruder N i k o l a u s . Der Mörder entfloh nach Sachsen, kehrte aber nach drei Jahren zurück, stellte eine Kaution von 1000 Dukaten und wurde schließlich aus Fürbitte seiner Frau, einer geb. v. R e i b n i t z , gegen Zahlung einer ansehnlichenGeldbuße begnadigt.Der Grabstein des ermordeten N i k o l a u s befand sich vor mehreren Jahrennoch in der sogenannten Harte bei Matzdorf. Er enthielt in den Ecken vier undeutliche Wappen. Die in großen lateinischen Buchstaben hergestellte, nur nochschwer zu lesende Inschrift lautete:„Mein Leser, hier ist das Grab des weiland Hochedelgebohrnen und Gestrengen Herrn N i c l a s z e n v o n Lest auf Langenau und Flachenseiffen RömischKaiserl. Majestäten unter dem Hochl. Lothringischen Kyrassier Regiments bestallt gewesenen Kornets, welchen die Hand der Tugend bei annoch fast unmündigen Jahren auf den ritterlichen Staffeln der Ehre geleitet und die Hand des einzigen vollbürtigen Brudern O s w a l d i n s v o n L e s t durch einen abscheulichenDegenstoß hinweggerafft. Der klägliche Fall ist auf den 30. April 1672 auf beidereigenthümlichen Hause Langenau Abends zwischen 6 und 7 Uhr geschehen,allwo der Seelige, nachdem er folgenden Morgen in würkliche Kaiserl. Dienstezu Felde gehen sollte, auf dem Orte, wo. er gebohren, sein edles Blut und zugleichden muthigen Geist verlassen müssen: des Alters 21 Jahr 9 Wochen.,,Darumb bedenke, daß die Welt voll Fluch und Laster, voller Mord undFeindschaft sei, unter denen auch kein Bruder von der Hand des Bruders frei. Achbeweine deinen Stand, denn bei solchen blutigen Beinen, wie sie dieses Grab beschleußt, möchten doch wohl Steine weinen.“Wie dieser Grabstein in die Harte gelangt ist, war nicht zu ermitteln.6Langenau Schloß.docx

Kirche und Schloß Langenau bei Lähn. Von Klose Wenn man auf der Straße von Hirschberg nach Lähn wandert, wird man bald nach dem Austritt aus dem auf der Höhe hinter Grunau befindlichen Walde durch einen Blick auf die Vorberge und die dazwischen li